„Zur Trauer kommen heute Scham und Zorn“, Der Standard

08.05.2000

Projekt Beschreibung

Der Standard 8. Mai 2000

„Zur Trauer kommen heute Scham und Zorn“

Linz – Nach der traditionellen Gedenkfeier zur Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers in Mauthausen fand Sonntagabend ein Konzert der Wiener Philharmoniker unter Sir Simon Rattle statt. Auf dem Programm stand Beethovens 9. Symphonie mit der „Ode an die Freude“. Kein Konzert im eigentlichen Sinn, sondern ein „Versuch zu heilen“, wie die Veranstalter betonten.

Vor dem umstrittenen Konzert hielten Bundespräsident Thomas Klestil und EU-Kommissar Franz Fischler Ansprachen. Der Bundespräsident stellte fest, Mauthausen und seine 49 Nebenlager seien Symbole eines einzigartigen Verbrechens gegen die Menschlichkeit: „Zur Trauer über die Toten kommen heute Scham und Zorn: Scham und Zorn darüber, dass es nicht zuletzt auch Österreicher gewesen sind, die an diesen Untaten beteiligt waren.“

Zu den Lehren von Mauthausen gehöre, sagte Klestil, die Erkenntnis, „dass jeder nicht nur für seine eigenen Taten verantwortlich ist, sondern ebenso für jene, die durch Wegschauen und Unaufmerksamkeit erst möglich geworden sind“.

Gedenkdienst-Gründer Andreas Maislinger hätte gerne einen offiziellen Vertreter der Bundesregierung bei den Feiern gesehen. Denn diese habe sich in der Präambel zum Regierungsprogramm eindeutig festgelegt: „Unser Land nimmt die hellen und die dunklen Seiten seiner Vergangenheit und die Taten aller Österreicher, gute wie böse, als seine Verantwortung an.“ Es wäre daher im Sinn der Präambel, wenn beispielsweise der Innenminister teilgenommen hätte.

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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