ZivINFO – März 2002 / Verantwortung auf schwarz-blau Betreuung von Straßenkindern – Zivildienst in Buenos Aires Hallo aus Moskau! Der Auslandsprecher meint…

01.03.2002

Projekt Beschreibung

Verantwortung auf schwarz-blau Förderverein zur Behinderung des Auslandsdienstes 1992 übernahm Österreich geschichtliche Verantwortung, Seit damals ist es jungen Männern möglich statt eines Wehr- oder Zivildienstes einen 14-monatigen Ersatzdienst in Holocaust-Gedenkstätten zu leisten. In weiterer Folge zeigte Österreich auch, dass es sich der Geschichte nicht nur bewusst ist, sondern auch aus ihr gelernt hat. Mit dem Sozial- und dem Friedensdienst wurde der Welt ein Zeichen gesetzt, dass sich Österreich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen will und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft übernimmt. Doch scheint die neue Regierung nicht sonderlich viel von Verantwortung zu verstehen. Bis 2000 wurde jeder Auslandsdiener direkt vom BMI unterstützt. Ernst Strasser hatte jedoch die Idee, einen Förderverein zu schaffen, der ab 2001 die Finanzierung übernehmen sollte, dessen Budget sich auch aus Zuwendungen anderer Organe wie der Länder, Organisationen und privater Sponsoren zusammensetzen sollte. Das BMI fror seine Zuwendungen auf dem Stand von 2000 ein, was heißt, dass heuer, nach mehr als 14 Mio. Schilling im Jahr 2000, der Auslandsdienst mit 11 Mio. Schilling unterstützt wird. Nun hatte der Förderverein lange Zeit, sich zu konstituieren, den Fördervertrag (bzw. das Förderdiktat) aufzusetzen und Sponsoren zu finden. Immerhin schaffte der Vorsitzende Dr. Prugger es, bis Oktober den Trägervereinen mitzuteilen wieviele Auslandsdiener dieses Jahr gefördert werden (nein, nicht mehr alle), und dass durch 10.000 Euro vom Land Oberösterreich nicht nur mit dem Geld des BMI gefördert wird. Wie eng der Förderverein mit Trägervereinen zusammenarbeitet, zeigt sich wenn Vertreter der Organisationen lediglich zu einer Informationssitzung eingeladen werden, diese Monate auf einen Termin bei Dr. Prugger warten dürfen, und er nun den Vereinen auch noch die Suche nach privaten Sponsoren überläßt nachdem er dem selber nicht nachkommen will – oder darf? Nach ca. 140 Auslandsdienern im Jahr 2000 werden dieses Jahr – und wohl auch nächstes Jahr – immerhin 87 gefördert. Der Regierung scheint bewusst zu sein, dass sie bei einer enormen Senkung im Bereich des Gedenkdienstes wieder als rechts dastehen würde, denn immerhin wird dieses Jahr im Gegensatz zum Vorjahr die Mehrzahl der geförderten Auslandsdiener einen Gedenkdienst leisten. Also bleibt die geschichtsbewusste Fassade auch bestehen, wenn Ernst Strasser eine Einladung des Holocaust-Museums in Auschwitz ablehnt und stattdessen auf „Hochwasser-Sightseeing“ fliegt, zumindest solange, bis nächstes Jahr wichtige Gedenkdienststellen leer bleiben. Noch härter treffen die Einsparungen jedoch den Sozialdienst, was auch bei der „Höhe“ des österreichischen Entwicklungshilfebudgets kaum anderes zu erwarten war, neoliberale Politik scheint unvereinbar mit sozialem Engagement zu sein. Dem Staat scheint es mehr zu bringen, wenn ein Zivildiener mehr in Österreich darauf wartet in einer EDV-Abteilung zu hocken, als wenn er z.B. in Costa Rica Straßenkinder betreut. Der Förderverein macht nicht einmal einen Hehl daraus, dass v.a. der Sozialdienst gekürzt werden SOLL und der Verein nicht selber Sponsoren suchen wird. Wenn er Auslandsdienst lieber behindert, sollte er seinen Namen ändern oder sich auflösen und Ernst Strasser endlich Verantwortung übernehmen und den Auslandsdienst wieder direkt vom BMI voll unterstützen. sp Betreuung von Straßenkindern – Zivildienst in Buenos Aires In Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires ist die Zahl der auf der Straße lebenden Kinder im ansteigen. Wirtschaftskrise und Staatsbankrott verschlimmern die Situation. Zwei österreichische Zivildiener arbeiten in einem Integrationszentrum für Straßenkinder in Buenos Aires. Erfahrungsbericht von Hartwig Imlinger und Jürgen Edlinger 12 Uhr mittags: Rund 50 Kinder warten im C.A.I.N.A. (Centro de Atencion integral a la Ninez y Adolescencia – Integrationszentrum für Kinder und Jugendliche der Stadt Buenos Aires) auf ihr tägliches Essen. Wochentags sind um diese Zeit die meisten Kinder versammelt: für sie ist das Integrationszentrum eine wichtige, wenn nicht lebensnotwendige Maßnahme. Im Mittelpunkt steht der soziale Kontakt der Kinder untereinander sowie zu den Betreuern in einem geschützen Raum. Für die Kinder und Jugendlichen, die hierher kommen, ist es eine der wenigen Möglichkeiten dem harten Alltag auf der Straße zu entkommen. In der hier verbrachten Zeit können sie sich im besten Fall wieder ein wenig wie Kinder fühlen. Die meisten hier haben keinen fixen Aufenthaltsort oder Schlafplatz, für sie ist das C.A.I.N.A. einer der wenigen Plätze wo sie sich sicher und betreut fühlen. Viele kommen bereits früh am morgen: Zum Frühstück gibt es Tee, Brot, Käse, Marmelade, Kekse und Karamellcreme. Im Zentrum gibt es Wasch- und Duschmöglichkeit, Kleiderausgabe, Fußballplatz, Basketball, Brettspiele. Öfters organisieren die Betreuer Spezialprogramme, wie mit den jüngeren auf einen Spielplatz zu fahren, oder mit den älteren ein Kino zu besuchen. Seit 1999 unterstützen je zwei österreichische Zivildiener, die hier ihren Auslandsdienst leisten die lokalen Sozialarbeiter. Sie helfen bei der Betreuung der Kinder sowie bei der Essens- und Kleiderausgabe. Dieses Projekt wurde vom Verein für Dienste im Ausland (www.auslandsdienst.at) iniziiert. Durch den Auslandsdienst wird es jungen Österreichern ermöglicht, in Ländern wie Argentinien, China oder Nicaragua ihren Zivildienst zu leisten. Durch ein Auswahlverfahren wird darauf Rücksicht genommen, dass die jeweiligen Stellen mit dafür qualifizierten Leuten besetzt werden. Für die Arbeit im C.A.I.N.A. in Buenos Aires sind die Voraussetzungen Spanischkenntnisse sowie Praktika im Sozialbereich. Die Kinder im C.A.I.N.A. sind zuerst oft ein wenig verwundert wer die neuen Mitarbeiter sind und warum sie den weiten Weg herkommen, um mit ihnen zu arbeiten. Die Älteren hier kennen jedoch schon einige der Österreicher, die hier gearbeitet haben. Einige erinnern sich sogar noch an deren Namen, die in ihren Ohren seltsam klingen. Seit einiger Zeit ist im C.A.I.N.A. eine Weltkarte aufgehängt, damit sich die Kinder das Herkunftsland ihrer Mitarbeiter auch geografisch vorstellen können. Für die Angestellten hier ist die Arbeit der österreichischen Auslandsdiener eine wichtige Unterstützung. In der katastrophalen finanziellen Situation in der sich Argentinien gegenwärtig befindet, können in sozialen Institutionen keine zusätzlichen Mitarbeiter bezahlt werden. Es ist jedoch auch nicht gesichert, dass die Arbeit der Auslandsdiener weiterhihn stattfinden kann. Das Ministerium für Inneres hat sich weitgehend aus der Finanzierung zurückgezogen und es sind noch nicht ausreichend private Unterstützer gefunden worden, um weiterhin zwei Auslandsdiener nach Argentinien zu entsenden. Zurück nach Buenos Aires: Für die Kinder des Integrationszentrums waren die letzten Monate eine bewegende Zeit. Einige waren bei den Demonstrationen und Supermarktplünderungen in ihren Vierteln dabei. Das Vertrauen in die neue argentinische Regierung ist nicht groß, weitgehende Verbesserungen in nächster Zeit erwartet sich hier niemand: Wenn das C.A.I.N.A. mit seinen Möglichkeiten weiterhin für diese Kinder offensteht, bleibt für sie wenigstens ein bestimmter Rückhalt bestehen, auf den sie sich verlassen können. © Hartwig Imlinger, Jürgen Edlinger, Buenos Aires 2002 Heinz Wagner- Kurier Walter Achleitner- Linzer Kirchenzeitung…. Hallo aus Moskau! Ich fange gleich an ein wenig über die letzten 2 Monate zu berichten: Unsere Tätigkeit im Dezember war gekennzeichnet durch den Abschluss der sogenannten Winterinitiative, die schon im Oktober und November gelaufen ist. Das bedeutet vor allem die Ausgabe von humanitären Hilfspaketen an verschiedenste notleidende Personen und Familien, um gerade im harten Winter die ausreichende Ernährung zu gewährleisten. So wurden im Dezember um die 6 Tonnen verschiedener Hilfsgüter, der Grossteil der Lebensmittel persönlich gegen Unterschrift und das Vorweisen der entsprechenden Dokumente, verteilt: An alleinstehende Pensionisten, die mit ihrer Pension an der Existenzgrenze leben, an schwach verdienende Vielkinderfamilien, an Familien mit behinderten Kindern, teilweise schwerst behindert, an Bluterkranke, die kaum staatliche Unterstützung für ihre Medikamente bekommen, Weitere Hauptaktionen dieses Monats war ein alljährlicher wohltätiger internationale Weichnachtsbasar, bei dem zusätzliche Geldmittel eingetrieben wurden. Das war mein hauptsächliches Betätigungsfeld im Dezember. Nach 5 Monaten durchgehender Arbeit ohne einen zusätzlichen freien Tag, außer Wochenenden, und von denen auch nicht alle, hatten wir die ersten 2 Wochen des Januars bis zum 16 Januar, wobei wir als Urlaub nur eine Woche rechnen, da wir einen großen Polster an Überstunden erarbeitet hatten. Im Januar ist die Winterinitiative vorbei, das bedeutet keine großen Humanitäraktionen, sondern Kontakte knüpfen und die Suche nach neuen förderungswürdigen Projekten für die Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“. Außerdem wurde und wird zur Zeit in unseren Räumlichkeiten umstrukturiert, neu geordnet und verstaut, hauptsächlich verschiedenste Hilfsgüter, die auf ihren Abnehmer warten, und die bei uns zwischengelagert werden. Schließlich unser normaler Arbeitsalltag im Büro: In der unsere Individualhilfearbeit mit speziellen Empfangstagen läuft, seit unsere Organisation kürzlich im Radio vorgestellt wurde ein intensiver Postverkehr. Die letzte Jännerwoche bin ich mit Grippe im Bett gelegen. Das wären mal 2 kurze Berichte über die Arbeit den letzten 2 Monate. liebe Grüße aus Moskau Roland Aufschnaiter Der Auslandsprecher meint: Es ist jetzt ungefähr drei Monate her, seit ich die Funktion des Auslandssprechers der Plattform für Zivildiener übernommen habe. Es hat sich einiges getan, aber sehr viel Arbeit steht noch an: Die Homepage der Auslandsdienerwww.auslandsdienst.info hat sich zu einer vielgenutzten Informationsquelle entwickelt, und im „Forum“ laufen rege Diskussionen über unsere Situation und mögliche Lösungsansätze. Es freut mich sehr, dass hier so viel in Bewegung geraten ist, insbesondere was die Kommunikation der Auslandsdienern von unterschiedlichen Trägerorganisationen betrifft. Dennoch wünsche ich mir einige Verbesserungen für diese Seite, für deren Realisierung ich aber die Mithilfe der einzelnen Trägerorganisationen benötige: Es ist sicher ein Gewinn, wenn sich die jeweiligen Vereine bereit erklären, Informationen für die Sektion “Auslandsdiener” zur Verfügung zu stellen. Dort sind alle Auslandsdiener aufgelistet, die bereits ihren Dienst absolviert haben bzw. demnächst ableisten werden. Auf diese Weise kann mehr Licht in die Entsendungsstatistik en der Vereine gebracht werden, was nicht nur den interessierten Auslandsdienern zugute kommt, sondern auch die Trägervereine gegenüber der Öffentlichkeit in ein besseres Licht rückt. Dies halte ich deshalb für wichtig, da von Seiten des Innenministers bereits argumentiert wurde, daß ein nicht unerheblicher Anteil des Geldes in den Vereinen „hängenbleibt“ und nicht direkt an die Auslandsdiener weitergeleitet wird. Am Samstag, den 16. März findet, wie bereits erwähnt, der nächste Zivi-Kongreß statt. Dort wird auch der neue Auslandsdienstsprecher gewählt, da mein Stellenantritt in Kenia vor der Tür steht und damit eine zweite Kandidatur nicht möglich ist. Ich halte es für sehr wünschenswert, dass von jeder Trägerorganisation zumindest ein Vertreter bei diesem Kongreß erscheint. Auf diese Weise kann ein Kandidat gefunden werden, der möglichst viele Trägervereine hinter sich hat. Außerdem können bei dieser Gelegenheit gut gemeinsame Interessen und Ziele besprochen und koordiniert werden. Abschließend möchte ich noch auf das Zehnjahres-Jubiläum des Auslandsdienstes hinweisen. Seit 1992 ist es jungen Männern möglich, statt eines Wehr- oder Zivildienstes einen 14-monatigen Ersatzdienst in Holocaust-Gedenkstätten im Ausland zu leisten. Vielen Dank für Ihre Mithilfe! Andreas Krenn

Projekt Details

  • Datum 16. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2002

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