Zivildienst an Orten der NS-Verbrechen zulassen!, Neue AZ

18.04.1988

Projekt Beschreibung

Zivildienst an Orten der NS-Verbrechen zulassen!

Viele Zivildienstantragsteller beschäftigen sich mit Themen wie Gewaltfreiheit, Feindbilder und Feindbildabbau, Kriegsursachen oder auch Völkerverständigung. Beim eigentlichen Zivildiensteinsatz bestehen jedoch kaum Möglichkeiten, sich in diesen Bereichen zu engagieren. Nur der Grundlehrgang hat im Lehrblock „Möglichkeiten gewaltfreier Verteidigung im Rahmen der umfassenden Landesverteidigung“ eine (leider nur sehr bescheidene) Möglichkeit der Beschäftigung mit diesem Thema geschaffen. Eine Form des Zivildienstes, bei der Zivildienstleistende im Ausland eingesetzt werden – vor allem in Ländern und mit den Menschen, die besonders unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatten -, würde dieses Defizit (zumindest ansatzweise) beseitigen. Konkret könnte das so aussehen: Zivildienstleistende arbeiten in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau (Volksrepublik Polen) mit, leisten dort notwendige Instandsetzungsarbeiten und betreuen Besuchergruppen (besonders aus Österreich). Oder: Zivildienstleistende arbeiten in jüdischen Sozialeinrichtungen wie Altersheimen, Behindertenprojekten und Pflegeanstalten (mit Überlebenden des Holocaust). Auch eine Mitarbeit in der Mahn- und Gedenkstätte Yad Vashem ist denkbar. Weiters kämen die Anne-Frank- Stiftung in Amsterdam und die Stadt Marzabotto in Frage. Mit dem namentlich genannten Einrichtungen haben bereits Gespräche über eine mögliche Mitarbeit von österreichischen Zivildienern stattgefunden. Besonders die Anne-Frank-Stiftung würde sich sehr über österreichische Mitarbeiter freuen. Einsätze dieser Art werden in der Bundesrepublik Deutschland von der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste seit vielen Jahren durchgeführt. Von der Aktion Sühnezeichen stammt auch die Idee, diese Möglichkeit auch in Österreich zu schaffen. Diese Art des Einsatzes von Zivildienstleistenden würde vor allem ein konkreter und tatkräftiger Beitrag des (offiziellen) Österreich sein, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Es würde dadurch nicht nur ein innerösterreichisches Zeichen gesetzt werden, sondern der Einsatz von österreichischen Zivildienstleistenden in NS-Gedenkstätten würde auch dem Ausland die ehrliche Bereitschaft Österreichs, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, signalisieren. Es wäre ein Beitrag, der – gefördert von den zuständigen österreichischen Ministerien – weit über bloße Worte und Beteuerungen hinausginge. Nicht zuletzt wären Zivildienstleistende nach einem solchen Zivildiensteinsatz an ausländischen NS-Gedenkstätten bei entsprechender Weiterbildung mögliche Referenten für Schulen und Jugendgruppen zu Themen wie Konzentrationslager, Holocaust, Antisemitismus oder „Vergangenheitsbewältigung“. Andreas Maislinger, Innsbruck

Projekt Details

  • Datum 7. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 1979 - 1990

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