„Ziel muss sein, dass man nicht mehr von Hitlerstadt Braunau spricht“, Oberösterreichische Nachrichten

05.09.2016

Projekt Beschreibung

„Ziel muss sein, dass man nicht mehr von Hitlerstadt Braunau spricht“

BRAUNAU. Andreas Maislinger strebt mit einem „Haus der Verantwortung“ weltweit ein völlig anderes Image für Hitlers Geburtshaus an.

Wie geht es mit dem Geburtshaus von Adolf Hitler weiter? Bild: OÖN

Ein altes Haus in der Braunauer Vorstadt. Drei Stock hoch, ockerfarben. Über kein Haus wird in Österreich mehr diskutiert. Es ist das Geburtshaus von Adolf Hitler. Seit 2011 steht das Haus leer. Schon lange vorher wurde öffentlich darüber nachgedacht, was mit dem Haus nach dem Auszug der Lebenshilfe (2011) geschehen sollte.

Im Herbst wird wohl ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nachdem sich der Ministerrat im Juli für eine Enteignung des Geburtshauses von Hitler ausgesprochen hat, dürfte das dafür notwendige Gesetz im Herbst im Nationalrat beschlossen werden.

Die Eigentümerin, die seit Jahren eine relativ hohe Miete vom Innenministerium erhält, soll eine finanzielle Entschädigung bekommen. Doch wie geht es nun weiter mit dem Gebäude, in dem 1889 ein Kind geboren wurde, das als Erwachsener die halbe Welt ins Unglück stürzte?

Anderes Image für Hitlerhaus

Für den Wissenschafter Andreas Maislinger ist die Antwort eindeutig: Ein „Haus der Verantwortung“ soll auf drei Stockwerken das Image des Hauses in ein ganz anderes Licht rücken. Seit Jahren setzt sich Maislinger für diese Idee eines „House of Responsibility“ ein. Maislinger wünscht sich, dass in diesem Haus Institutionen und Einzelpersonen, vor allem junge Menschen aus aller Welt, an Gedenk-, Sozial- und Friedensprojekten arbeiten.

Während zum Beispiel der Braunauer Bundesrat David Stögmüller (Grüne) eine Einbindung der Stadtgemeinde fordert, hofft Maislinger, dass seine Vorstellungen vom Haus der Verantwortung beim Innenministerium auf Gegenliebe stoßen. „Würde Innenminister Wolfgang Sobotka zu mir sagen, zeig uns was du kannst, dann könnte ich sehr schnell starten. „Das ganze wäre ein Projekt, das laufend weiterentwickelt wird. Das Haus ist im Wesentlichen in einem guten Zustand. Die jungen Menschen aus der ganzen Welt könnten wir über den österreichischen Auslandsdienst nach Braunau holen“, sagt Maislinger. Vorstellbar wären 20-30 „Auslandsdiener“, die sich im Haus der Verantwortung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen sollen. Es gehe bei diesem Projekt nicht nur um die Zeit der Nazis, so Maislinger.

Fehlende „Durchschlagskraft“

Für ihn gebe es keine andere Alternative als das Haus der Verantwortung. „Das Hitlerhaus muss zu einem Haus der Verantwortung, einer internationalen Stätte der Begegnung und Versöhnung werden. Die Idee ist ja vor 16 Jahren aus Braunau gekommen, damals wurde diese von allen Parteien im Gemeinderat unterstützt. Nur seit die Lebenshilfe 2011 aus dem Geburtshaus von Hitler ausgezogen ist, ist nichts mehr passiert. Ich vermisse hier eine gewisse politische Durchschlagskraft“, sagt Maislinger im OÖN-Gespräch.

Davon, das Gebäude weitere Jahre nicht zu nutzen, hält Maislinger nichts. „Je länger das Hitlerhaus leer steht, desto mehr Leute kommen genau deshalb nach Braunau. Das kann sicher nicht im Sinne der Stadt sein.“

Völlig neues Image für Braunau

Sollte das „House of Responsibility“ realisiert werden, dann würde, ist Maislinger felsenfest überzeugt, die Stadt Braunau weltweit rasch ein völlig anderes Image bekommen. „Die Tatsache, dass Hitler hier geboren ist, kann man nicht wegwischen, aber Ziel muss sein, dass man nicht nur von der Hitlerstadt spricht, sondern vielmehr von einer Stadt, in der das Haus der Verantwortung steht. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Wahrnehmung im In- und Ausland völlig ändern würde. Viele Leute würden auch nicht mehr verschweigen, dass sie aus Braunau kommen“, so Maislinger.

„Habe einen langen Atem“

Er sei sich darüber bewusst, dass noch weitere Jahre bis zu einer Entscheidung für die Weiternutzung des Hitlerhauses vergehen könnten. „Ich bin bekannt dafür, dass ich einen langen Atem habe. Bis das Haus der Verantwortung kommt, werde ich ruhig und ohne Aufregung weiterarbeiten. Wenn es zwei Jahre länger dauert, dann soll es so sein.“

„Chance auf weltweite Aufmerksamkeit verpasst!“
Andreas Maislinger (l.) mit Oscar-Preisträger Branko Lustig.

Projekt Details

  • Datum 7. September 2016
  • Tags Pressearchiv 2016

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