WU Aktuell (Wien) – 1999 / Zivildienst in Los Angeles – Neben Auslandsstudium und Auslandspraktikum gibt es noch eine wenig bekannte Alternative um Auslandserfahrung zu sammeln

1999

Projekt Beschreibung

Zivildienst in Los Angeles

Neben Auslandsstudium und Auslandspraktikum gibt es noch eine wenig bekannte Alternative um Auslandserfahrung zu sammeln

Egal ob Wehrpflicht oder Zivildienst, meint ein schwieriges Thema für all jene, die diese Verpflichtung noch vor sich haben. Leider wissen nur die wenigsten, wie man aus dieser Not eine Tugend machen kann. Darum möchte ich in dieser Ausgabe des WUaktuell eine der drei außergewöhnlichen Alternativen Gedenkdienst, Friedensdienst, Sozialdienst, vorstellen. In meinen Ausführungen werde ich nun näher auf den Gedenkdienst eingehen, da es derzeit in diesem Rahmen die meisten Aktivitäten gibt. Der Sozial – und Friedensdienst befindet sich erst im Aufbaustadium. Der Gedenkdienst. Mit den Zivildienstnovellen 1991, ’93 und ’97 wurden die gesetzlichen Vorrausetzungen geschaffen, den Zivildienst in Form eines 14monatigen Dienstes im Ausland zu absolvieren. Die Gedenkdienstleistenden arbeiten in Organisationen, die dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus gewidmet sind; wo mit auch schon die Idee klar sein sollte. Der Gedenkdienst ist eine Bekenntnis Österreichs zur Mitverantwortung am Holocaust und soll ein Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit sein. Die Arbeit richtet sich nach den jeweiligen Anforderungen der Einsatzstellen sowie den Interessen und Fähigkeiten des Gedenkdienstleistenden. Im allgemeinen handelt es sich um Öffentlichskeitarbeit, Organisation und Betreuung von Führungen und Ausstellungen, Übersetzungs- – Archivarbeiten, etc… UM einen besseren Überblick zu geben, möchte ich nun Auszüge aus einem aktuellen Bericht von Mag. Philipp Naderer zitieren, der seit 15. September im Simon Wiesenthal Center in Los Angeles tätig ist: „… Ich wandte mich an den Verein für Dienste im Ausland unter der Leitung von Dr. Andreas Maislinger und wurde nach einer Vorbereitungszeit, in der ich mit anderen Kandidaten Seminare des Vereins besuchte, mit Zeitzeugen sprechen konnte und themenbezogene Bücher las, für den Gedenkdienst ausgewählt. (…) Das Center gliedert sich in Bibliothek, Archiv und das Museum of Tolerance – welches wiederum drei Bereiche umfaßt: Die Erinnerung an den Holocaust, die Veranschaulichung vergangener und gegenwärtiger Intoleranz und ein Multimedia Learning Center (…) In der erste Woche nahm ich an Einschulungsseminaren und Führungen teil und mir wurden die verschiedenen Arbeitsbereiche des Center erklärt. Dabei lernte ich auch das freundliche und offene amerikanische Arbeitsklima kennen (…) Für die Bibliothek bearbeitete ich bereits Ansuchen von Filmgesellschaften und anderen Unternehmen. Dafür sammelte ich Informationen und Fotomaterial (…) und präsentierte schließlich die Ergebnisse meiner Recherchen den jeweiligen Auftraggebern (…) In wenigen Wochen werde ich Besucher der Holocaust – und Toleranz-Ausstellung führen (…). Meine Arbeit im Archiv besteht einerseits aus der Übersetzung von deutschsprachigen Dokumenten ins Englische und andererseits aus der Dokumentation von Fotos. Diese Fotos, die größtenteils die Leiden der Holocaustopfer zeigen, haben mich schwer erschüttert und meine Entscheidung Gedenkdienst zu leisten als richtig bestätigt.“ Die vollständige Version dieses Berichts, weitere Berichte von Gedenkdienstleistenden in Montreal und in London sowie eines Sozialdienstleistenden in Prag, werden in Kürze auf der Homepage des Vereins für Dienste im Ausland nachzulesen zu sein. Die persönlichen Vorteile dieser anderen Art der Auslandserfahrung, kann sicherlich jeder selbst am beste nachvollziehen. Und den ungeheuren Wert, einer Arbeitstätigkeit im Ausland für die spätere Berufslaufbahn, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Jedoch will ich die besondere Bedeutung, sich mit dieser brisanten Thematik eingehend auseinander zu setzen, hervorheben. Denn dieser offene und ehrlich Umgang mit diesem ernsten Kapitel österreichischer Vergangenheit stellt, meines Erachtens, eine große und persönliche und eine noch viel größere gesellschaftliche Bereicherung dar. Es ist wohl eine einmalige Herausforderung, 14 Monate an einem höchstinteressanten Arbeitsplatz an ganz besonderen Orten zu agieren, in einem fremden Kulturkreis zu leben und eine Fremdsprache zu perfektionieren. Ich glaube, dass unter anderem diese Punkte dem Gedenkdienst eine ganz persönliche Note geben und ihn zu einer ganz besonders eindrucksvollen Initiative machen.
Dominik Zotti  Für weitere Informationen über den Verein für Dienste im Ausland stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Ihr erreicht mich unter folgender e-mail Adresse: . Oder ihr kontaktiert die Homepage des Vereins: www.auslandsdienst.at. Für Informationen über andere anerkannte Trägerorganisationen, gesetzliche Regelungen, u.s.w. wendet Euch bitte an das Innenministerium.

Projekt Details

  • Datum 25. September 2016
  • Tags Pressearchiv 1999

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