Wer wir sind und was wir bewirken können, Vorarlberger Nachrichten

17.06.2017

Projekt Beschreibung

VN-INTERVIEW. Aaron Peterer (35), Koordinator des Anne Frank Vereins in Österreich

Wer wir sind und was wir bewirken können

Aaron Peterer hat Vermittlungskonzepte erarbeitet. Foto: Tas

Aaron Peterer hat Vermittlungskonzepte erarbeitet.FOTO: TAS

Die Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ gastiert in Vorarlberg.

FELDKIRCH. (ae) „Wir zeigen jungen Menschen, wie sie mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten einen positiven Beitrag zu einer Gesellschaft mit demokratischen Grundprinzipien leisten können“, erklärt Aaron Peterer, Koordinator des Anne-Frank-Vereins in Österreich.

Herr Peterer, Sie haben Ihren Zivildienst als Gedenkdienst im Anne Frank Museum in Amsterdam absolviert. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

PETERER: Es war für mich sowohl menschlich, als auch beruflich eine sehr prägende Zeit. Zunächst bietet die Stadt Amsterdam an sich eine internationale Bühne von Menschen, Kulturen und Einstellungen, die einem jungen Tiroler völlig unbekannt waren. Die Gedenkdiener im Anne-Frank-Haus leisten ihren Dienst in der internationalen Abteilung. Diese koordiniert weltweit die Ausstellungstouren, Workshops und Kooperationsprojekte mit Partnerorganisationen.

Was haben Sie dabei über eine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs und Deutschlands erfahren?

PETERER: Der Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus wurden von den Projektschulen nicht nur als Periode der Geschichte behandelt. Vielmehr wurde auf die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Veränderungen eingegangen, die die Terrorherrschaft der Nazis möglich machten. Aus meiner Erfahrung hatten Schüler in Deutschland und in Österreich ähnliche Lernansätze. Es gab jedoch einen großen Unterschied: In Deutschland galt es als selbstverständlich, dass junge Menschen eine Mitverantwortung haben, zu einer offenen Gesellschaft beizutragen, damit sich die Fehler von damals nie wiederholen werden. Diese Selbstverständlichkeit habe ich in Österreich oft vermisst.

Sie leiten heute den Anne Frank Verein. Welche Aufgaben hat der Verein?

PETERER: Der Anne Frank Verein Österreich unterstützt die pädagogischen Aktivitäten des Anne-Frank-Hauses Amsterdam in Österreich und den Nachbarländern. In unseren Aktivitäten in Schulprojekten, aber auch in der offenen Jugendarbeit erfahren unserer Teilnehmer anhand der Lebensgeschichte der Anne Frank, wie Intoleranz, Diskriminierung, Ausgrenzung, Antisemitismus und Rassismus zum Holocaust geführt haben. Wir zeigen jungen Menschen, wie sie mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten einen positiven Beitrag zu einer toleranteren und vielfältigeren Gesellschaft mit demokratischen Grundprinzipien leisten können.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?

PETERER: Unsere Ziele setzen wir in Ausstellungspräsentationen, Filmworkshops zu Menschenrechten und zu Erinnerungskultur, Fahrten zu Gedenkstätten und Diskussionsworkshops um.

Ein spannender Zugang in der Kulturvermittlung ist die „Peer Education“. Darf man Ihre Workshops, in denen Sie Schüler zu Guides ausbilden, in diesem Zusammenhang verstehen?

PETERER: Der Dialog wird zum zentralen Bestandteil jeder Ausstellungsbegleitung und ermöglicht den Guides und Besuchern Wissens- und Erfahrungsaneignung.

Was macht diese „Peer to Peer“-Vermittlung aus?

PETERER: Dass Jugendlichen auf Augenhöhe miteinander diskutieren, die Besucher werden nicht auf Wissen getestet. Wir möchten erreichen, dass die Guides ihre Besucher sensibilisieren.

Projekt Details

  • Datum 30. Juni 2017
  • Tags Pressearchiv 2017
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