Wehrpflichtdebatte beschäftigt kirchliche Zivildienstträger, kathweb

30.08.2012

Projekt Beschreibung

kathweb, 30.08.2012
Wehrpflichtdebatte beschäftigt kirchliche Zivildienstträger
„Jugend Eine Welt“, Johanniter-Unfall-Hilfe und Diakonie äußern Bedenken im Blick auf die Folgen einer möglichen Wehrpflichtabschaffung
Wien, 30.08.2012 (KAP) Die politische Debatte über die Zukunft der Wehrpflicht beschäftigt weiterhin auch kirchliche Zivildienstträgerorganisationen. „Jugend Eine Welt„, die Johanniter-Unfall-Hilfe und die evangelische Diakonie äußerten am Donnerstag Bedenken im Blick auf die Folgen einer möglichen Wehrpflichtabschaffung für den Sozialbereich. Das in der Entwicklungszusammenarbeit tätige katholische Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ hegt vor dem Hintergrund der Wehrpflichtdebatte Sorge über die Zukunft der Auslandsdienste. Die Organisation ist eine von österreichweit 25 Trägerorganisationen, die Zivildienern Einsätze im Ausland – als Gedenk-, Friedens- oder Auslandsdienst – vermitteln. Mit „Jugend Eine Welt“ sind jährlich etwa 20 „Zivilersatzdiener“ zwölf Monate lang in Ländern des „Südens“ im Einsatz. „Wie es, falls die Wehrpflicht abgeschafft wird, mit den sogenannten Auslandsdiensten weitergeht, ist momentan noch gänzlich ungeklärt“, warnte „Jugend Eine Welt“-Geschäftsführer Reinhard Heiserer in einer Aussendung am Donnerstag davor, diesen globalen Aspekt aus der öffentlichen Diskussion auszusparen. „Die Zivilersatzdiener nehmen für unseren Staat eine Verantwortung war, nämlich die gegenüber der Welt.“ „Jemand der die ungerechte Verteilung auf unserer Erde 365 Tage lang hautnah miterlebt hat, trifft in seinem weiteren Leben andere, bewusstere Entscheidungen“, ist Heiserer überzeugt. Ein junger Mensch, der aus einem Entwicklungsland zurückkommt, habe „nicht nur für sich persönlich wertvolle Erfahrungen gesammelt“, sondern solche, die von zivilgesellschaftlicher Bedeutung seien. Sie tragen laut Heiserer durch ihr Engagement dazu bei, „dass in Österreich das Bewusstsein für globale Probleme geschaffen wird“. Die meisten jungen Männer engagieren sich auch nach ihrer Rückkehr von einem Auslandseinsatz bei „Jugend Eine Welt“ für entwicklungspolitische Themen und globale Gerechtigkeit. „Ohne Zivildienst Rückgang im Ehrenamt“ „Sollten die Wehrpflicht und damit der Zivildienst fallen, ist mit einem starken Rückgang an Ehrenamtlichen zu rechnen“: Davor hat die Johanniter-Unfall-Hilfe gewarnt. Das als freiwillige Alternative angedachte Soziale Jahr bringe erhebliche Mehrkosten. „Unklar ist, wer dafür aufkommt“, so Bundesgeschäftsführer Robert Brandstetter am Donnerstag in einer Aussendung. Derzeit engagierten sich mehr als die Hälfte der bei den Johannitern tätigen Zivildiener auch danach ehrenamtlich bei der katholischen Hilfsorganisation. Ohne Zivildiener und Ehrenamtliche sei der bisherige Leistungsumfang im Rettungsdienst und Krankentransport nicht mehr aufrechtzuerhalten. Für die Bewältigung von Großereignissen oder bei Katastropheneinsätzen stünde statt einer großen Anzahl Ehrenamtlicher nur mehr eine überschaubare Zahl von bezahlten Freiwilligen zu Verfügung. Das von Sozialminister Rudolf Hundstorfer eingebrachte Konzept eines Sozialen Jahrs, dessen Absolventen nach Kollektivvertrag zu bezahlen seien, würde laut Brandstetter keinen adäquaten Ersatz darstellen. „Die Interessenten müssen zwei bis drei Monaten lang ausgebildet werden. Sie sind ähnlich lange wie ein Zivildiener im Einsatz, kosten aber deutlich mehr.“ Es stelle sich auch die „Frage, warum Freiwillige befristet zu denselben Kosten beschäftigt werden sollen wie hauptberufliche Arbeitnehmer, die aber länger beschäftigt bleiben?“ Die Zahl der Interessenten an einem Sozialen Jahr werde je nach Lage am Arbeitsmarkt schwanken, mutmaßt der Johanniter-Vertreter. „Alte, kranke und hilfsbedürftige Menschen benötigen allerdings auch in Zeiten der Hochkonjunktur ausreichende Versorgung“, hielt Brandstetter fest. „Letztlich wird das Problem auf Private abgewälzt, die durch ihre Spenden Leistungen aufrechterhalten, die eigentlich der Sozialstaat finanzieren müsste.“ „Regierung soll regieren statt delegieren“ Die Frage eines Berufsheeres oder einer allgemeinen Wehrpflicht mit entsprechenden Ersatzdiensten sei grundsätzlich eine politische und somit für Hilfsorganisationen nachrangig, sagte Diakonie-Direktor Michael Chalupka am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz in Wien. Der Staat trage jedenfalls Verantwortung dafür, dass der Sozialbereich mit notwendigen Kräften ausgestattet wird. Ob das mit dem Hundstorfer-Modell eines Sozialen Jahres zu bewerkstelligen sein wird, sei höchst fraglich, so Chalupka gegenüber „Kathpress“. Der Diakonie-Direktor übte auch Kritik daran, dass manche Sozialbereiche wie etwa Rettungsdienste hochgradig abhängig von Zivildienern seien. Hier habe der Staat auf Billigvarianten statt auf hohe Qualifikation gesetzt. Vor diesem Hintergrund hält Chalupka auch von einem etwaigen verpflichtenden Sozialdienst nichts: Für sozial anspruchsvolle Tätigkeiten brauche es hohe Motivation, die sich bei derzeitigen Zivildienern z.B. auch darin zeige, dass sie ihrer Trägerorganisation auch nach dem Einsatz verbunden bleiben. Chalupka grundsätzlich zum derzeitigen Tauziehen um die Wehrpflicht: „Es ist ein bedenkliches Zeichen, wenn die Politik glaubt, nicht mehr regieren zu müssen“, sondern heikle Fragen an das Volk delegiert. Eine Koalitionsregierung, die so agiere, habe wenig Zukunft, meinte der Diakonie-Chef. Link: http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/48832.html

Projekt Details

  • Datum 12. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2012

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