Was tun mit dem Hitlerhaus? Eine Bestandsaufname, 16.01.2015

16.01.2015

Projekt Beschreibung

„Braunau könnte endlich den Ruf loswerden, Geburtsort des Bösen zu sein.“ Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maislinger hofft darauf, dass nach langen Jahren des Hin und Her das Städtchen Braunau an der österreichisch-bayerischen Grenze sein Problem mit dem Geburtshaus Adolf Hitlers in den Griff bekommt.

Noch ist der in St. Georgen geborene Initiator der „Braunauer Zeitgeschichte-Tage“ verhalten optimistisch. Zu oft wurde er in seiner wegweisenden Strategie, offen mit dem historischen Erbe umzugehen und Bewältigung statt Verdrängung zu praktizieren, jäh eingebremst. Am Donnerstag aber freute er sich, dass die auch in derPNP berichtete Nachricht einer möglichen Enteignung der Eigentümerin des Hitlerhauses von der internationalen Presse aufgenommen wurde und das Thema weltweit diskutiert wird.

Wiener Regierung prüft Schaffung eines neuen Gesetzes

Dem Österreichischen Innenministerium scheint der Geduldsfaden gerissen zu sein. Der Staat ist Mieter des Hauses, zahlt seit vielen Jahren Monat für Monat knapp 5000 Euro – eine dem Vernehmen nach „ortsunüblich hohe“ Miete – an die Eigentümerin Gerlinde Pommer. Seit drei Jahren ist das Haus leer, verfällt. Der letzte Nutzer, ein Behinderten-Verein, ist wegen Baumängeln ausgezogen.

Filmproduzent Branko Lustig, der für

Filmproduzent Branko Lustig, der für „Schindlers Liste“ einen Oscar bekam , steht 2011 mit dem Politologen Andreas Maislinger (r.) am Gedenkstein vor dem Braunauer Hitlerhaus. Der Auschwitz-Überlebende unterstützt Maislingers Idee eines Hauses der Verantwortung. (F.: Tips/Stadtarchiv Passau)

Das Wiener Ministerium hatte im Dezember ein Kaufangebot für das Haus gemacht, aber noch nichts von der Eigentümerin gehört. Reagiert sie bis Ende des Monats nicht, dann setzt das Ministerium die schärfste und höchst selten benutzte Waffe der Enteignung ein. Wie der Sprecher des Ministeriums bestätigte, seien alle Optionen vor Ort gescheitert, das Ministerium müsse sich selbst der Sache annehmen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ erfahren hat, prüft man in Wien sogar die Schaffung eines neuen Gesetzes, dass es ermöglicht, ein sogenanntes „problematisches Kulturgut“ zu enteignen, wenn eine sinnvolle Nutzung „im öffentlichen Interesse geboten sein dürfte“.

Im Ministerium hofft man noch auf einen fairen Verkauf

Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck hofft zwar noch auf eine Einigung. Man wolle das Haus zu einem fairen Preis erwerben. Ungeachtet dessen läuft die juristische Prüfung durch den Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts in Wien.

Projekt Details

  • Datum 25. September 2016
  • Tags Pressearchiv 2015

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

nach oben