Vom ersten und letzten österreichischen Friedensforscher Andreas Maislingers nationale Identitätskrise ist deutsch, ZAM – Zeitschrift für Anti-Miltiarismus, 1994

1994

Projekt Beschreibung

VOM ERSTEN UND LETZTEN ÖSTERREICHISCHEN FRIEDENSFORSCHER

Andreas Maislingers nationale Identitätskrise ist deutsch

von Peter Steyrer

Er war einmal Mitglied unseres Vereines. Damals, vor bald 15 Jahren, gab es noch „beinharte“ Flügelkämpfe. Sollte Soziale Verteidigung im, neben dem, oder gegen das Militär angestrebt werden. Mix oder pur hieß diese Debatte in Fachkreisen der Friedensforschung. Andreas Maislinger ernannte sich nur kurz nach diesen vereinsinternen Auseinandersetzungen zum ersten österreichischen Friedensforscher. Im Gefolge dieses Streites verließ er die damals noch Arge Zivildienst genannte Vereinigung. Er vertrat die Ansicht, Soziale Verteidigung möge im offiziellen militärischen Sicherheitskonzept der Umfassenden Landesverteidigung etabliert werden. Die Zivildiener müßten demzufolge dabei die Träger der Sozialen Verteidigung werden. Tatsächlich wurde 1984 ein Grundlehrgang für Zivildiener eingeführt. Und selbst im viel später erschienenen Landesverteidigungsplan wurde an zwei Stellen von ergänzenden gewaltfreien Methoden gesprochen. Das war’s aber auch schon. Eigentlich diente und dient der Grundlehrgang dazu, die Zivildiener wieder für Zivilschutz, Sanitätsdienst und andere nichtmilitärische Hilfsdienste, in der Krisen- und Kriegsplanung auszubilden, einzuplanen und zu funktionalisieren. Der erste österreichische Friedensforscher begann nun seine akademische Laufbahn und als engagierter Mensch trat er immer wieder auf Plena der Friedensbewegung auf. Dort war nun sein erstes Anliegen, mit verschiedenen antikommunistisch ausgerichteten Anträgen die kommunistische Unterwanderung der Friedensbewegung deutlich zu machen, – zu spalten. Diese Offenbarung gelang ihm nur zum Teil. In der Sowjetunion war die Ära nach Breschnjew längst angebrochen. Ein kruder Antikommunismus war zunehmend schwerer vertretbar. Insbesondere beim Politikwissenschaftler Maislinger fiel auf, daß ihm das Herz überging, wenn es um die Entlarvung der Friedensbewegung ging. Daß mit Andropow, Tschernenko und schließlich Gorbatschow ein Tauwetter angebrochen war, das große Chancen für eine friedliche Entwicklung eröffnete, war für den eingeschworenen Antikommunisten völlig gleichgültig. In der Zwischenzeit gründete er den Verein „Gedenkdienste“, der auch die Möglichkeit eines Zivildienstes im Ausland als erster Träger erhielt und durchsetzte. Diese Zivildienststelle, die Tätigkeiten in verschiedenen KZ-Gedenkstätten, im Holocaust-Museum, der Anne-Frank-Stiftung u.ä. anbietet, muß als letzte Leistung des ersten österreichischen Friedensforschers angesehen werden. Gleichzeitig mühte er sich damit ab, Anführer der Hitliste – „wer hat die meisten Club 2-Auftritte“ – zu werden. Dafür brachte er dann seine ganze Kreativität ein, die gerade aktuellen Friedensinitiativen zu desavouieren. Als es gegen Abfangjäger ging, kam er auf die Idee, daß Boden-Luftraketen für „unser“ Heer schon eine gute Sache wären. Als die Gewitterwolken über dem Golf zusammenzogen, war er bei jenen, die die Ähnlichkeiten von Saddam Hussein und Hitler herausarbeiten wollten. Die Antikriegsbewegung wurde damit als mehr oder weniger faschistoid hingestellt. Seit 1990 ist es stiller geworden um Andreas. Es scheint fast so, daß mit dem Zusammenbruch des Sozialismus auch seine eingeschworensten Feinde überflüssig geworden sind. Was macht ein derart engagierter Politikwissenschaftler mit Identitätskrise? Er stellt sich der nationalen Frage. Wer setzt sich in der Republik schon ernsthaft mit nationalen Problemen auseinander? Politisch rechte bis rechtsextreme Gesprächskreise und Publikationen bieten dafür Foren. Letzten Endes verwundert es kaum noch, daß Maislinger anläßlich einer Veranstaltung „75 Jahre Republik. Von Deutschösterreich zur multikulturellen Gesellschaft“ veranstaltet von der Österreichischen Landsmannschaft keinen Ton über die Republik hervorbringt. Dafür 10 bis 20 Mal begründet, warum er sich als „Deutscher“, „auch Deutscher“, „Bayer und auch Deutscher“ wahrnimmt. Dabei lernen wir über den ersten österreichischen Friedensforscher: „Ich bin an der Grenze zu Bayern geboren(…) Meine Vorfahren kommen alle aus Bayern…“ Für ihn bedeutet Deutscher zu sein „in einem größeren Kulturraum zu leben und ihn wahrzunehmen“. Außerdem erlebte er im Studium in Wien einen Kulturschock. „Die Welt Wien kannten sie, aber nicht Deutschland und die deutsche Kultur. (…) Mir wurde bewußt, daß ich ganz bewußt dieser größeren Kultur angehören und nicht nur die gleiche Sprache benutzen möchte.“ Zum Abschluß meinte er wie es in der Broschüre über die Veran- (Text leider nicht vollständig)

Projekt Details

  • Datum 25. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1994

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