USA: Gedenkdiener stehen vor Visa-Hürden, orf.at, 24.08.2007

24.08.2007

Projekt Beschreibung

orf.at 24. August 2007
SCHWIERIGKEITEN USA: Gedenkdiener stehen vor Visa-Hürden
Für junge Österreicher wird es offenbar schwieriger, in den USA Gedenkdienst zu leisten. Kürzlich lehnte das US-Heimatschutzministerium einen Visa-Antrag eines jungen Oberösterreichers zum zweiten Mal ab. Vergangenheitsbewältigung für Österreich Sein Motiv für einen Einsatz im Rahmen des Gedenkdiensts in den USA: „Eine gewisse Vergangenheitsbewältigung für Österreich.“ Unerwartete Hürde Am ersten August hätte Valentin Hofer im „Los Angeles Museum of the Holocaust“ anfangen sollen. Nun findet sich der 18-Jährige vor einer unerwarteten Hürde: Antrag auf Visum abgelehnt Die Einwanderungsbehörde hat seinen Antrag auf Visum abgelehnt. Laut Hofer mit der Begründung, dass er als „High School Graduate“ nicht imstande sei, die Kultur seines Landes zu vertreten. Das sieht nicht nur die österreichische Außenministerin anders. Visum für kulturellen Austausch Der Maturant aus dem Bezirk Eferding hatte für den 12-monatigen Gedenkdienst am kalifornischen Holocaust-Museum ein sogenanntes Q1-Visum beantragt, das kulturellen Austausch zwischen den USA und Österreich ermöglicht. Möglicherweise Klage Das Prozedere und die Kosten in Höhe von 190 US-Dollar (140 Euro) übernahm ihm zufolge die einladende Stelle, namentlich dessen Direktor Marc Rothman. Der hat nach der zweiten Ablehnung des Gesuches seit Mai Einspruch eingelegt – und will notfalls klagen, wie die „New York Times“ am Mittwoch berichtete. Hofer zufolge kostet die nochmalige Begutachtung seines Antrags 380 US-Dollar. Unterstützung vom Außenministerium Im Außenministerium hat man am Mittwochmittag noch keine Kenntnis von dem konkreten Fall. Alexander Schallenberg, Sprecher von Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP), betonte aber: „Wir unterstützen den Gedenkdienst nach Kräften.“ „Großartige Arbeit“ der Gedenkdiener Die österreichischen Vertretungsbehörden würden helfen, „wann auch immer Schwierigkeiten auftreten“. Die Außenministerin wisse die „großartige Arbeit“ der Gedenkdiener zu schätzen, sagte Schallenberg. Plassnik habe sich darum auf ihrer jüngsten Nahostreise mit Gedenkdienern getroffen. „Auch bei den Partnerinstitutionen sind die Helfer gern gesehen.“ So auch Rothman: „Wir wollen jemand ins Land bringen, der Gutes tut und er wird ausgesiebt.“ Monatelange Wartezeiten Hofer steht nicht alleine da. Auch das „Virginia Holocaust Museum“ in Richmond und das „Leo Baeck Institut“ in New York haben ähnliche Erfahrungen bei der Ausstellung von Visa für ihre österreichischen Gedenkdiener gemacht: Immer kompliziertere Visa-Verfahren und monatelange Wartezeiten. „Nicht anerkannter Kulturaustausch“ In Richmond hat man das Programm darum quasi aufgegeben. Die US- Einwanderungsbehörde beruft sich auf „Sicherheitsfreigaben“, die die üblicherweise zwei Monate dauernden Verfahren verzögern würden. Im Fall Hofer bezeichnete sie das Programm des Los Angeles Holocaust Museum als „nicht anerkannten Kulturaustausch“. Aufarbeitung des Nationalsozialismus Die Möglichkeit zum Gedenkdienst anstelle des Zivildienstes besteht in Österreich seit 1992. Zwei Vereine bieten Partnerinstitutionen in den USA an, die sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigen: Der „Österreichische Gedenkdienst“ und der „Verein Gedenkdienst“. Unentgeltliche Arbeit Sie vermitteln jedes Jahr eine Hand voll ausgewählter, junger Männer an Holocaust- Museen wie jenes in Los Angeles, wo diese unentgeltlich beispielsweise in den Archiven mithelfen. „Optimaler Einsatz für das Bundesheer“ „Ein optimaler Ersatz für das Bundesheer“, begründete Hofer, warum er sich im Herbst 2006 beworben hat. „Man gibt Österreich etwas zurück.“ Sollte er doch noch ein Visum erhalten, wird er erst im Februar 2008 seinen Dienst antreten. Vorerst studiert er in Wien Bauingenieurswesen.

Projekt Details

  • Datum 19. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2007

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