Theresienstadt und das Lichtermeer im Spiegel der Kunst, Der Standard, 5.12.1993

5.12.1993

Projekt Beschreibung

Theresienstadt und das Lichtermeer im Spiegel der Kunst

Wien – Anton Lehmden hat es sich zur Gepflogenheit gemacht, jedes Jahr die Arbeiten seiner Meisterklasse am der Akademie der Bildenden Künste in der Öffentlichkeit zu zeigen. Diesmal fand er in der Galerie Rondula einen Partner: Man sieht, bis 23. Dezember, insgesamt 31 Bilder von sechzehn Studenten, die bei aller stilistischen Verschiedenheit eines gemeinsam haben – das Sujet.

Die Studenten hielten sich Ende April dieses Jahres eine Zeitlang in der Festung Theresienstadt auf, die das Naziregime als Konzentrationslager führte. Die Kleinstadt selbst war eine Art Vorzeigelager, hier durften die Juden dem Anschein nach – wie man sie etwa gerne den Beobachtern des Internationalen Roten Kreuzes vermittelte – ein „normales“ Leben führen, mit der Möglichkeit zu geselligen Veranstaltungen und sogar zu künstlerischer Arbeit. In Wirklichkeit mußten die Insassen alle Entbehrungen eines KZ erleiden, und wer überlebte, wurde in ein Vernichtungslager transportiert.

Die Festung selbst war ein Kerker nicht nur für Juden, sondern auch für politische Häftlinge, mit Aufsehern, deren Brutalität jener der KZs in nichts nachstanden.

Lehmdens Studenten reagieren auf Theresienstadt mit großer Disziplin. Sie versuchen erst gar nicht, irgendwelche Schreckensszenen zu entwerfen, erliegen auch nicht irgendeiner beiläufigen Empathie. Sie halten ihre Eindrücke mit verschiedenen ästhetischen Mitteln fest und lassen den Ernst ihrer Reflexion gleichsam unterschwellig einfließen. Vielleicht weil sie, alle sechzehn, zur ernsten Konzentration herausgefordert waren, gibt es in der Ausstellung kein schwaches Blatt.

Projekt Details

  • Datum 24. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1993

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