Stefan Zweig, Israelische Kultusgemeinde Wien, 24.10.2007

24.10.2007

Projekt Beschreibung

Israelische Kultusgemeinde Wien 24. Oktober 2007
Interview Stefan Zweig
Dines: Stefan Zweig-Museum als ‚Denkmal des Exils’Diesjähriger Preisträger des Austrian Holocaust Memorial Award wird Casa Stefan Zweig eröffnen – Gedenkdiener aus Österreich wird an dem Projekt arbeiten Wien (APA) – Stefan Zweig begleitet das Leben des brasilianischen Journalisten und Zweig-Biografen Alberto Dines, der am Mittwoch mit dem Austrian Holocaust Memorial Award (AHMA) ausgezeichnet wird. Dines schrieb die Zweig-Biografie „Tod im Paradies. Die Tragödie des Stefan Zweig“ und arbeitet derzeit an der Eröffnung der Casa Stefan Zweig – in dem Haus in Petropolis, in dem Zweig zuletzt gelebt hat. Doch beschränken auf Stefan Zweig soll sich das Museum nicht, wie Dines in einem Email-Interview betont. APA: Was ist Ihre Motivation, einen großen Teil Ihrer Arbeit einem österreichischen Schriftsteller zu widmen? Dines: Als ich zehn Jahre alt war, besuchte Stefan Zweig meine Schule in Rio de Janeiro. Als Biograf befasse ich mich seit fast 30 Jahren mit Zweig. Mein berufliches Interesse an ihm hat auch damit zu tun, dass seine Beziehungen zu Brasilien keine Spezialisten interessiert. Auch wenn der erste Zweig-Biograf, der Brite Donald Prater, zu Recherchezwecken Brasilien besucht hat, schließen die nachfolgenden Werke der Zweig-Kenner die Beziehungen von Zweig zu dem Land, in dem er starb, aus. Das ist eine Lücke, die ich schließen möchte. APA: Sie erhalten nun den AHMA. Inwiefern stehen ihre Werke um Stefan Zweig in Zusammenhang mit dem Holocaust? Dines: Stefan Zweig war ein Opfer des Holocaust, der NS-Barbarei. Der damalige Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Rio do Janeiro, Mordechai Tzekinovski, versuchte den Schriftsteller und seine Frau auf dem jüdischen Friedhof von Rio zu beerdigen, ohne zu berücksichtigen, dass es sich um Suizide handelte. Er sah sie als Opfer des Krieges, des radikalen Hasses, des politischen Terrors an. Stefan Zweig war kein isolierter Einzelfall, er war nicht der einzige Intellektuelle, der nach Brasilien emigrierte. Aus diesem Grund wird die Casa Stefan Zweig nicht nur ein „Stefan Zweig-Museum“, sondern vor allem ein „Denkmal des Exils“, das an die Hunderte europäischen Intellektuellen erinnert, die zwischen 1933 und 1945 in Brasilien Zuflucht suchten. APA: Die Eröffnung des Museums ist schon länger im Gespräch. Können Sie ein Datum nennen? Dines: Leider gibt es noch kein Datum. Aus Gründen des Denkmalschutzes hat das Projekt mehr Zeit in Anspruch genommen. Wenn alle bürokratischen Hürden genommen sind, können wir unsere Anfragen bezüglich finanzieller Unterstützung an das brasilianische Kulturministerium stellen. Bis Ende des Jahres allerdings werden wir die zweisprachige – Deutsch und Portugiesisch – Homepage der Casa Stefan Zweig, mit Texten, Musik, Bildern, Fotos und Dokumenten ins Netz stellen. Sie wird das digitale Äquivalent des Museums. APA: Was wird alles Inhalt und Thema des Museums sein? Dines: Die persönlichen Gegenstände Zweigs sind in der Welt zerstreut, wir haben noch nicht damit begonnen, sie zusammenzubringen. Es gibt aber vielversprechende Ansätze. Das wichtigste ist, die Casa Stefan Zweig aufzubauen, was an sich schon eine Botschaft von großer Wirkung ist. In der heutigen digitalen Zeit ist ein Museum nicht unbedingt eine Anhäufung von Materiellem. Wir werden den Informationstechnologien eine große Bedeutung beimessen. In eigens dafür aufgestellten Containern werden wir auch verschiedene Veranstaltungen anbieten. Mit der Ankunft des österreichischen Gedenkdieners werden wir weitere Aktivitäten entwickeln. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Casa Stefan Zweig lange vor ihrer Einweihung die Arbeit aufnehmen wird. (Die Fragen stellte Pierre Johannes/APA)

Projekt Details

  • Datum 19. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2007

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