„Stalinworld“ ist nichts für Kinder, Kurier

23.02.2001

Projekt Beschreibung

Kurier 23. Februar 2001 „Stalinworld“ ist nichts für Kinder Umstrittener Themenpark in Litauen zeigt das Leben in Sowjetstraflagern Für großes Aufsehen sorgt in Litauen die Eröffnung eines ungewöhnlichen Themenparks: „Stalinworld“, ein Mittelding aus Disney World und sowjetischem Straflager, soll seinen Besuchern Einblicke in die menschenverachtenden Zustände in den Straflagern zur Zeit des Diktators verschaffen. Kritiker empört vor allem die Art und Weise, wie die Vergangenheit in dem Themenpark in der kleinen Ortschaft Gruta aufbereitet wurde. Die Besucher – bereits in den ersten Tagen waren es einige tausend – spazieren durch ein Gelände voller Statuen mit „Helden“ aus der kommunistischen Ära. Auf Wachtürmen halten Puppen in Uniformen mit Maschinengewehren die Stellung. Um den Lagerhorror lebendig zu gestalten, wurden Schauspieler engagiert: Vermeintliche Offiziere der Roten Armee patrouillieren durch den Park und verschleppen willkürlich Besucher. Aus versteckten Lautsprechern tönen die Schreie gefolterter Lagerinsassen. ESSEN WIE GEFANGENE Im Park-Restaurant servieren Kellner Mahlzeiten, die auch den Gefangenen vorgesetzt wurden, etwa Schleim- und Fischkopfsuppe. Parkbesitzer Viliumas Malinauskas plant den Bau einer Eisenbahnstrecke, so dass Besucher wie einst die Häftlinge zusammengepfercht in Viehwagons befördert werden können. Malinauskas sieht „Stalinworld“ als Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung, Kritiker werfen ihm Geschmacklosigkeit und Beleidigung der Opfer von damals vor. Die Regierung billigt das Projekt, weil es Arbeitsplätze schafft und Urlauber anzieht. HITLERS GEBURTSHAUS Wie man mit seiner heiklen Vergangenheit sensibler umgehen kann, exerziert die Stadt Braunau vor. Dort läuft ein überparteiliches Projekt zum Kauf jenes Hauses, in dem Adolf Hitler 1889 geboren wurde. Beteiligt sind unter anderem Bund, Land Oberösterreich und die Stadtgemeinde Braunau. „Der Bau, derzeit in Privatbesitz, soll mit öffentlichen Geldern erworben und in ein ´Haus der Verantwortung´ umgewandelt werden“, sagt Bürgermeister Gerhard Skiba. „Unter anderem soll hier die Beziehung Hitler/Braunau erforscht werden“, erklärt Projektleiter Dr. Andreas Maislinger. „Viele Menschen glauben immer noch, dass die Nazi-Farbe Braun von Braunau kommt.“ Die Umsetzung wird den Beteiligten zufolge rund drei Jahre dauern, die Kosten knapp 50 Millionen S betragen. Nicholas Bukovec MEHR IM INTERNET Litauen: www.neris.mii.lt Braunau-Projekt: www.hrb.at

Projekt Details

  • Datum 5. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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