Soziales Jahr: „Kosten steigen auf das Achtfache“, OÖN

01.09.2012

Projekt Beschreibung

OÖN, 01.09.2012

Soziales Jahr: „Kosten steigen auf das Achtfache“

LINZ. Soziales Jahr statt Zivildienst: Vor allem Rettungsdienste befürchten höhere Kosten, andere Sozialorganisationen sehen sich weniger unter Druck.

Schon am Tag des Entschluss der Bundesregierung für eine Wehrpflicht-Volksbefragung hatte Oberösterreichs Rot-Kreuz-Präsident und VP-Landtagsabgeordneter Walter Aichinger wortreich geklagt: Die Zivildiener beim Roten Kreuz durch angestellte Hauptamtliche zu ersetzen, würde nur im Rettungsdienst in Oberösterreich zu Mehrkosten zwischen zwölf und 17 Millionen Euro führen.

Dass der Ausfall der Zivildiener – rund 2850 machen in Oberösterreich Dienst – zu Problemen führen kann, sagen auch Vertreter anderer Sozialorganisationen. In die politische Debatte pro oder kontra Wehrpflicht wolle sich der Arbeiter-Samariterbund zwar nicht einmischen, sagte dessen Linzer Geschäftsstellenleiter Christian Wagner, aber auch er spricht von „erheblichen Einschnitten“ die zu befürchten seien.

Zu wenige Freiwillige?

Bei einem Ersatz des Zivildienstes durch ein aufgewertetes „soziales Jahr“ sei fraglich, ob sich genügend junge Menschen dafür melden, fürchtet Wagner. Zu erwarten seien auch deutliche Mehrkosten für die Sozialdiener, „die Zahlen von Sozialminister Rudolf Hundstorfer glauben wir nicht ganz“. Im Rettungs- und Behindertenfahrdienst sei „mit einer Steigerung der Kosten etwa um den Faktor acht“ zu rechnen, so Wagner.

„Wir haben in hohem Maß positive Erfahrungen mit Zivildienern. Natürlich brauchen die Sozialorganisationen Menschen für solche Dienste“, sagt Oberösterreichs Caritasdirektor Mathias Mühlberger. Für ihn kommt es vor allem darauf an, welche Alternative zum Zivildienst etabliert werde: „Dass über ein soziales Jahr nachgedacht wird, ist natürlich positiv“. Die Frage sei dessen Ausgestaltung: es müsse einen „Anreiz“ bieten, etwa durch Anrechnung von Ausbildungen.

Auch für Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerks Gallneukirchen, ist es wichtig, das Nachfolgemodelle für den Zivildienst konkretisiert werden. Sie ist zwar zuversichtlich, dass sich attraktive Ersatzmodelle finden lassen. Erfahrungen aus Deutschland würden darauf hindeuten, dass sich für einen freiwilligen Dienst zunächst weniger Personen melden als es Zivildiener gab. Den Unterschied zu überbrücken, sei eine Herausforderung.

Bei den Alten- und Pflegeheimen gebe es den gesetzlichen Personalschlüssel für Diplomierte, weist Martin König, Geschäftsführer der Dachorganisation Soziales Netzwerk, hin. Deshalb erwarte er in den Heimen keine „existenziellen Probleme“, wohl aber Einschränkungen bei vielen Hilfsdiensten, die Zivildiener erfüllen. Vorschläge für das soziale Jahr bestünden „nur erst auf dem Papier“, die Realität könne anders aussehen.Unklar sei auch die Frage der Finanzierung.

Gelassen in Bezug auf den Gedenkdienst als Zivilersatzdienst gibt sich der Politologe Andreas Maislinger. Der Initiator des Gedenkdienstes kann sich nicht vorstellen, dass die Bundesregierung nach einer eventuellen Abschaffung von Wehr- und Zivildienst auf die Entsendung von Gedenkdienern verzichten will.

Link: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/art385,957999

Projekt Details

  • Datum 12. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2012

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