Sinnvoll verbrachte Zeit Zivildienst im Ausland – eine aktraktive Alternative Interview mit dem ehemaligen Gedenkdiener Thomas Ortner, 20er

01.03.2000

Projekt Beschreibung

20er zwanzger – Die Tiroler Straßenzeitung Nr. 13 / März 2000

SINNVOLL VERBRACHTE ZEIT

ZIVILDIENST IM AUSLAND – EINE ATTRAKTIVE ALTERNATIVE

Seit 1992 haben junge Männer, die Wehrersatzdienst leisten müssen, eine zusätzliche Wahlmöglichkeit – den Auslandszivildienst. Trägerorganisation ist der Verein für Dienste im Ausland. Leisten kann man den Zivildienst in Europa, Nord- und Südamerika und in Afrika. Thomas Ortner hat diese Möglichkeit in Anspruch genommen. Zum Bundesheer wollte er nicht, und die Idee, den Zivildienst im Ausland zu absolvieren, erschien ihm reizvoll. Er hat mehr als ein Jahr im Holocaustmuseum in Washington gearbeitet: Über seine Tätigkeit dort hat Thomas Ortner dem 20er berichtet. „Meine Aufgabe war, im Forschungsinstitut des Museums mitzuarbeiten. Ich habe Dokumente übersetzt, versucht Kontakte herzustellen mit deutschen oder österreichischen Instituten. Viele Stunden habe ich im Nationalarchiv verbracht, um für die dort arbeitenden HistorikerInnen Dokumente auszusuchen. In der Dauerausstellung des Museums wird sehr eindrücklich dokumentiert, wie der Holocaust passiert ist. Eingeschult hat mich mein Vorgänger, der mir auch behilflich war, in Washington eine Wohnung zu finden, was nicht einfach war, denn die Mieten in dieser Stadt sind sehr teuer. Gemeinsam mit ihm habe ich mit auch verschiedene Projekte anschauen könne. So habe ich viele Leute, mit denen ich dann später zusammengearbeitet habe, auch persönlich kennengelernt. Im Alltag war dann jeden Tag etwas anderes zu tun, Recherchen, Übersetzungen, das Aussuchen von Artikeln aus den damaligen Zeitungen, die alle dort archiviert werden. Es ist interessant für mich gewesen zu sehen, was wie damals die Medien zum Beispiel über Dachau berichtet haben. Ma hat mich auch bei den Führungen durch die Ausstellung eingesetzt. Das Holocaustmuseum ist eines der Meistbesuchten in Washington und hat wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, eine umfassende Ausstellung zur Geschichte des Holocaust zu präsentieren. Man erfährt zum Beispiel die Geschichte des Schiffs St. Luis, das damals von Antwerpen mit jüdischen Flüchtlingen auf dem Weg nach Amerika war, das war eine einzige Irrfahrt, auf dem Schiff waren knapp 1000 Personen, es durfte nirgends anlegen und ist daher nach Europa zurückgekehrt. Über 90 Prozent dieser Personen, die eigentlich schon im Besitz eines „Überlebenstickets“ gewesen waren, sind dann in Konzentrationslager gekommen und ermordet worden. Insgesamt 14 Monate war ich dort, um zu arbeiten, und abgesehen von der in meiner Sicht sehr sinnvoll verbrachten Zeit habe ich das Gefühl, reifer geworden zu sein. Ich habe eine Menge über die Geschichte des Dritten Reichs gelernt, ich habe über meine Arbeit viele interessante Leute kennengelernt. Man hat mich überall sehr herzlich aufgenommen. Noch heute habe ich Kontakt zu Menschen, die damals im Widerstand gearbeitet haben und nach Amerika flüchten mußten. In Amerika schätzt man die Tatsache sehr, daß es junge Leute gibt, die als nächste Generation sich mit der Geschichte des Holocaust auseinandersetzten. Infoblock: Zivildienstpflichtig, engagiert, interessiert? Dann hast du die wichtigsten Kriterien für den Auslandszivildienst schon erfüllt. Man kann zwischen drei Arten des Dienstes wählen: dem Gedenkdienst (Arbeit in Holocaust-Museen), dem Sozialdienst (Entwicklungshilfeprojekte) und dem Friedensdienst (Arbeit in Krisengebieten). Wichtig sind ein selbst erarbeitetes Wissen über die Arbeit an der ausgesuchten Stelle sowie Englischkenntnisse oder die Grundkenntnisse der jeweiligen Landessprache. Die Finanzierung übernimmt das Innenministerium. Noch Fragen? Dann meldet euch! Kontaktadresse: Martin Heim, Tel. 0664/4718860 Homepage: www.auslandsdienst.at

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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