Salzburgs Tiefstpunkt, Salzburger Monat

24.06.2009

Projekt Beschreibung

Brücke der Erinnerung verbindet St. Georgen und St. Pantaleon Salzburgs Tiefstpunkt
Wie aus einem Zwei- ein Dreiländereck wurde, wo Salzburg am tiefsten liegt und woran sich die Bewohner im Salzburger St. Georgen und im oberösterreichischen St. Pantaleon wieder vermehrt erinnern, verrät dieser Grenzfall. Stefan Mayer | 24. Juni 2009 Salzburg erstreckt sich über eine Distanz von 3.284 Metern – in der Vertikalen. Denn genau diese Länge ergibt sich, wenn man von Salzburgs höchstem Punkt, dem Gipfel des Großvenedigers, den absoluten Tiefstpunkt des Landes, das Dreiländereck Oberösterreich, Bayern und Salzburg bei St. Georgen an der Salzach auf 382 Metern Seehöhe, abzieht. Historisch betrachtet ein Zweistaateneck, da bis zum Frieden von Teschen 1779 das heutige Innviertel Teil Bayerns war. Auch heute trennt das kleine Flüsschen Moosach Salzburg von Oberösterreich. An der geografischen Lage kann man nichts ändern, wohl aber am Umgang mit der gemeinsamen Geschichte. Nur wenigen war bekannt, dass sich auf St. Georgener Gemeindegebiet im Gasthaus Göschl in Moosach 1940/41 kurzzeitig das spätere „Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer“ befand. Grund für die Auflösung waren angeblich schwere Misshandlungen von Lagerinsassen, die für fünf Inhaftierte tödlich endeten. Erinnerungsbrücke verbindet In jüngerer Zeit stellte man sich beiderseits der Landesgrenze diesem dunklen Kapitel der Lokalgeschichte, das bisher noch keinen Eingang in die offiziellen Ortschroniken gefunden hatte. Im Jahr 2000 wurde in St. Pantaleon die Erinnerungsstätte Lager Weyer errichtet. Seit 1997 erinnern „Stolpersteine“, kleine in den Gehsteig eingelassene Gedenkplaketten, an die zwei St. Georgener Zeugen Jehovas Johann und Matthias Nobis, die 1943 hingerichtet wurden – übrigens die ersten legal verlegten dieser Aktion, bei der inzwischen rund 17.000 Steine in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, der Ukraine und Ungarn gesetzt wurden. Jetzt gingen die beiden Gemeinden symbolisch einen Schritt weiter. Eine unscheinbare Brücke, die in unmittelbarer Nähe zum ersten Lager über die Moosach führt und St. Pantaleon mit St. Georgen verbindet, wurde nun zur „Brücke der Erinnerung“ erklärt. Die Aktion harmoniert mit einer bezirksweiten Initiative: der gesamte Bezirk Braunau, der das Negativ-Image als „Heimatkreis des Führers“ abschütteln will, begrüßt nun Besucher auf Grenztafeln als „Friedensbezirk“. Und 2006 wurden auf Anregung des Österreichischen Gedenkdienstes „Stolpersteine“ in zahlreichen weiteren Orten im Bezirk verlegt.

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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