Projekt gegen Nazi-Image, Salzburger Nachrichten

31.07.2000

Projekt Beschreibung

Salzburger Nachrichten 31.Juli 2000
Projekt gegen Nazi-Image Braunau gilt als Unort, weil Adolf Hitler dort geboren wurde. Mit einem „Haus der Verantwortung“ soll jetzt ein völlig neues Selbstverständnis entstehen. Fritz Pessl BRAUNAU (SN). Braunau am Inn glänzt durch Bürgerhäuser mit schönen Barockfassaden und historisch interessanten Bauten. Und doch kennt die ganze Welt die Innviertler Bezirksstadt mit ihren knapp 18.000 Einwohnern als Unort. Der Grund: Es ist die Geburtsstadt Adolf Hitlers. „Der Name verstärkt diese Haltung noch: Braunau, die müssen ja braun sein. Würde die Stadt Grü-nau, Schwarzau oder Wiesengrund heißen, wäre die Assoziation mit dem Nationalsozialismus nicht in dieser Form gegeben“, meint Andreas Maislinger, Politologe und Historiker. Hitler selbst erwähnte Braunau im ersten Satz seines Buches „Mein Kampf“: „Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, dass das Schicksal mir zum Geburtsort Braunau am Inn zuwies. Liegt doch dieses Städtchen an der Grenze jener zwei deutschen Staaten, deren Wiedervereinigung mindestens uns Jüngeren als eine mit allen Mitteln durchzuführende Lebensaufgabe erscheint.“ Ed Koch, damaliger Bürgermeister von New York, schlug Anfang der 80-er Jahre vor, die aus seiner Sicht israelfeindliche UNO nach Braunau, quasi zu den Juden-Gegnern, zu verlegen. Und eine Antifa-Gruppe forderte Ende 1994 auf Plakaten, ein Konzert der extrem rechten deutschen Hardrockband „Böhse Onkelz“ von Innsbruck nach Braunau zu verlegen. Diesem ungerechtfertigten Image als Ballungszentrum der Nazis wird begegnet: Im Haus Salzburger Vorstadt 15, dem Geburtshaus des Führers, soll ein „Haus der Verantwortung“ eingerichtet werden. „Als Anti-These zum Tun Hitlers, der ein völlig verantwortungsloser Mensch war, wird Verantwortung für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dokumentiert“, sagt Projektleiter Maislinger. Der kleine Mann mit dem Bärtchen wird nirgends sichtbar sein und doch allgegenwärtig, vor allem im Erdgeschoß. Dort werden der Gedenkdienst, die Braunauer Zeitgeschichte-Tage sowie eine Dokumentation „Hitler und Braunau“ untergebracht.   Virtuell ist das Haus stets erreichbar Im ersten Stock soll eine Dritte-Welt-Gruppe aus Braunau mit 500 Mitgliedern residieren und der Verein für Dienste im Ausland wird von dort seine weltweiten Sozialprojekte koordinieren – Aidshilfe in New York, Wasseraufbereitung in Kenia, ein tibetisches Kinderheim in Indien. Im zweiten Stock schwebt Maislinger ein Friedensdienst-Büro vor, Österreicher im Einsatz für ein besseres Verständnis zwischen verfeindeten Völkern. Noch wird das gelbe Gebäude mit seiner verfallenen Fassade als Behindertenheim genutzt, in längstens vier Jahren soll es um zehn Mill. S für die neuen Zwecke adaptiert sein. „Es existiert auch ohne offizielle Eröffnung bereits weltweit. Auf der Homepagewww.hrb.at ist das ,House of Responsibility‘ virtuell stets erreichbar“, erzählt Maislinger.

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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