Polen: Kardinal Schönborn befürwortete EU-Beitritt, KATHPRESS

21.08.2001

Projekt Beschreibung

KATHPRESS 21. August 2001 Kirchen/Schönborn/Polen/Krakau/Tarnow/EU-Beitritt/

Polen: Kardinal Schönborn befürwortete EU-Beitritt

Wiener Erzbischof war stark beeindruckt vom Priesternachwuchs in der Diözese Tarnow

Krakau, 21.8.01 (KAP) Der jüngste Besuch von Kardinal Christoph Schönborn in Krakau und Tarnow wurde in der polnischen Öffentlichkeit stark beachtet. Im Hinblick auf den polnischen Wahlkampf hatte Kardinal Schönborn bewusst alle „politischen“ Stellungnahmen vermieden, die einzige Ausnahme bildete das Thema des EU-Beitritts Polens, zu dem sich der Wiener Erzbischof klar befürwortend äußerte. Schönborn hatte auf Einladung des Bischofs von Tarnow, Wiktor Skworc, zunächst Jugendzentren und Klöster in der südpolnischen Diözese in den Beskiden besucht und war dann noch in Krakau mit Kardinal Franciszek Macharski zusammengetroffen.

In Krakau besuchte Schönborn auch zwei österreichische „Gedenkdiener“ (im Ausland eingesetzte Zivildiener) im Zentrum für jüdische Kultur von Kazimierz, Richard Schlager und Korbinian Schleicher. Im Zeichen des dunklen Kapitels der NS-Herrschaft stand auch das Gedenken des Kardinals am Friedhof von Machowa, wo der österreichische Kriegsmärtyrer Otto Schimek begraben liegt. Der damals 19-jährige Wehrmachtssoldat war am 14. November 1944 wegen „Feigheit vor dem Feind“ von einem Erschießungskommando der Wehrmacht hingerichtet worden, weil er sich weigerte, an der Erschießung von polnischen Zivilisten, darunter Frauen und Kindern, teilzunehmen. Für Otto Schimek wird ein Seligsprechungsverfahren vorbereitet.

Die neue Rolle Polens als künftiges EU-Mitgliedsland standen im Mittelpunkt mehrerer Ansprachen und Gespräche Kardinal Schönborns. Der Wiener Erzbischof verwies darauf, dass die Christen zur Freiheit berufen seien. Gerade für gläubige Menschen gelte es, in Freiheit Verantwortung zu übernehmen. Kardinal Schönborn verwies auf den unterschiedlichen Geschichtsverlauf in Österreich und in Polen. Österreich sei 1945 bzw. 1955 die Freiheit zugefallen, während Polen jahrzehntelange Unterdrückung auf sich nehmen musste. Heute sei es so, dass sich viele Österreicher des Geschenks der Freiheit gar nicht bewusst sind, während in Polen oft nur die Gefahren der Freiheit gesehen werden.

Beeindruckt zeigte sich der Kardinal vom starken Priesternachwuchs der Diözese Tarnow. Hier ist auch für polnische Verhältnisse die Zahl an Berufungen außerordentlich hoch. Im Diözesanseminar bereiten sich knapp 400 Kandidaten auf den Priesterberuf vor. Viele von ihnen bleiben aber nicht in der Diözese. Ihre Einsatzgebiete sind unter anderem Afrika, Südamerika, die Ukraine, Russland, Kasachstan, aber auch Österreich.

Der Wiener Erzbischof konnte bei seinem Aufenthalt in der Diözese Tarnow Manifestationen einer authentischen Volksfrömmigkeit erleben, so im Wallfahrtsort Przeczyca, wo er am Fest Mariä Himmelfahrt das Hochamt feierte. Tausende Gläubige waren begeistert, als Kardinal Schönborn die Messe auf polnisch feierte.

Ein weiteres Großereignis der Volksfrömmigkeit war die Verabschiedung der mehr als 10.000 Fußwallfahrer am Tarnower Domplatz, die am 25. August in Tschenstochau ankommen. In seiner Predigt erinnerte Kardinal Schönborn an die Geschichte Polens, die großen Heiligen des Landes und an das Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit. Es gehe darum, das Motto Johannes Pauls II. für das dritte Jahrtausend – „Duc in altum“ (Fahrt hinaus auf die hohe See) – ins Leben zu übersetzen.

Wesentlichen Anteil an der Wallfahrtsbewegung nach Tschenstochau hatte der durch seinen Kampf mit den totalitären Machthabern legendäre, 1987 verstorbene Pastoraltheologe Prof. Franciszek Blachnicki, der die sogenannte „Oasen“-Bewegung konzipierte. Das Zentrum dieser heute „Swiatlo i Zycie“ („Licht und Leben“) genannten Vereinigung ist der Ferienort Kroscienko in der Diözese Tarnow. Kardinal Schönborn und sein Gastgeber unternahmen eine Floßfahrt nach Kroscienko und besuchten das Grab Blachnickis, für den ein Seligsprechungsprozess vorbereitet wird.

In Jamna besuchte Schönborn schließlich das Zentrum der vom Posener Dominikanerpater Jan Gora gegründeten Studentenbewegung. Ähnlich wie der Bewegung von Prof. Blachnicki geht es Gora um die gleichzeitige Bildung von Herz und Verstand. Dabei spielen das Gebet, die Meditation biblischer Texte und die Musik eine zentrale Rolle. Angefangen hatte es vor etwa zehn Jahren, als der von Papst Johannes Paul II. hoch geschätzte charismatische Studentenseelsorger und Schriftsteller P. Gora die Volksschule am Berg von Jamna zu einem Bildungs- und Exerzitienhaus für Studenten aus ganz Polen ausbaute. Heute ist das Zentrum das ganze Jahr über in Betrieb und hat tausende junge Menschen aus dem universitären Bereich geprägt und geformt.

Projekt Details

  • Datum 3. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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