Pamatnik Terezin, GEDENKDIENST-INFO, Juli/August 1992

Juli/August 1992

Projekt Beschreibung

Pamatnik Terezin, CSFR

Theresienstadt liegt ca. 50 km nordwestlich von Prag im Mündungsgebiet von Ohre (Eger) und Labe (Elbe) und wurde von Josef II. als Festung gegen die Preußen gegründet. Während der Besetzung von Böhmen und Mähren durch das 3. Reich bauten die Nazis die sogenannte „Kleine Festung“ zu einem Konzentrationslager um, es bestand bis 1945. In Terezin selbst war das jüdische Ghetto, hierher wurden vor allem Kinder verfrachtet. (Im jüdischen Museum in Prag befindet sich unter anderem die Ausstellung „Die Kinder von Theresienstadt“. Zeichnungen und Texte dieser Kinder sind ein erschütterndes Dokument des KZ- und Ghetto-Alltags.)

Heute hat die Stadt etwa 7.000 Einwohner, das ehemalige KZ ist eine Holocaust-Gedenkstätte und soll ein „Einsatzort“ des Gedenkdienstes werden. Ursprünglich war nicht geplant, bereits heuer einen Gedenkdiener nach Theresienstadt zu entsenden. Nun hat sich aber doch diese Möglichkeit ergeben, das Projekt kurzfristig umzusetzen.

Die Angaben, aus denen ein Anforderungsprofil erstellt werden kann, sind daher nicht allzu detailliert, sie beruhen im wesentlichen auf einem Gespräch, das ich während eines Besuches der Gedenkstätte im vergangenen Mai mit deren Leitung führte. Dabei ergab sich als Voraussetzung für die Mitarbeit im Pamatnik die Beherrschung der Landessprache zwecks Verständigung mit dortigen Mitarbeitern, die im Unterschied zu anderen Gedenkdienst-Einsatzorten fast nur ihre eigene Sprache sprechen. Zur Tätigkeit wurde folgendes vereinbart: das wichtigste anstehende Problem der Gedenkstätte ist die bauliche Generalsanierung der Festung, hauptsächlich muß ein weiteres Absinken im sumpfigen Boden verhindert werden. Alle im Zuge einer solchen Sanierung anfallenden Arbeiten kämen daher für den Gedenkdiener in Frage, also handwerkliche, planerische oder auch organisatorische.

Über weitere Aktivitäten wurden noch keine konkreten Vereinbarungen getroffen, ich möchte hier aber ein paar meiner eigenen Vorstellungen anführen, wie der Gedenkdienst in Terezin noch aussehen könnte: Führungen durch das Lager (es werden mehrere Sprachen angeboten, wie deutsch, englisch, französisch, russisch..), Ausstellungen können erarbeitet werden, möglicherweise auch in Verbindung mit dem jüdischen Museum in Prag. Mitarbeit an Dokumentationen und Schriften des Pamatnik Terezin, sowohl inhaltlich – wissenschaftlich, aus auch gestalterisch. Weitere handwerkliche Tätigkeiten könnten gärtnerische (Pflege der weitläufigen Außenanlagen) oder – für einen Koch – Mitarbeit in der Kantine sein.

Vor allem: Organisation von Besuchergruppen aus Österreich, am besten Schüler und Jugendliche, mit denen man deren Zugang zum Holocaust über die „Kinder von Theresienstadt“ erarbeiten kann.

Letztere Tätigkeiten sind noch nicht genauer abgesprochen, die Erarbeitung und Organisation des gesamten Tätigkeitsfeldes ist somit auch eine Aufgabe, der sich die ersten österreichischen Gedenkdiener im Pamatnik Terezin zu stellen haben.

Bernhard Schneider

Projekt Details

  • Datum 14. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1992

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