Österreichische Gedenkdiener kämpfen gegen rechtes Image, Rundschau

20.05.2009

Projekt Beschreibung

Österreichs Bild im Ausland hat durch die Neonazi-Vorfälle in Ebensee und Auschwitz weiter gelitten, wie zwei Zivildiener in Frankreich bestätigen. Österreichische Gedenkdiener kämpfen gegen rechtes Image Ebensee – Gerade in Frankreich ist es um das Bild Österreichs – und Oberösterreichs im speziellen – nicht gerade gut bestellt. Das berichten Michael Wislocki und Maximilian Spielmann, zwei österreichische „Gedenkdiener“, die gerade in Frankreich ihren Zivildienst ableisten. Michael Wislocki ist auch Mitglied der „Amicale de Mauthausen“ in Paris, jener französischen Organisation, deren Präsident Daniel Simon am 9. Mai in Ebensee von vermummten Jugendlichen mit Hitlergruß und Nazi-Parolen beleidigt wurde. „Land der Keller“ Die Neonazi-Vorfälle am Rande der Gedenkfeier in Ebensee sind, laut den beiden Gedenkdienern, noch immer ein großes Thema in den französischen Medien, die derzeit ein sehr braungefärbtes Bild Österreichs zeichnen. Die Vorkommnisse in Ebensee sind in den ausländischen Medien ein großes Thema. „Wenn überhaupt, so erscheinen in französischen Zeitungen nur Meldungen, die irgendeinen Bezug zur Nazi-Zeit und Rechtsextremismus haben. Jörg Haider und Heinz-Christian Strache sind hier ein großes Thema, und jetzt haben sich die französischen Medien Ebensee angenommen. Österreich muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig gegen Rechtsextremismus zu unternehmen. Laut Wislocki und Spielmann geht man hierzulande viel zu lasch mit diesen Problemen um. „Man lässt Politikern, die zum Teil eine schmutzige Vergangenheit haben, zu viel durchgehen, Fremdenhass schüren und mit antisemitischen Ressentiments Wahlkampf führen,“ kritisieren die beiden Gedenkdiener. Stichwort: Gedenkdienst Wislocki und Spielmann wollen beweisen, dass Österreicher auch durchaus verantwortungsbewußt mit ihrer Geschichte umgehen können und haben sich am Gedenkdienst beteiligt, der vom deutschen Projekt „Aktion Sühnezeichen“ inspiriert wurde. Im Rahmen dieses Projekts können junge Männer ihren Zivildienst auf der ganzen Welt absolvieren. Auf der Liste der möglichen Orte stehen New York, London oder eben Paris und sogar Auschwitz. Die beiden jungen Österreicher wollen mit ihrem Gedenkdienst ein eindeutiges Zeichen gegen den Nationalsozialismus, Geschichtsignoranz, für Toleranz und kulturelle Akzeptanz setzen. Den Optimismus haben sie trotz aller Rückschläge nicht verloren und sie orten abschließend: „Die Republik ist auf dem Weg der Besserung!“ Fekter entschuldigt sich bei Opfern Innenministerin Maria Fekter (V) hat sich am Mittwoch offiziell bei den Überlebenden des KZ-Ebensee entschuldigt, die am 9. Mai bei einer Gedenkfeier von Rechtsextremen überfallen worden waren. „Die bedauerlichen Vorfälle in Ebensee sind in keiner Weise zu tolerieren und ich verurteile sie aufs Schärfste“, sagte Fekter bei der Beantwortung einer Dringlichen Anfrage der Grünen im Nationalrat. Und: „Lassen Sie mich von hier aus, von der Regierungsbank, auch eine offizielle Entschuldigung an die Opfer richten.“ Den Vorwurf des mangelnden Engagements gegen Rechts wies Fekter zurück. Fekter lobte die „ausgezeichnete Arbeit“ der Exekutive: Die Täter seien festgenommen worden und geständig. Sie werde aber verstärkt prüfen lassen, inwieweit Extremismus in Österreich zunimmt, versicherte die Innenministerin. Außerdem kündigte Fekter die Aufstockung der entsprechenden Ressourcen im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) an: Ein entsprechendes Konzept liege ihr bereits vor und werde demnächst mit der Personalvertretung besprochen. Als bewusste Missinterpretation bezeichnete Fekter die Darstellung der Grünen, sie habe nach dem rechtsextremen Überfall auf die KZ-Gedenkfeier von gegenseitigen Provokationen gesprochen. Diese Aussage habe sich nicht auf die Vorfälle in Ebensee bezogen, sondern auf die allgemeine Situation in Oberösterreich, wo es Anfang Mai auch Ausschreitungen linksextremer Demonstranten gegeben habe. In den Medien sei dies auch klar nachzulesen gewesen, betonte Fekter, und verwehrte sich dagegen, „dass dann trotzdem diese Missinterpretation vom politischen Gegner genüsslich zelebriert wird“. (vg, APA)

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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