Ob Hilfe für Straßenkinder oder Wasseraufbereitung: Der Auslandsdienst ist eine Alternatitve Eine Erfahrung für das ganze Leben, Tiroler Tageszeitung

17.03.2000

Projekt Beschreibung

Tiroler Tageszeitung 17. März 2000

Ob Hilfe für Straßenkinder oder Wasseraufbereitung: Der Auslandsdienst ist eine Alternative

Eine Erfahrung für das ganze Leben

Der Wehrdienst ist längst nicht mehr die einzige Möglichkeit für die männliche Jugend, ihren Dienst am Staat zu leisten. Neben dem herkömmlichen Zivildienst gibt es noch den wenig bekannten Auslandsdienst.

Von PATRICIO HETFLEISCH

INNSBRUCK. Der Weg ins Ausland ist holprig. Doch Jakob Lederer, Bauingenieurwesen-Student aus Innsbruck ist fest entschlossen den Weg zu gehen. Einige Zeit schon ist er mit Public-Relation-Aufgaben des Vereins für Dienste im Ausland, der Stellen für Auslandsdiener vermittelt, befasst. Und das ist kein Zufall: „Als künftiger Sozialdiener muss ich Kompetenz und Engagement unter Beweis stellen, um meine Wunschstelle zu bekommen.“ Sein Ziel ist Kenia. Auch das ist kein Zufall: „Dort werden Wasseraufbereitungsanlagen installiert, und ich will im späteren Berufsleben auf diesem Gebiet tätig sein.“ Wie Jakob entscheiden sich jährlich eine Hand voll junger Menschen für den Auslandsdienst. Statt den Dienst mit der Waffe zu versehen und an Österreichs Grenze Wache zu halten, oder in Sozialeinrichtungen Daueraushilfe zu sein, suchen sie Heil im Ausland.

Was zur Auswahl steht

Gedenkdienst, Sozialdienst und Friedensdienst sind die Möglichkeiten zwischen denen sich Auslandsdiener entscheiden. Die Opfer des Nationalsozialismus sind das Thema der Gedenkdiener.

Archivforschung, Ausstellungen organisieren und in Schulen aufklären sind ihre Hauptaufgaben. Der sozialen Entwicklung verschiedenster Länder widmen sich Sozialdiener. Arbeit mit Straßenkindern und die Wasserwiederaufbereitung gehören ebenso zur Arbeit wie die Mitwirkung an architektonischen Projekten. Der Friedensdienst dient der Sicherung des Friedens. Friedensdiener konzentrieren sich auf die Förderung der Kommunikation zwischen Konfliktpartnern. Um diese interessanten und auch verantwortungsvollen Aufgaben übernehmen zu können ist intensive Vorbereitung notwendig. Geeignete Literatur lesen, Besuch von Veranstaltungen und Filmen ist nötig.

Wenn es aber soweit ist, und man die Wunschstelle bekommt, dann kann man sich auf ereignisreiche 14 Monate freuen. Wie etwa die beiden Zivildiener Andreas Feuerstein und Hein Bösch. In Reno, der zweitgrößten Casino-Stadt der USA, sind sie seit September bzw. Oktober 1999 im „Center for Holocaust Genocide and Peace Studies“ an der Universität von Nevada beschäftigt. Für beide war „neben der interessanten Arbeit die zu gewinnende Auslandserfahrung bestimmend für den Entschluss nach Reno zu kommen.“ Ihr Aufgabenbereich ist vielfältig: „Wir arbeiten an der halbjährlich erscheinenden Publikation des Centers mit, organisieren Veranstaltungen und Ausstellungen und halten Geschichtestunden in lokalen Highschools, über Österreichs Verantwortung am Holocaust.“

Harter Job in Brasilien

Ganz anders war die Situation für Johannes Schmidt als er am Ort seiner Wünsche ankam. Seit September 1999 ist er in Itinga, Brasilien. Der Komfort der reichen Metropole Reno und der dort vorhandenen Strukturen ist kaum vergleichbar mit dem, was bis November 2000 zum täglichen Brot von Johannes wurde. Itinga ist ein 80.000 Einwohner fassendes Slum, in Brasilien Favela genannt, der nordöstlich gelegenen Millionenstadt Salvador. „Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, hohe Verbrechensrate, Prostitution und Hunger sind hier nicht zu übersehen“, schildert Johannes die bisherigen Eindrücke. Seine Aufgabe ist es, mit Mitarbeitern der lokalen Pfarre auf die Märkte zu gehen. Dort erbetteln sie Gemüse, das anschließend zu einer Suppe weiterverarbeitet wird, der oftmals einzigen warmen Malzeit für viele Kinder. Außerdem ist er gerade im Begriff, einen Computersaal einzurichten um dort Kurse zu geben. Trotz der Armut und der daraus entstehenden Probleme ist die Arbeit in Brasilien für Johannes sehr erfüllend: „Samba ist zwar Musik, aber in meinen Augen auch der dortige Lebensstil: strahlende Gesichter, die Umarmung zur Begrüßung und ungeheure Freundlichkeit.“ Einfach eine Erfahrung für das ganze Leben.

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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