Niederösterreicher hilft Straßenkindern in Ecuador, Kronen Zeitung

17.01.2012

Projekt Beschreibung

Kronen Zeitung, 17.01.2012
Niederösterreicher hilft Straßenkindern in Ecuador
Raphael Krausgruber aus Mödling hat sich entschieden statt Bundesheer oder Zivildienst in der ecuadorianischen Millionenmetropole Guayaquil mit Straßenkindern zu arbeiten. „Die Welt und ihre Armut kennenzulernen und verstehen, das ist mein Ansporn für den Sozialdienst in Lateinamerika“, sagt der frischgebackene Maturant zu seiner Motivation. Ursprünglich sollte der junge Niederösterreicher nicht nach Südamerika geschickt werden, weil er bei der Auswahl für das Projekt noch kein Spanisch konnte. „Aber dann ist doch alles anders gekommen und es ist sogar mein Wunschland geworden“, sagt der 19-jährige, der nach einer intensiven Vorbereitung von der österreichischen NGO „Jugend Eine Welt“ nach Ecuador entsandt worden ist.
Sein Projekt „chicos de la calle“ – übersetzt „Straßenburschen“ – befindet sich in der größten Stadt Ecuadors, Guayaquil, die gleichzeitig auch als eine der gefährlichsten des kleinen Landes gilt. Vor mehr als 30 Jahren ist die Initiative vom Salesianer-Orden Don Bosco gegründet worden und besteht heute aus drei verschiedenen, jedoch zusammenhängenden „Etappen“: „Die erste Etappe ist mein Wohn- und Arbeitsort. Hier versuche ich direkt auf der Straße obdachlose Kinder auf das Projekt aufmerksam zu machen und sie zu motivieren es sich anzusehen.“
Den Kindern steht die Anlaufstelle „Mein Kumpel“ offen, wo sie von Krausgruber betreut werden, regelmäßige Mahlzeiten aufgetischt bekommen und auch die Nacht verbringen können. „Ich bin sechs Tage die Woche rund um die Uhr für die 14 Burschen im Alter zwischen neun und 15 Jahren da, versuche ihnen Grundwerte wie Danke oder Bitte sagen zu vermitteln und achte beispielsweise darauf, dass sie sich waschen, im Haushalt mithelfen und zeitig schlafen gehen, damit sie sich wieder auf einen geordneten Tagesablauf einstellen können“, sagt der Sozialdiener, der mittlerweile fließend Spanisch spricht und stolz darauf ist, schließlich haben selbst Muttersprachler mit dem „Straßenslang“ der Kinder ihre liebe Not.
Wenn sich die Kinder an die neue Lebensweise abseits der Straße gewöhnt haben, dann kommen sie ins zweite Projekt. Dort wohnen die Kinder unter der Woche und besuchen täglich die Schule. Der Standort dieser Etappe ist die Zentrale für das gesamte Projekt in Guayaquil. Es wird versucht, die Eltern der Kinder – wenn überhaupt vorhanden – zu betreuen und sie wieder bei ihren Familien einzugliedern, da die schlechte Situation zu Hause oft Ausgangspunkt für das Leben auf der Straße ist.
Wenn die Kinder ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen können und ein gewisses Alter erreicht haben, steigen sie in die dritte und letzte Etappe auf. „Die schulische Ausbildung wird weitergeführt, bis die Jugendlichen einen Schulabschluss machen können und parallel dazu erhalten sie eine Ausbildung zu einem Handwerksberuf“, sagt der engagierte Volontär. Ziel ist es, die jungen Erwachsenen im Alter von 18 Jahren mit einer abgeschlossenen schulischen- und handwerklichen Ausbildungen aus dem Projekt entlassen zu können. Krausgruber: „Im Wissen, dass sie dann die Chance haben, etwas aus ihrem Leben zu machen.“
Und was ist der schönste Moment während der ersten drei Monate Sozialdienst gewesen? „Einer meiner Schützlinge, Steven, hat mit seinen zehn Jahren eine sehr harte Geschichte hinter sich und fällt durch besondere Aggressivität auf. Nach einiger Zeit hat er mir gesagt, dass er mich wirklich gern hat und ich nicht mal für einen Tag wegfahren soll. Das klingt jetzt nach wenig, aber es tut einfach gut wenn etwas zurückkommt, gerade von einem Burschen, der sonst mich und andere Kinder schon in der Früh mit einem Schimpfwort aufweckt“, sagt der Sozialdiener.
Noch bis Ende August ist der Mödlinger vor Ort in Ecuador und hat bereits Pläne für die Zukunft: „Ich will nach meiner Rückkehr an der BOKU Wien Landwirtschaft kombiniert mit Sozialer Arbeit studieren und am liebsten in einem SOS Kinderdorf weiterarbeiten.“ Spendenkonto Jugend Eine Welt: PSK Kontonummer: 92083767 Bankleitzahl: 60.000   Von René Laglstorfer  

Projekt Details

  • Datum 13. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2012

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