Museum als Dankeschön, Bezirksrundschau Braunau

10.12.2009

Projekt Beschreibung

Museum als Dankeschön
Anna Rosmus über das große Glück Braunaus während der Besatzungszeit Die Lebenshilfe zieht aus dem Hitler-Haus in Braunau aus. Am Kauf interessiert zeigt sich der Österreichische Gedenkdienst. Die Historikerin Anna Rosmus sieht in der Errichtung eines US-Veteranenmuseums nicht nur eine Chance für den Tourismus der Stadt Braunau, sondern in erster Linie eine bildende Instanz. BRAUNAU. Durch einen Schulwettbewerb wurde Anna Rosmus mit 20 Jahren auf die Geschichte des Nationalsozialismus in und rund um ihre Heimatstadt Passau aufmerksam. „Ich hatte davor keine Ahnung von irgendwas, stürzte mich also regelrecht ins Thema und hab seit daher nie mehr aufgehört, in der Geschichte zu graben“, so Rosmus. Durch ihre Recherchen deckte sie zahlreiche bekannte Passauer als Nationalsozialisten auf. Dadurch geriet ihr Leben schnell aus den Fugen. „Ich wurde als Nestbeschmutzerin beschimpft, massive Drohungen und Anfeindungen bestimmten mein Leben. Ich hatte ständig Angst, jemand würde meine Kinder entführen. Selbst einer Messerstecherei bin ich nur knapp entgangen“, berichtet die Historikerin. Um nicht länger um ihr Leben fürchten zu müssen, emigrierte sie schließlich in die Vereinigten Staaten, wo sie seit 15 Jahren mit US-Veteranen zusammenarbeitet. Hitler-Haus als Museums-Standort Im Augenblick bemüht sie sich zusammen mit Andreas Maislinger vom Österreichischen Gedenkdienst um die Errichtung eines US-Veteranenmuseums in Braunau. Da der bisherige Untermieter des Hitler-Hauses beschlossen hat auszuziehen, würde sich das Haus als möglicher Standort für das Museum anbieten. Braunaus Bürgermeister Gerhard Skiba steht dem allerdings ablehnend gegenüber. Amerikaner räumten auf „Nach Kriegsende traten die Amerikaner ein schweres Erbe an“, so Rosmus. „Die Besatzer mussten sich um alles kümmern: Lebensmittel aus Amerika einschiffen, Minen entfernen, Brücken wieder aufbauen. Die meisten Menschen wissen das gar nicht. Sie hatten damals nur das Bild von den Besatzern im Kopf, die einem alles vorschreiben und verbieten. Niemand hat die Leute aufgeklärt. Dabei hätten wir eigentlich längst schon mal Danke sagen können“, so Rosmus. Aus diesem Grund fände es die Historikerin eine gute Idee, wenn in der Grenzzone zwischen OÖ und Bayern ein solches Museum errichtet würde, wo die Menschen die Wahrheit über die Besatzer erfahren könnten. „Oberösterreich hat großes Glück gehabt, weil hier ein besonders fähiger Mensch Militärgouverneur wurde.“ General Stanley Eric Reinhart war während der Besatzungszeit für alle Belange der Zivilbevölkerung zuständig. „Während Bayern einen Gouverneur hatte, der es zwar gut meinte, aber hoffnungslos unfähig war“, ergänzt Rosmus. Zu Kriegsende, als ohnehin schon alles am Ende war, ging es in Bayern im weiter bergab und auf der anderen Seite des Inns, in Braunau, ging es rapide bergauf, und das bei gleichen Voraussetzungen. „Die meisten Oberösterreicher wissen gar nicht, wie viel Glück sie hatten. Daher wäre OÖ ein guter Standort.“ Geglückte Zusammenarbeit Zwei Schwerpunkte müssten laut Rosmus im Museum dominieren: „Zum einen müsste die Zusammenarbeit zwischen Bayern und OÖ während des Krieges rauskommen, im Sinne von ‚Geteilte Schuld und geteilte Verantwortung‘. Zum anderen müsste die geglückte Zusammenarbeit zwischen OÖ und den USA beleuchtet werden. Anna Rosmus kennt viele US-Veteranen, die Gegenstände aus der NS-Zeit besitzen und einen Platz dafür suchen. „Diese Menschen wenden sich an mich, und wenn es in Braunau ein Veteranenmuseum gäbe, würde ich diese Dinge natürlich dem Museum geben. Ich würde außerdem mit Spenden helfen und wäre zur Zusammenarbeit bereit, sofern sich die Bevölkerung für ein Museum ausspricht.“ Chance für den Tourismus Auch wirtschaftlich gesehen würde das Museum der Stadt Braunau viel bringen. „Ich arbeite seit 15 Jahren mit Touristengruppen, bestehend aus US-Veteranen, zusammen. Pro Kopf zahlen diese Menschen zwischen 5.000 und 15.000 Euro für einen solchen Besuch. Der Braunauer Tourismus würde stark davon profitieren.“ Attentate, wenn Israel Haus kauft Eine Künstlergruppe aus den USA schlug unlängst vor, dass Israel das Hitler-Haus kaufen solle, um daraus ein Museum zu machen, das die Ermordung der Juden dokumentiere. Rosmus hält diese Idee grundsätzlich nicht für schlecht, allerdings „finde ich den Vorschlag, dass gerade Israel es kaufen soll, nicht gut. Denn dann würden vermutlich die ersten Attentate hier stattfinden. Ziel wäre dabei nicht das Museum, sondern Israel als Eigentümer. Israel weiß das mit Sicherheit, daher kann ich mir nicht vorstellen, dass es so weit kommt.“ Rosmus rät beim Verkauf des Hitler-Hauses zur Vorsicht: „Wenn das Haus auf dem Privatmarkt verkauft wird, werden sich vermutlich Neo-Nazis um den Ankauf bemühen, und was die daraus machen würden, ist klar.“

Projekt Details

  • Datum 1. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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