„Mister Hannes!“, Neue Kronen Zeitung

12.10.2001

Projekt Beschreibung

Neue Kronen Zeitung  12. Oktober 2001 Salzburg Krone- Menschen in Salzburg
„Mister Hannes!“ Johannes Prechtl aus Elixhausen war in den heißen Wochen rund um das Attentat auf New York als Zivildiener in Pakistan. Jetzt ist er wieder daheim. Von Edgar Breuss Karachi, Pakistan: Johannes Prechtl zeigte einer Gruppe Jugendlicher gerade, wie man mit einem Computer umgeht, als Kinder herein stürzten und ihn zum Fernseher holten: „Mister Hannes!“ Und er sah gerade das Welthandelszentrum in New York einstürzen… Das pakistanische Fernsehen hatte auf CNN umgeschaltet. Und als sofort vom benachbarten Afghanistan und Bin Laden die Rede war, wusste er: „Jetzt habe ich ein Problem…“ Johannes Prechtl (19) aus Elixhausen, ein Maturant aus dem Bundesgymnasium Zaunergasse in Salzburg, war als Auslands-Zivildiener im SOS-Kinderdorf eingesetzt, einem genau nach dem österreichischen Muster organisierten Dorf für 150 Kinder ohne Eltern. Was sich für ihn durch den Anschlag verändert hat? „Zuerst gar nichts!“ Die Pakistanis im Kinderdorf sagten: „Du bist unser Gast, wir lassen auf keinen Fall zu, dass dir etwas passiert!“ Und auch auf den Straßen der Elf-Millionen-Stadt war nichts anders: „Keiner hat bös geschaut, alles war wie immer, wie überall: Wenn man freundlich ist, kommt’s freundlich zurück.“ Und das Attentat? „Alle waren cool, fast unbeteiligt…“ Johannes: „Sie sind viel ärgere Sachen gewohnt als wir, und einem Bettler auf der Starße ist alles gleich.“ Angst? „Nicht wirklich!“ Aber als Gerüchte umgingen, die Amerikaner sind schon in Pakistan, als schon vom Gegenschlag die Rede war, als der Flughafen gesperrt wurde, da wurde ihm schon ein bisschen mulmig. Und er begann schon für den Ernstfall Fluchtwege auszukundschaften. Sein Plan im Fall der Fälle: mit der Eisenbahn nach Indien! Aber das sind auch weit über 1000 Kilometer… Und dann das Kommando: Zurück heim! Abschied von den Kindern, von den Leitern, die Hannes ans Herz gewachsen waren und umgekehrt, Umarmungen. Und als er im Airport zum Abflug ging, stürmten Fersehteams aus aller Welt an ihm vorbei in das Land, das er verließ… Jetzt, wieder daheim? Johannes hat die Bilder der Stadt Karachi noch in sich: Die vom Wüstensand bedeckten Straßen, das Gewurl im Bazar, die Neugier der Pakistanis, die noch selten einen „Weißen“ gesehen haben. Und hat sich vorgenommen, noch viel über dieses schöne Pakistan zu lernen. Und wundert sich oft, über was sich die Menschen bei uns aufregen können… Johannes Prechtl hat das Leben in der pakistanischen Riesenstadt Karachi kennengelernt, wie es wirklich ist: weit abseits der Touristenpfade. Er wär’ gern länger geblieben. Jetzt liest er so viel wie möglich über die Region, aus der ihn der Krieg vertrieben hat.

Projekt Details

  • Datum 3. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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