Mehr als nur Pflicht… Der Gedenkdienst als Alternative zum Zivildienst, Unipress

01.10.1997

Projekt Beschreibung

Mehr als nur Pflicht… Der Gedenkdienst als Alternative zum Zivildienst

Mehr als nur Pflicht… Der Gedenkdienst als Alternative zum Zivildienst Von Bernhard Ainetter Heuer feierte der Verein „Gedenkdienst“ sein fünfjähriges Bestehen. Anstatt eines großen Festes war der Verein unter der Führung von Andreas Maislinger mit Querelen innerhalb des Vereins, Finanzsorgen und der daraus resultierenden negativen Publicity konfrontiert. Über 40 junge Menschen – hauptsächlich Schüler und Studenten – haben bis dato den Gedenkdienst als Alternative zum Präsenz- bzw. Zivildienst gewählt. Die Idee zum Gedenkdienst kam Maislinger während eines Besuchs der Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im Jahre 1976. Bis dahin war der Holocaust einfach ein geschichtliches Ereignis: „Die Luftlinie Wien – Auschwitz ist gleich lang wie Wien – Salzburg, aber im Bewußtsein war Auschwitz weit weg.“, so Maislinger. Hinter dem Gedenkdienst steckt die Idee jungen Österreichern die Arbeit in Gedenkstätten zu ermöglichen. Es sollten 16 Jahre seit jenem Tag 1976 vergehen, bis es Maislinger gelingen wird, nach zahllosen Hürden und Schwierigkeiten den Verein „Gedenkdienst“ zu gründen. Im September 1992 beginnt der erste Gedenkdienstleistende seine Arbeit im Museum Auschwitz-Birkenau, ein Monat später nimmt je ein junger Österreicher die Arbeit im Anne-Frank-Museum Amsterdam und in der Gedenkstätte Theresienstadt auf. Nun werden jedes Jahr 20 bis 25 junge Leute aus ca. 300 Bewerbern ausgewählt. Das Auswahlverfahren erstreckt sich über ein Jahr. Die lange Zeitspanne zwischen Anmeldeschluß (Ende April) und dem eigentlichen Gedenkdienst (Antritt zwischen April und Oktober des Folgejahres) erklärt Maislinger mit dem Prozeß des Kennenlernens. Einerseits muß Maislinger als Initiator und Mitverantwortlicher sich auf den Gedenkdienstleistenden verlassen können: „Jemand wird alleine zu einer Gedenkstätte geschickt. Was ist, wenn der nichts mehr tut?“. Andererseits muß der Kandidat alle seine Vorgänger und seine Jahrgangskollegen sowie deren Arbeitsaufgaben kennen. Somit ist eine gute Basis für eine unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen den Gedenkdienstleistenden geschaffen. Vor dem Antritt des Gedenkdienstes reist der Kandidat zu seiner Dienststelle und erfährt dort die Geschichte des Ortes. Die Einsatzstellen befinden sich hauptsächlich in Israel und Osteuropa – in der Ukraine, Litauen, Tschechien Polen oder Ungarn – aber auch westeuropäische, süd- und nordamerikanische Institutionen werden vom Gedenkdienst betreut. Der vierzehnmonatige Gedenkdienst wird vom Innenministerium finanziert – oder auch nicht. Im letzten halben Jahr sperrte das Innenministerium unter Karl Schlögl nämlich die Finanzierung aufgrund der Obmanndebatte im Verein. Die interne Revolution wurde von Sascha Kellner, einem Wiener Medizinstudenten angeführt, der sich in einer „statutenwidrigen“ Versammlung prompt zum neuen Obmann wählen ließ. Was darauf folgte, wurde in den Medien bereits breitgetreten: die Gedenkdienstleistenden, die momentan ihren Dienst verrichten, waren mit einem Finanzmittelstop konfrontiert und erhielten keine Entschädigng mehr. Weiters gab Sascha Kellner bekannt, seinen eigenen Verein zu gründen. Andreas Maislinger bestätigte der Unipress nun, daß die Finanzierung für nächstes Jahr gesichert sei und die ausständigen Entschädigungen bezahlt wurden. Daß ein weiterer Verein gegründet werde, der Gedenkdienst anbietet, freue ihn als geborenen Marktwirtschaftler, so Maislinger. Ganz nach dem Motto „Konkurrenz macht lustig“. Die Finanzierung für 1998/99 bedarf noch Verhandlungen mit dem Ministerium. Maislinger könne aber „versichern, daß jedem Gedenkdienstleistenden 1997/98 eine gesicherte Finanzierung garantiert wird.“ Anm. d. Red.: Für zusätzliche Informationen steht Andreas Maislinger zur Verfügung: Dr. Andreas Maislinger, Hutterweg 6, 6020 Innsbruck, Telefon und Fax 0512/291087 oder telefon 0664-1008361. Einsatzstellen: Argentinien: Fundacion Memoria del Holocausto Buenos Aires Belgien: Fondation Auschwitz Brüssel Deutschland: KZ-Gedenkstätte Neuengamme England: The Spiro Institute London Frankreich: Centre de Documentation Juive Contemporaine, Paris Israel: Yad Vashelm, Jerusalem Anita-Mueller-Cohen-Elternheim Kanada: Montreal Holocaust Memorial Center Litauen: Jüdisches Museum Wilna Niederlande: Anne Frank Haus Amsterdam Österreich: Jüdisches Museum Hohenems Polen: Museum Auschwitz-Birkenau Jüdisches Historisches Institut Warschau Int. Jugendbegegnungsstätte Auschwitz Tschechien: Gedenkstätte Theresienstadt, Terezin Theresienstädter Initiative Prag Ukraine: Zentralrat der Juden Kiew Ungarn: Ungarische Auschwitz-Stifung Budapest USA: Holocaust Memorial Museum Washington Leo Baeck Institute New York Simon Wiesenthal Center Los Angeles

Projekt Details

  • Datum 27. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1997

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