Kurier Tirol – 13. März 1999 / „Man grüßt sich halt, wenn man sich auf der Straße trifft“

13. März 1999

Projekt Beschreibung

„Man grüßt sich halt wenn man sich auf der Straße trifft“

Der Politologe Andreas Maislinger hat einen neuen Gedenkdienst-Verein gegründet

Uwe Schwinghammer Andreas Maislinger, einst Politologe an der Innsbrucker Uni, freut sich wie ein Schneekönig. Die Krise ist überwunden, sein neuer Verein für Dienste im Ausland erfreut sich seinen Aussagen nach immer größerer Beliebtheit. Dem war nicht immer so. Vor fast zwei Jahren war es beim alten, von dem Innsbrucker Politikwissenschafter gegründeten Verein Gedenkdienst, zu einem fürchterlichen Streit gekommen. Maislinger behauptete, man habe einen linken „Putsch“ gegen ihn angezettelt. Die Gegenseite, der Medizinstudent Sascha Kellner, witterte zahlreiche Ungereimtheiten in der Vereinsführung. Sämtliche Versuche, sich wieder zusammenzuraufen scheiterten am Unwillen beider Parteien. Leidtragende waren die Studenten. Ihnen wurden nämlich die Entschädigungen von der Republik Österreich für die Ableistung eines Gedenkdienstes nicht oder nur sehr schleppend ausgezahlt. Im November 1997 wurde unter dieses Kapitel ein Schlußstrich gezogen. Maislinger gründete daraufhin einen neuen Dienst, der nun seit fast einem Jahr arbeitet. Maislinger: „Der Konflikt von früher interessiert mich überhaupt nicht mehr. Es findet eine normale Kooperation zwischen meinen und ihren Leuten statt, wenn sie im selben Ort sind. Mich selber verbindet mit dem Vorstand vom Verein Gedenkdienst logischerweise keine dicke Freundschaft mehr.“ Im Gegensatz zum „Konkurrenzunternehmen“ sei es in der Maislinger’schen Einrichtung aber möglich, nicht nur Gedenkdienst, sondern auch Sozial- und Friedensdienst zu leisten. Außerdem schwebt Maislinger vor, nicht nur nationalsozialistischer, sondern auch kommunistischer Verbrechen zu gedenken: „Im Genozid-Museum in Wilna werden zum Beispiel NS- und kommunistische Verbrechen aufgearbeitet. Aber man muß da noch sehr vorsichtig sein. Und ich will auch keinesfalls irgendetwas relativieren oder gegeneinander aufwiegen.“ Derzeit befinden sich etwa zehn Gedenkdienstleistende der Einrichtung von Maislinger im Ausland. Weitere Stellen seien ständig im Entstehen. Maislinger: „Das hat eine irre Dynamik erreicht.“

Projekt Details

  • Datum 25. September 2016
  • Tags Pressearchiv 1999

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