Kleine Zeitung – 31. März 2002 / Zivildienst in Kanada für das Gedenken an Holocaust-Opfer

32.03.2002

Projekt Beschreibung

Zivildienst in Kanada für das Gedenken an Holocaust-Opfer Erhard Lampersberger aus Baldramsdorf leistete Ersatzzivildienst in Holocaust-Museum in Montreal. Er führte Interviews mit Zeitzeugen. Von Camilla Kleinsasser „Ich habe zwar einen Hocker Schulden, aber das war es wert. Der Ersatzzivildienst in Kanada, war ein gewonnenes Jahr; vom Gelernten her fast gleichbedeutend mit sechs Jahren Studium“. So beschreibt der 27-jährige Baldramsdorfer Erhard Lampersberger seinen Gedenkdienst am „Montreal Holocaust Memorial Centre“. Dieses Museum widmet sich dem Gedenkden an Holocaust-Opfer. Mit zwei weiteren jungen Österreichern, Franz Kainz und Georg Primas, kümmerte sich Lampersberger um das „Durchwühlen von Archiven zur Erstellung von Datenbanken, das Zusammenstellen von Foto- und Unterrichtsmaterial, und Vorbereitung für Feiern. Unsere Computerkenntnisse waren sehr hilfreich für das Museum“, so Lampersberger. Zu dritt teilten sich die, dort als „The Boys“ bekannten, jungen Österreicher von 2. Jänner 2001 bis 28. Feber 2002 eine Wohnung. Jeder sollte für diese Zeit 10.000 Euro vom Auslandsdienst-Förderverein erhalten, um Flüge, Essen, Miete und Versicherung zu zahlen. „Bis jetzt habe ich 2.200 Euro bekommen, hatte aber Gesamtausgaben von 13.000 Euro. Ich wurde nur von der Gemeinde Baldramsdorf mit 360 Euro unterstützt. Bischof Alois Schwarz gewährte mir einen zinsfreien Kredit. Briefe an die Landesregierung blieben unbeantwortet. Hätten meine Eltern nicht finanziell geholfen, hätte ich den Dienst abbrechen müssen“, erzählt Lampersberger, der letztes Jahr im Mai kurz heimkehrte, um sein Elektrotechnik-Diplom an der TU-Graz zu machen. Dennoch zieht er positive Bilanz: „Kanada ist Immigrationsland Nummer eins, verschiedenste Kulturen leben problemlos nebeneinander. Ich war dort 14 Monate Ausländer, bekam das aber nie zu spüren. Das Interessanteste an der Arbeit waren die Interviews mit Zeitzeugen, die uns die Hintergrundgeschichten zu den Ausstellungsstücken erzählten. Zum Beispiel die eines Löffels, den sich ein KZ-Häftling aus einem Stück Blech zusammengeklopft hat. Das macht nachdenklich. Man fragt sich: Was wäre gewesen, hätte ich damals gelebt?“, so der Diplomingenieur, der sich nun auf Jobsuche begibt, um seine Schulden zu tilgen.

Projekt Details

  • Datum 16. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2002

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