Kislev/Tevet 5759, Die Gemeinde Nr. 490

02.1998

Projekt Beschreibung

In einem offenen Brief hat Chemie-Nobelpreisträger Walter Kohn Bundespräsident Thomas Klestil für dessen Glückwunsch-Telegramm gedankt und appelliert, sich verstärkt für Projekte, die die NS-Zeit aufarbeiten, einzusetzen. „Ich bin immer überaus dankbar gewesen für die ausgezeichnete Ausbildung, die ich bis 1938 am Wiener Akademischen Gymnasium erhalten habe“, betonte der Physik-Professor in seinem am Mittwoch verfaßten Schreiben. Er erinnerte an das Schicksal seiner Eltern, seinen eigenen Ausschluß ans dem Gymnasium und seine darauffolgende nur knapp gelungene Flucht aus dem nationalsozialistischen Österreich. „Vor einigen Tagen erhielt ich von meinem alten Gymnasium einen Bericht über deren hervorragendes, gründliches Schulprojekt‚ Umschulung, Wien 1938′. Zudem habe ich jüngst einige Mitarbeiter des österreichischen Gedenkdienstes getroffen und hatte die Möglichkeit, mit ihnen an einem ihrer Projekte zu arbeiten“, berichtete der Nobelpreisträger. „Es würde mich mit tiefster Zufriedenheit erfüllen, wenn mein Nobelpreis Ihr Engagement als Österreichs Bundespräsident für Projekte wie diese stärken würde, die sich Österreichs dunklen Jahren ehrlich und konstruktiv zuwenden. Sie ehren das Gedenken an die Opfer und sind notwendig, um Österreichs Zukunft auf eine solide Basis zu stellen.“ Bundespräsident Thomas Klestil dankte Walter Kohn für sein Schreiben, das Kohn auf Glückwünsche Klestils zur Nobelpreisverleihung erwidert hatte. Der Brief enthielt auch eine Zusage, sich verstärkt für Projekte, die die NS-Zeit aufarbeiten, einzusetzen: „Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen habe ich es immer als eines meiner Hauptziele als Bundespräsident erachtet, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die Österreicher an ihre Verantwortung zu erinnern, die schreckliche Wahrheit der Nazizeit aufzuarbeiten und den Opfernd, wo das noch möglich ist, zu helfen“, erwiderte Klestil. Er habe bei zahlreichen Veranstaltungen sowohl in Österreich wie auch im Ausland über die „tragische Vergangenheit“ Österreichs in der Nazizeit gesprochen. In diesem Zusammenhang betonte Klestil besonders seinen Besuch im israelitischen Parlament, der Knesset, als erster österreichischer Bundespräsident und lud abschließend Walter Kohn nach Österreich ein.

Projekt Details

  • Datum 28. September 2016
  • Tags Pressearchiv 1998

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