Kärntner im Gedenkdienst gegen Gedächtnislücken, Kärntner Tageszeitung

04.07.1997

Projekt Beschreibung

Kärntner im Gedenkdienst gegen Gedächtnislücken

Mag. Helmut Prochart aus Obersielach bei Völkermarkt leistet im Holocaust Memorial in Washington einen Zivildienst der besonderen Art.

Im 4. Stock des US Holocaust Memorial Museums in Washington leistet der österreichische Verein „Gedenkdienst“ einen Beitrag gegen Gedächtnislücken. Er unterstützt die jüdische Forschungsarbeit über die Geschichte des Holocaust und die österreichische Beteiligung daran. Geleitet wird dieses Projekt zurzeit von einem jungen Kärntner: Mag. Helmut Prochart (26) aus Obersielach bei Völkermarkt, seit einem Jahr Politik- und Kommunikationswissenschafter, absolviert beim Verein „Gedenkdienst“ bis September seinen Zivildienst – als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Mein Interesse an der Zeitgeschichte und am Umgang Österreichs mit der NS-Vergangenheit hat sich bei einer Exkursion mit der Schule ins KZ Mauthausen entwickelt“, sagt Prochart über seine Beweggründe. Die Tätigkeit des Vereins richtet sich nach den Anforderungen der Gedenkstätte und reicht von Archivarbeiten, Mithilfe bei wissenschaftlichen Publikationen, Organisation von Ausstellungen bis zur Sammlung von historischem Material und Aufzeichnung von Gesprächen mit Überlebenden. Prochart: „Wir verstehen uns als Botschafter und wollen mit der Arbeit ein sichtbares Bekenntnis Österreichs zur Mitverantwortung am Holocaust ablegen.“ Der Forschungsschwerpunkt des Völkermarkters im Holocaustmuseum: Er arbeitet an Berichten über Zustände in deutschen (Konzentrations-)Lagern, in denen Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges inhaftiert waren. Procharts Beiträge sollen Entscheidungshilfen über die Zuerkennung von Wiedergutmachungszahlungen Deutschlands an betroffene US-Bürger liefern. Erfolgreich betreut hat er die Ausstellung „Theresienstadt“, die in namhaften US-Städten zu sehen war. Der Zivildienst des Kärntners endet im September. Nach der Rückkehr will er an einer österreichischen Uni oder einem privaten Institut wissenschaftlich weiterarbeiten. „Meine Erfahrungen und Erlebnisse will ich auch den Schulen zu Hause weitergeben. Ich möchte dem Bild Österreichs einen neuen Aspekt hinzufügen, der nicht von der Leugnung der Mitverantwortung am Holocaust geprägt ist.“

Projekt Details

  • Datum 28. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1997

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

nach oben