Junge Steirer im Einsatz für die Menschlichkeit, Neue Zeit

11.11.2000

Projekt Beschreibung

Neue Zeit 11. November 2000 Tagesgeschehen
Junge Steirer im Einsatz für die Menschlichkeit Immer mehr steirische Jugendliche ersetzen ihren Zivildienst durch einen Auslandsdienst. 14 Monate lang betreuen sie in fernen Ländern Straßenkinder oder leisten Aufklärung über die Holocaust-Geschehnisse. Von Birgit Schweiger Graz. „Schwierig, spannend, schön“ – mit diesen drei Worten beschreibt der ehemalige Gedenkdiener Klaus Jagoditsch aus Stiwoll (Bezirk Graz-Umgebung) seinen Aufenthalt in Montreal (Kanada). Der 28-Jährige arbeitete 14 Monate lang am Montreal Holocaust Memorial Centre, wo er mit Opfern des Nationalsozialismus sprach, deutschsprachige Dokumente übersetzte und an Ausstellungen und Museen mitarbeitete. „Es war eine echte Herausforderung für mich“, erzählt Jagoditsch, „ich würde es jederzeit wieder so machen.“Trotzdem sei während des Gedenkdienstes nicht immer alles eitel Wonne gewesen: „Es ist schon anstrengend, wenn man oft acht Stunden pro Tag mit fürchterlichsten Geschichten von Zeitzeugen konfrontiert wird.“ Derzeit leisten 20 Steirer einen Gedenk-, Sozial- oder Friedensdienst im Ausland, anstatt des Zivildienstes in Österreich. Unter 100 Bewerbern werden dieses Wochenende bei einem Seminar des Vereins für Dienste im Ausland die Kandidaten für nächstes Jahr ausgewählt. Diejenigen, die den Kriterien am ehesten entsprechen (berücksichtigt werden Alter, Charakter und die Mitarbeit im Verein), werden 14 Monate ihres Lebens bei Partnerorganisationen in Ländern wie Indien, Kanada, oder auch Kenia verbringen. „Ich will helfen“ Richard Pucher aus Ilz ist einer der Kandidaten. Er bewirbt sich für einen Sozialdienst in China, denn „helfen ist das Schönste, was man tun kann.“ Der erst 18-Jährige werkt schon fleißig im Verein für Auslandsdienste mit und eignet sich selbst theoretische Kenntnisse an. Dass gerade Engagement, eine gewisse Reife und die Bereitschaft, viel von sich zu geben, bei einem Auslandseinsatz am wichtigsten sind, weiß der Leiter des Vereins für Dienste im Ausland, Andreas Maislinger: „Die Menschen dürfen den Dienst nicht als bloße Chance, die Welt zu sehen, auffassen. Sie müssen wirklich ernsthaft den Wunsch haben zu helfen.“ Auch Andreas Auer verspürte diesen inneren Drang, bevor er im Juli 1999 nach Buenos Aires flog, um Straßenkindern aktiv beizustehen. Er half den Kindern dabei, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. „Es war eine anstrengende Zeit, aber ich nahm viele wichtige Eindrücke mit nach Hause“, fasst der 25-Jährige zusammen. Ganz kurz vor ihrem „großen Abenteuer“ stehen der Grazer Franz Kainz und Georg Primas aus Södingberg: Im Februar geht es für die beiden zum Gedenkdienst nach Montreal. „Ich finde es interessant, alles hinter sich zu lassen und für einen guten Zweck zu arbeiten“, freut sich Kainz. Dafür, dass die Menschen nicht nur reden, sondern auch etwas tun sollen, setzt sich Primas ein. Den Verwandten, die sein Vorhaben nicht verstehen, will er danach mit fundierten Argumenten für die Aufarbeitung des Holocaust aufwarten können. Zu wenige Frauen Aber nicht nur Männer, auch Frauen können einen Auslandsdienst absolvieren. „Wir sind schon fast ein Männerverein und würden uns über ein paar engagierte Frauen sehr freuen“, seufzt Vereinsleiter Maislinger. Für Frauen gelte zwar nicht die Mindestdauer von 14 Monaten, nur sei die Finanzierung etwas schwieriger, „aber das Geld wird meist irgendwie aufgetrieben.“ Interessierte, welche nun das positive „Helfersyndrom“ gepackt hat, können sich unter Tel. 0664/100 83 61 melden, sich unter www.auslandsdienst.at informieren, oder gleich beim Seminar in der Grazer Sackstraße 17, 2. Stock, heute von 9 bis 19.30, vorbei schauen.

Projekt Details

  • Datum 1. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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