Interview mit René Laglstorfer, OÖ-International

05.01.2009

Projekt Beschreibung

Interview mit René Laglstorfer
Herr Mag. Laglstorfer, Sie werden Anfang 2009 von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zum Auslandsdiener des Jahres 2008 ausgezeichnet. Was hat Sie motiviert? Zum einen wollte ich meinen Wehrersatzdienst sinnvoll und lehrreich gestalten, zum anderen ein Zeichen setzen. Der Gedenkdienst war DIE Möglichkeit, diese Schwerpunkte zu kombinieren. Den ersten Teil leistete ich 9 Monate in einem Museum im Herzen Frankreichs, wo die SS 1944 alle 642 Bewohner ermorden ließ – einfach so – was als „Massaker von Oradour-sur-Glane“ in die Geschichte einging. Dass Österreicher im Vergleich zu deutschen Truppen überproportional in der Mördertruppe SS vertreten waren, wird dabei gerade in Österreich noch immer oft verdrängt. Mein Wechsel nach Shanghai war für mich wie eine zusätzliche Belohnung. Wenigen ist bekannt, dass die chinesische Supermetropole nach dem „Anschluss“ 1938 rund 5000 Österreicher jüdischen Glaubens vor der Vernichtung in Europa bewahrte. Was zählt zu Ihren Tätigkeiten? Meine Aufgaben in China und Frankreich sind ähnlich: Führungen durch das jüdische Shanghai und das Ruinendorf von Oradour-sur-Glane; Vorträge an Schulen und Universitäten, Übersetzungen ins Englische, Französische, Spanische und Deutsche; historische Recherchen; Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungsorganisation. In Frankreich entstand ein Projekt für dessen Organisation ich verantwortlich war: Die Verleihung der Austrian Holocaust Memorial Awards (AHMA) an den Oradour-Überlebenden Robert Hébras (84) (siehe www.gedenkdienst.org/deutsch). In Shanghai kommen immer wieder spannende Gäste ans Zentrum – von Historikern bis zu Universitätsprofessoren verschiedenster Nationalitäten wie zB Aron Shai, der den Eisenberg-Lehrstuhl in Tel Aviv inne hat. Außerdem während des 2. Weltkriegs geborene jüdische Flüchtlinge, die oft zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert ihre Geburtsstadt besuchen. Besonders interessant sind die Treffen mit den diplomatischen Vertretern. So durfte ich bereits die Generalkonsuln von Italien (Massimo Roscigno), Deutschland (Dr.Albrecht von der Heyden), Israel (Jackie Eldan) und natürlich Österreich (Walter Kalteis) kennen lernen. Was vermissen Sie an Oberösterreich? Auch wenn ich mich in Shanghai pudelwohl fühle und mir vorstellen kann, hier für längere Zeit zu leben und zu arbeiten – vorausgesetzt meine Jobsuche nach dem Auslandsdienst verläuft erfolgreich – bestimmte Vorzüge lernt man erst fernab der Heimat schätzen, so zB hohe Lebensqualität, saubere Umwelt, Schönheit der Natur oder das leckere Essen. Ich freue mich schon sehr, wenn ich zu Weihnachten für einige Wochen zu Familie und Freunden nach OÖ zurückkehren kann.

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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