Im Dienst des Gedenkens, Auslandspresseschau

23.04.2001

Projekt Beschreibung

Auslandspresseschau 23. April 2001

Im  Dienst des Gedenkens

Bollettino della comunitá ebraica di Milano, April 2001

Maurizio Ghiretti berichtet über die erste Entsendung von österreichischen Zivildienern nach Italien, um an einer Gedenkstätte in Mailand zu arbeiten. Zunächst werden jedoch die Anstrengungen der früheren Regierung unter Bundeskanzler Vranitzky, aber auch der gegenwärtigen blau-schwarzen Regierung gelobt, Mitverantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus zu übernehmen: „Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat die überwiegende Mehrheit der Österreicher über 40 Jahre lang jede Verantwortung für die nazionalsozialistischen Verbrechen abgelehnt und es bevorzugt, sich im beruhigenden Mythos von Österreich als „erstem Opfer“ des Nazi-Regimes zu wiegen. In den 80er Jahren begannen in der öffentlichen Meinung der Österreicher jedoch Zweifel aufzukommen; einige, die hinterfragten, ob die Dinge tatsächlich so gelaufen sind wie dies die öffentlichen Quellen darstellten und wie viele gerne glaubten, leiteten eine gründliche Überprüfung der Vergangenheit ein. Dank einiger Personen, die die Suche nach der Wahrheit dem ruhmvollen Nationalmythos vorzogen, erhoben sich kritische Stimmen zur Verantwortung Österreichs – sowohl was die Bejahung des Nationalsozialismus als auch die von diesem begangenen Verbrechen betrifft. Die Wahl Waldheims zum Präsidenten im Jahr 1986 (die wegen dessen nationalsozialistischer Vergangenheit in der ganzen Welt kritisiert wurde) hat in den Menschen paradoxerweise eine größere Sensibilität erzeugt und auch die politische Führung des Landes gezwungen, die Beteiligung Österreichs an der Ermordung der Juden, der Roma und im allgemeinen die Legende von Österreich als Opfer der aggressiven deutschen Expansionspolitik objektiver zu betrachten. Diese Kursänderung hat in der Folge zur offiziellen Anerkennung der österreichischen Verantwortung von Seiten Bundeskanzler Vranitzkys geführt, der im Rahmen eines Israel-Besuches die Juden im Namen seines Volkes um Entschuldigung bat. Erst kürzlich wurde von der aktuellen Mitte-Rechts-Regierung (gegen die die westlichen Länder wegen der Allianz mit der Partei Jörg Haiders, des ausländerfeindlichen Kärntner Politikers, heftig protestierten) vorgesehen, die Überlebenden der Shoah zu entschädigen.“ Sodann wird auch das Engagement einzelner österreichischer Initiativen und Organisationen hervorgehoben: „Als Reaktion auf das Desinteresse an der Verantwortung für die Vergangenheit sind auch einige Organisationen entstanden, die eine kritischere Bewusstseinsbildung förderten und das heute unter den jüngeren Generationen fortsetzen. Eine dieser Organisationen, unter jenen, die sich am meisten dafür eingesetzt haben, Licht in die Vergangenheit zu bringen, ist der Verein für Dienste im Ausland, gegründet vom Innsbrucker Politologen Andreas Maislinger. Diesem Verein wurde von der österreichischen Regierung die Möglichkeit gegeben, Jugendliche, die anstelle des Militärdienstes einen 14monatigen Zivildienst im Ausland an Gedenkstätten zur Erinnerung an den Völkermord an den Juden leisten wollen, zu entsenden. Die jungen Österreicher, die sich für den Auslandsdienst entscheiden, können zwischen Sozialdienst, Friedensdienst und Gedenkdienst wählen. Derselbe Verein hat erreicht, daß das Mailänder Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea von der österreichischen Regierung ab November 1999 als Gedenkdienst-Stelle anerkannt wurde.“ Abschließend werden die ersten drei „Gedenkdiener“ aus Österreich in dem erwähnten Mailänder „Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea“ vorgestellt und ihnen für ihre Tätigkeit gedank

Projekt Details

  • Datum 5. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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