„Im Ausland wird man zum wahren Patrioten“ Gedenkdienst / Daniel Leithinger arbeitete im „Holocaust-Memorial“ von Detroit, Welser Rundschau

31.05.2001

Projekt Beschreibung

Welser Rundschau 31. Mai 2001 Gedenkdienst / Daniel Leithinger arbeitete im „Holocaust-Memorial“ von Detroit „Im Ausland wird man zum wahren Patrioten“ Es waren die 14 eindruckvollsten und zugleich wichtigsten Monate seines Lebens: Daniel Leithinger (20), Welser HTL-Absolvent, kehrte erst kürzlich aus Detroit (US) zurück, wo er im Holocaust-Memorial-Center einen Wehrersatzdienst leistete. 40 Stunden die Woche erledigte der Gedenkdiener gemeinesam mit einem Kollegen aus Linz die verschiedensten Aufgaben. Leithinger arbeitete im Archiv, betreute Besucher des Centers, war auch bei der Mitarbeit in der Holocaust-Forschungsabteilung eingesetzt und half bei der Erstellung von Lehrplänen für ein Schulungsprogramm. In der jüdischen Gemeinde von West-Bloomfield, einem Vorort Detroits, wurde der Oberösterreicher unerwartet herzlich aufgenommen: „Das Zusammentreffen mit KZ-Überlebenden war für mich eine der tollsten Erfahrungen. Alle waren mir gegenüber offen und keineswegs verbittert, wie ich eigentlich erwartet hatte.“ Seine Ankunft in den USA wurde überschattet von der Regierungsbildung in Österreich: „In den US-Medien wurde extrem einseitig darüber berichtet. Ich sah es als meine Aufgabe an, das Bild Österreichs zurechtzurücken, was allerdings nicht ganz einfach war. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man erst im Ausland zum wahren Patrioten wird“, gesteht der junge Mann, dessen Interesse für die Vernichtung der Juden in der NS-Zeit durch den geschichtsbewussten Vater geweckt wurde. Leithinger schloss in den USA auch viele Freundschaften. Etwa mit dem Mauthausen-Überlebenden Harry Weistein, der ihn einmal pro Woche zum „Schnapsen“ herausforderte. Blendend verstand sich der aus Eberstalzell stammende Lebensmitteltechniker auch mit dem Leiter des Memorials, Rabbi Charles M. Rosenzveig. Zum Abschluss seines Gedenkdienstes organisierte dieser eine private Abschiedsfeier. Leithinger erinnert sich: „Es war ein sehr emotionelles Fest. Alle waren so herzlich und aufgeschlossen. Die jüdische Gemeinde wird mir fehlen.“ Zivil- und Gedenkdienst im Ausland Der „Verein für Dienste im Ausland nach § 12b ZDG“ ist die größte derartige Organisation in Österreich mit mehr als 100 Auslandsdienststellen weltweit. Jeder Auslandsdiener erhält zur Finanzierung seiner laufenden Kosten ein Fixum von 10.000 Schilling. Weitere Informationen zu diesem Verein gibt es unter https://www.auslandsdienst.at

Projekt Details

  • Datum 5. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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