Gedenkstätte in Hitlers Geburtshaus, Freiheit und Recht

01.10.2001

Projekt Beschreibung

Salzburg prunkt mit Mozart, Wien ist das Mekka aller Siegmund Freud-Fans, Ansfelden kann sich damit brüsten, einen Anton Bruckner hervorgebracht zu haben. Jede mittelgroße Landgemeinde in Österreich ist auf irgend einen bedeutenden Abkömmling stolz. Nur Braunau nicht. Denn hier erblickte am 20. April 1889 mit Adolf Hitler der größte Verbrecher der Zeitgeschichte das Licht der Welt. Eine Hypothek, die immer noch das Image der Kleinstadt belastet. Sammelpunkt für Neonazis und Ewiggestrige ist das Geburtshaus des „Führers“ zwar nicht, wie Florian Kotanko, Vorsitzender des Braunauer „Vereins für Zeitgeschichte“ bestätigt, dennoch hat man es von Zeit zu Zeit mit sogenannten „Mauerspechten“ zu tun – Souvenirjägern, die Teile des Putzes mit nach Hause nehmen. Seit einiger Zeit befindet sich der Geburtsort Hitlers im Besitz des Innenministeriums, das die Räumlichkeiten an die „Volkshilfe“ vermietet. Etwa 40 Personen mit Behinderungen werden hier betreut und können in eigenen Werkstätten tätig sein. Haus der Verantwortung Andreas Maislinger vom „Verein für Dienste im Ausland“ hat mit der symbolträchtigen Adresse jedoch anderes vor. Er will hier ein „Haus der Verantwortung“ einrichten – „als bewusste Antithese zur Person Adolf Hitler“, wie er gegenüber der „Wiener Zeitung“ klarstellt. Zunächst wollte der engagierte Politologe ein „Archiv der österreichischen Täter“ errichten, verwarf die Idee jedoch, „um eine weitere Stigmatisierung Braunaus zu verhindern“. Das 600 m² umfassende Objekt will Maislinger auf drei Ebenen nutzen: Im Erdgeschoss soll der Gedenkdienst, im zweiten Stock der Sozialdienst und im dritten Stock der Friedensdienst beheimatet sein. Drei Dimensionen Die drei räumlichen Ebenen würden dadurch optimal mit den zeitlichen Dimensionen Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft verbunden, ist Maislinger überzeugt. Bereits seit einigen Jahren wirken österreichische Jugendliche, die ihren Präsenzdienst weder beim Bundesheer, noch im Rahmen des konventionellen Zivildienstes ableisten wollen, als Gedenk-, Sozial- und Friedensdiener im Ausland. Jetzt könnten sie mit Hitlers Geburtshaus ein gut ausgestattetes „Hauptquartier“ bekommen.

Projekt Details

  • Datum 3. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2001

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