„Gedenkdienst“ in Finanzkrise, Der Standard

06.05.1995

Projekt Beschreibung

Der Standard 6./7. Mai 1995

„Gedenkdienst“ in Finanzkrise

Projekt praktischer Vergangenheitsbewältigung existentiell gefährdet

Wann immer in den letzten Jahren Bundespräsident oder -kanzler im Ausland Gedenkstätten des Holocaust besuchten, traten ihnen junge, dort im freiwilligen Einsatz tätige Österreicher entgegen. Ob in Yad Vashem, im ehemaligen KZ Auschwitz, im Washingtoner Holocaust Museum oder im Amsterdamer Anne-Frank-Haus – an neun Orten des Gedenkens repräsentierten Zivildiener mit enorm positivem Echo ein seiner Verantwortung für die Vergangenheit bewußtes Österreich. Diese Woche alarmierte der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger (40), der Initiator des „Gedenkdienstes“, Innenminister Caspar Einem. Wenn die bereits zugesagte Unterstützung nicht zustande käme, müsse das Projekt umgehend beendet werden. Seit September 1992 wurden von Maislinger 16 „Gedenkdiener“ (darunter 2 Frauen) ausgewählt und vorbereitet. Für die Männer finanzierte das Innenministerium den zwölfmonatigen Einsatz mit je 100.000 Schilling. Mittlerweile ist die dem Zivildienst entsprechende Dienstdauer auf 14 Monate angehoben worden; die Subvention sank auf 90.000 Schilling. Die Hoffnung, ein fixer Budgetposten zu werden, habe sich nicht erfüllt – und nun hängt das Projekt völlig in der Luft. Dabei hat Maislinger, dessen eigener Freiwilligen-Einsatz in Auschwitz im Jahre 1980 noch nicht als Wehrdienst anerkannt wurde, inzwischen auch Skeptiker überzeugt. So schrieb ihm Altbundespräsident Rudolf Kirchschläger kürzlich, daß der Gedenkdienst „fruchtbringenderer und wohl auch heilbringender geworden ist, als ich es mir seinerzeit vorgestellt habe“.

Projekt Details

  • Datum 23. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1995

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