Gedenkdiener in New York, Kurier

03.01.1997

Projekt Beschreibung

Gedenkdiener in New York

Innsbrucker Politologe schuf bemerkenswerte Form des Zivildienstes

Zivildienst in ausländischen Holocaust-Gedenkstätten – das ist ein Projekt, das sich „Gedenkdienst“ nennt und eine noch relativ unbekannte Möglichkeit ist, Zivildienst .zu leisten. Die Idee stammt vom Innsbrucker Politologen Andreas Maislinger und wurde 1992 erstmals realisiert. Inzwischen interessieren sich immer mehr junge Leute für diesen 14 monatigen Ersatzdienst. Der Andrang ist größer als die Zahl der freien Stellen. Ab heuer kann auch in Österreich „Gedenkdienst“ geleistet werden. Die Anforderungen sind sehr hoch, die Auswahlkriterien streng: Die Gedenkstättenbewerber müssen Seminare besuchen, perfekte Fremdsprachenkenntnisse vorweisen und viel Engagement und Idealismus mitbringen. Die jungen Männer bekommen zwar vom österreichischen Innenministerium 120.000 Schilling Unterstützung, das reicht aber nicht aus, um 14 Monate in New York oder Berlin leben zu können. Viele arbeiten daher vorher, um sich ihren „Gedenkdienst“ finanzieren zu können. In diesem Engagement sehen die jungen Leute eine Chance und eine Herausforderung. Sie können Auslandserfahrung machen, setzen sich mit österreichischer Geschichte auseinander, übernehmen Verantwortung. „Sie durchlaufen einen sehr großen Reifungsprozeß“, so Maislinger über seine Gedenkdiener. Zirka 20 Stellen in 12 Ländern werden heuer nachbesetzt. Die Einsatzstellen sind unter anderem in Polen, Jerusalem, Amsterdam oder New York. Die Tätigkeiten reichen von Archivarbeiten, wissenschaftlichen Publikationen bis zu Museumsführungen. Ab heuer gibt es erstmals auch in Österreich zwei als Zivildienst anrechenbare Dienststellen. Eine im Gedenkdienstbüro in Braunau,eine in der Integrationsinitiative ESRA in Wien. Einen großen Schritt vorwärts ist man im Verein Gedenkdienst nun auch inbezug auf die Finanzierung gekommen. „Bisher arbeiteten wir auf Betteldienstbasis“, so Maislinger, der nun selbst drei Jahre unentgeltlich gearbeitet hat. Vor wenigen Tagen wurde das Zivildienstgesetz neu beschlossen. Jetzt wird es zumindest für die Verwaltung einen Zuschuß vom Innenministerium geben

Projekt Details

  • Datum 28. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1997

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