„Es spielt keine Rolle, ob ich verletzt oder getötet werde“, Kurier

09.10.2000

Projekt Beschreibung

„Es spielt keine Rolle, ob ich verletzt oder getötet werde“ Bilal Salameh, 23, ist täglich bei den Konfrontationen dabei. Er ist palästinensischer Flüchtling und lebt im größten Flüchtlingscamp in Betlehem. Bilal studiert Soziologie und Psychologie an der Betlehemer Universität. Ich bin nicht religiös, ich glaube nicht an Gott. Aber ich glaube an das Leben. Jeder, der an das Leben glaubt, muss daran arbeiten, es für die Menschen zu verbessern. In diesem Sinn beteilige ich mich an Aktionen, die Druck auf Israel ausüben, unter dessen Okkupation ich lebe. Um die Rechte meines Volkes zu verteidigen, ist es nicht wichtig, ob ich verletzt oder sogar getötet werde. Es spielt keine Rolle, wenn dafür die nächste Generation eine Atmosphäre vorfindet, in der sie sich frei bewegen kann, in der sie Arbeit findet. Ich will Frieden. Aber es kann keinen Frieden geben, wenn unsere im Völkerrecht verankerten Rechte nicht beachtet werden. Israel hat die Städte unter palästinensischer Hoheit durch Kontrollpunkte voneinander abgeriegelt. Man braucht eine spezielle Erlaubnis, um von einem Gebiet in das andere zu fahren. An diesen Kontrollpunkten wird man überprüft, befragt und wie ein Tier behandelt. Wir müssen gegen diese Art der Okkupation etwas tun. In der Vergangenheit habe ich geglaubt, dass der Friedensprozess unsere Lage verbessern wird, doch er gesteht uns in keiner Weise unsere Rechte zu. Wir protestieren gegen die Art, wie wir behandelt wurden und behandelt werden, nicht nur für unsere Rechte in Jerusalem. Die meisten Menschen, die in den Protesten getötet wurden, waren Kinder und Jugendliche. Wie kann man rechtfertigen, dass Kinder erschossen werden? Es macht keinen Unterschied, ob dieses Kind mit Steinen geworfen hat. Es ist ein Kind, und nichts rechtfertigt, auf seinen Kopf oder sein Herz zu zielen. Hätten israelische Soldaten nicht so bereitwillig geschossen, wäre die Situation nicht so eskaliert. Wir protestieren normalerweise friedlich für unsere Rechte, oder, indem wir Steine werfen. Weil israelische Soldaten schießen, um zu töten, und nicht, um protestierende Menschen zu vertreiben, beginnen Palästinenser, ihre Waffen in diesem Konflikt einzusetzen. Jesus hat gesagt: „Wenn man dir auf die eine Wange schlägt, dann halte auch die andere hin.“ Ich glaube, so verhalten sich nur Sklaven. Andererseits erzeugt Gewalt neues Blutvergießen, mehr Tote. Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich möchte nur Frieden: Einen Frieden, der mir es ermöglicht, mich in meiner Heimat sicher zu fühlen. Ich hasse die israelischen Soldaten nicht, weil sie israelische Soldaten sind. Ich würde vielleicht meinen Vater genauso hassen, wenn er mich unterdrücken würde. Die israelischen Soldaten haben ihren Auftrag, den sie ausführen müssen. Aber sie sollten nachdenken über das, was sie tun, wenn sie Kindern in den Kopf schießen. Clemens Hlauschek, österreichischer Friedensdiener in Betlehem, hat diese Gedanken für den KURIER aufgezeichnet. read whole Interview [german]

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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