„Es ist eine Wiedergutmachung, die ich für Österreich leiste“, Salzburger Nachrichten

04.05.2000

Projekt Beschreibung

 
Salzburger Nachrichten 4. Mai 2000

„Es ist eine Wiedergutmachung, die ich für Österreich leiste“

Statt Soldat zu sein, arbeitet der Salzburger Roman Kopetzky im Holocaust-Museum von Washington

SALZBURG-STADT, WASHINGTON D.C. (SN-sab). Sie sei nicht immer einfach, die Arbeit im Holocaust-Museum, sagt Roman Kopetzky. „Es ist ein sensibler Bereich, in dem ich mich hier bewege.“ Noch einmal vor die Wahl gestellt, würde der 24-Jährige aus Salzburg-Stadt dem Soldatentum beim österreichischen Bundesheer dennoch wieder den Gedenkdienst vorziehen. Kopetzky: „Ich meine, dass es eine sinnvolle Arbeit ist, eine Art Wiedergutmachung an Opfern des Nationalsozialismus, die ich für die Republik Österreich leiste.“Das „United States Holocaust Memorial Museum“ in Washington D.C. ist vor sieben Jahren, im April 1993, eröffnet worden. 13,4 Millionen Menschen haben das Haus bis zum Februar dieses Jahres besucht. Jeden Tag kommen durchschnittlich „2000 bis 3000“, weiß Kopetzky. „Aus allen Ländern der Erde, Juden und Nicht-Juden.Viele haben in ihrer Familie Schreckliches erlebt, viele sind ziemlich geschockt, wenn sie hier hereinkommen und die Dokumentation sehen.“ Die Dokumentation über die Vernichtung der Juden im Dritten Reich ist eine Dauerausstellung, die von immer wieder wechselnden Spezial-Ausstellungen ergänzt wird. Besuchern sind darüber hinaus die Archive in der Bibliothek des Museums, im „Wexner Learning Center“ mit Filmen, Fotografien und Originaltönen von Zeitzeugen sowie das „Survivors Registry“ mit Namenslisten von Überlebenden geöffnet. Mit der „Hall of Remembrance“ und der „Wall of Remembrance“ gedenken die USA der Holocaust-Opfer.Österreichs Gedenkdiener Roman Kopetzky ist 40 Stunden die Woche im Museum unterwegs. An den Wochenenden betreut er jüdische Flüchtlinge vor dem NS-Regime. Als sechster Österreicher in Folge sei er zu einer „politisch sehr schwierigen Zeit“ gekommen, sagt er. „Ich bin immer wieder mit der Aussage konfrontiert worden, dass es traurig ist, mitanzusehen, welche Politiker jetzt bei uns in der Regierung sind.“ Er habe versucht, um Verständnis für die Österreicher zu werben. Im Sommer schult der Salzburger seinen Nachfolger ein, im Herbst wird nach 14 Monaten sein Einsatz für den „Verein Gedenkdienst“ zu Ende sein.

Projekt Details

  • Datum 2. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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