Ersatz für den Ersatzdienst fehlt, derStandard.at

30.08.2012

Projekt Beschreibung

derStandard.at, 30.08.2012

Ersatz für den Ersatzdienst fehlt

Mit dem verpflichtenden Grundwehrdienst würde auch der Wehrersatzdienst fallen: Die Trägerorganisationen werden daher zu Verbündeten der Befürworter der Wehrpflicht

Wien – Das in der Entwicklungszusammenarbeit tätige katholische Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ hegt vor dem Hintergrund der Wehrpflichtdebatte Sorge über die Zukunft der Auslandsdienste. Die Organisation ist eine von österreichweit 25 Trägerorganisationen, die Zivildienstpflichtigen zwölfmonatige Einsätze im Ausland – als Gedenk-, Friedens– oder Auslandsdienst – vermitteln, die als Zivildienstleistung angerechnet werden. Mit „Jugend Eine Welt“ sind jährlich etwa 20 junge Männer in der Entwicklungshilfe tätig. Was aus derartigen Auslandseinsätzen werden soll, ist völlig unklar. Sozialminister Rudolf Hundstorfer hat ja vorgeschlagen, jährlich 6000 Menschen aller Altersstufen für ein „freiwilliges soziales Jahr“ anwerben zu wollen. Allerdings sollen diese Hilfskräfte nur in inländischen Hilfsorganisationen tätig sein und dafür 1300 Euro bekommen. Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Herbert Buchinger, hält Hundstorfers Pläne überhaupt für verfehlt: „Warum macht man das nicht mit einem normalen Arbeitsvertrag?“ Ein „freiwilliges soziales Jahr“ dürfe jedenfalls nicht aus der Arbeitslosenversicherung finanziert werden, dafür hätten die Beitragszahler kein Verständnis. Kritik übte auch die Johanniter-Unfallhilfe: Sie nützt bisher die Zivildiener, um unter ihnen spätere ehrenamtliche Mitarbeiter anzuwerben. Gibt es keine Zivildiener mehr, schrumpft auch die Zahl der Ehrenamtlichen. Ohne Zivildiener und Ehrenamtliche seien die Kapazitäten im Rettungsdienst und Krankentransport nicht mehr aufrechtzuerhalten, sagen die Johanniter. Die FPÖ sieht in der Abschaffung des Zivildienstes überhaupt einen Anschlag auf die Zivilgesellschaft. Das BZÖ dagegen hält es für geboten, den „Zwangs-Zividienst“ abzuschaffen.

Pilz will Einberufungsstopp

Angesichts der anstehenden Volksbefragung verlangt der Grüne Peter Pilz von Norbert Darabos (SPÖ) das Aussetzen der Wehrpflicht, konkret seien jetzt schon für 2013 alle Einberufungen abzusagen. Pilz begrüßt zwar das Plebiszit, zerpflückte am Donnerstag aber das Berufsheer-Modell des Verteidigungsministers. Für den Grünen braucht die künftige Armee bloß 5000 Leute, inklusive Verwaltung, Zentralstelle und Nachrichtendienste. Der Minister sieht 8500 Berufssoldaten, 7000 Zeitsoldaten, 6500 Zivilbedienstete sowie 9300 Milizionäre vor. Wenn bei der Befragung über das Darabos-Modell abgestimmt würde, hätte man nur „die Wahl zwischen Pest und Cholera“, findet Pilz. Wie die ÖVP pocht auch der Grüne auf eine Ja/Nein-Frage zur Wehrpflicht, allerdings dürfe dazu keine Frage nach dem Zivildienst drangehängt werden, denn: „Das wäre verfassungsrechtlicher Unfug.“ Die ÖVP pocht nicht nur auf die Einbeziehung des Zivildienstes in die Fragestellung, sie sieht auch die Öffentlichkeit durch den Minister getäuscht: „Fast schon wöchentlich präsentiert Darabos neue Zahlen, und immer wird das Berufsheer eine Spur günstiger und geschönter“, klagt ÖVP-Wehrsprecher Oswald Klikovits. (red, APA, DER STANDARD, 31.8.2012) Link: http://derstandard.at/1345165701251/Ersatz-fuer-den-Ersatzdienst-fehlt

Projekt Details

  • Datum 12. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2012

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