Einem: „Vergangenheit nicht länger unter Tuchent halten“, Sozialdemokratische Korrespondenz, 12.02.2004

12.02.2004

Projekt Beschreibung

Einem: „Vergangenheit nicht länger unter Tuchent halten“ Wien (SK) „Es war nicht länger möglich, die Vergangenheit, auch unsere, unter einer Tuchent zu halten“, unterstrich BSA-Präsident Caspar Einem im Rahmen der BSA-Veranstaltungsreihe „Der Wille zum aufrechten Gang“ einer Diskussion zum Thema „Gedenkdienst: Zivildiener auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem Schlussstrich“. Zivildiener, die ihren Dienst in Form eines 14-monatigen Gedenkdienstes an Stätten der Erinnerung an Vertreibung und Ermordung während der Naziherrschaft geleistet haben, berichteten am Mittwoch über ihre Motivation und ihre Erfahrungen. Außerdem nahm an der Veranstaltung Christian Klösch, Historiker und Obmann des Vereins Gedenkdienst teil, die Moderation übernahm Univ.Prof. Dr. Andreas Schwarcz. **** „Der BSA war der Meinung, dass wir uns auch mit der Geschichte nach 1945 beschäftigen müssen“, erklärte Einem. Die Veranstaltungsreihe „Der Wille zum aufrechten Gang“, solle dazu beitragen. Hintergrund ist der Historikerbericht über „die Rolle des BSA bei der Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten“, der Zwischenbericht dieser DÖW-Studie wurde im Jänner vorgestellt, der Endbericht wird voraussichtlich im Juni vorliegen und zur Gänze präsentiert werden. Der Verein Gedenkdienst wurde 1992 gegründet. Eine Gesetzesnovelle zum Zivildienst ermöglichte den Auslandszivildienst an Holocaust-Gedenk- und Forschungsstätten (in Theresienstadt, Yad Vashem, Anne Frank-Haus, U.S. Holocaust Memorial Museum, etc.), an Stätten der Begegnung (Internationale Jugendbegnungsstätte in Oswiecim, Auschwitz) sowie in sozialen Einrichtungen, die im Kontext der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zu sehen sind (Elternheim in Tel Aviv). „Der Gedenkdienst ist als Signal Österreichs an jüdische Organisationen gedacht“, so Klösch. Es sei wichtig, dass sich die Gesellschaft der NS-Vergangenheit stellt und junge Leute einen Beitrag zum Gedenken leisten, unterstrich Klösch. Mittlerweile wird auch der europäische Freiweilligendienst für Frauen verstärkt ausgebaut. Die Gedenkdiener arbeiten in drei Bereichen, erklärte Klösch: Gedenkdiener sind in der Holocaust-Education, betreiben wissenschaftliche Hilfstätigkeiten und arbeiten für Institutionen, die den direkten Kontakt zu Holocaustüberlebenden pflegen. „Der Gedenkdienst sieht sich nicht als reine Entsendeorganisation, die Erfahrung hat vielmehr gezeigt, dass die Freiwilligen mit sehr viel Kompetenzen zurückkehren, betonte Klösch, der im Rahmen der Abendveranstaltung auch den „Gedenkdienstfilm“ von Niko Mayr zeigte, der vier Gedenkdienstleistende bei ihrer Arbeit begleitet hat. Caspar Einem stellte den anwesenden Gedenkdienern die Frage, was sie dazu veranlasst habe, diesen langen und wirtschaftlich nicht sehr einfachen Weg des Gedenkdienstes zu gehen. Für Günther Sturm, der seinen Gedenkdienst in Westerbork geleistet hat, hat sich die Einsicht in die Welt der Opfer geändert. „Durch den Kontakt zu den Menschen habe ich erkannt, dass Andersein ein wesentliches Menschenrecht ist“, so Sturm. Von essentieller Bedeutung sei die Beschäftigung mit Einzelschicksalen, außerdem sei er als internationale Person nach Österreich zurückgekehrt. Stefan Schmid arbeitete in der pädagogischen Abteilung der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz und entschloss sich noch während seines Aufenthaltes Geschichte zu studieren: „Verhindern, dass so etwas noch einmal passiert“, so sein Motto. Gregor Ribarov, der im Anne Frank Zentrum Berlin Gedenkdienstleistender war, erklärte seine Motivation folgendermaßen: „Man muss die Erinnerung an die Zeit damals mit einer Brücke in die Zeit heute verbinden“. Für ihn liegt die Wahrheit darin, zu erkennen, dass die Geschehnisse damals nicht einfach so passiert sind, sondern dahinter Entscheidungen liegen, dass es aber nicht immer nur eine Entscheidung gibt, sondern Alternativen.   Der BSA setzt seine Veranstaltungsreihe „Der Wille zum aufrechten Gang“ am 18.03.2004 mit der Veranstaltung „Mut zur Möglichkeit“ – „Hans Reif und die Rückarisierung von Kritzendorf fort, am 21.04.2004 berichten Leon Zelmann und Caspar Einem zum Thema „Die Idee des Hauses der Toleranz“ und am 12.05. findet die Abschlussveranstaltung „Vergessen, verurteilen – oder Wahrheit suchen?“ statt, wo Alfred Gusenbauer und ein Vertreter Südafrikas, sowie andere, die Frage diskutieren, wie man nach einem Regimewechsel mit den durch das vergangene Regime Kompromittierten umgehen kann oder soll. (Schluss) sk Rückfragehinweis: Pressedienst der SPÖ Tel.: (++43-1) 53427-275 http://www.spoe.at

Projekt Details

  • Datum 17. September 2016
  • Tags Pressearchiv 2004

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