Einem Obmann zum Gedenken, Kurier

05.12.1997

Projekt Beschreibung

Einem Obmann zum Gedenken

Gedenkdienstgründer Maislinger gründet Konkurrenzinstitution – Der alte Verein ist dabei, sich zu konsolidieren

Fast hätten interne Querelen dem Verein Gedenkdienst im heurigen Sommer das Genick gebrochen. Zivildiener, die einen Dienst an einer Holocaust-Gedenkstätte leisteten, drohten kein Geld mehr zu bekommen. Nur durch eine Überbrückungsfinanzierung konnte der Betrieb aufrechterhalten werden. Ursache der finanziellen Turbulenzen und gleichzeitig Höhepunkt eines langwierigen Streites war die Abwahl des Vereinsgründers Andreas Maislinger Anfang Juni. Maislinger trat zurück, focht kurz darauf seine Abwahl an und hielt sich nicht zurück, Schmutz auf seinen Nachfolger als Obmann, den 26jährigen Medizinstudenten Sascha Kellner aus Wien, zu werfen. Bei der Generalversammlung des Vereins wurde am vergangenen Wochenende ein Schlußstrich unter dieses Kapitel gezogen. Allerdings nur von Kellner und den anderen Mitgliedern. Nicht so vom Innsbrucker Politologen Maislinger. Der will nämlich eine „Konkurrenzeinrichtung“ gründen und schießt gleichzeitig weiter gegen den jetzigen Vorstand des Vereins Gedenkdienst. »Wir prüfen rechtliche Schritte gegen Maislinger. Teilweise wurden sie auch schon eingeleitet“ – Sascha Kellner Der habe aus seinem unpolitischen Verein eine Sozialistische Jugend gemacht. Vom jetzigen Obmann zeigt sich Maislinger enttäuscht: „Ich hatte ihn eigentlich als meinen Nachfolger vorgesehen Er wollte halt nicht so lange warten und hat ihn gleich übernommen. Jetzt braucht er nicht fertig studieren und ist auch so was geworden.“ Diese und andere Anschuldigungen will der Verein Gedenkdienst nicht auf sich sitzenlassen. Kellner: „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen Maislinger. Teilweise wurden sie auch schon eingeleitet“ Prinzipiell hat der Verein aber andere Sorgen. Kellner: „Wir müssen momentan absolutes Krisenmanagement betreiben. Der Verein steht am Rande des Abgrundes.“ Trotzdem ist man optimistisch, die lange Zeit gelähmte Maschinerie wieder in Gang zu bringen: „Noch im Dezember wollen wir die Abrechnung für den alten Jahrgang der Gedenkdiener legen.“ Wenn das geregelt ist, kann man dann wieder eine Entsendeberechtigung beantragen, die dem Verein zwischenzeitlich entzogen wurde.“ Auch beim Innenministerium ist man zuversichtlich, daß die neue Führung wieder geregelte Verhältnisse herstellen wird. Einer der zuständigen führenden Beamten im Kabinett Schlögl: „Aus meiner Sicht steht der Verein wieder auf Beinen. Es müßte jetzt alles wieder in geordneten Bahnen gehen.“ Was den „Konkurrenz-Gedenkdienst“ angeht, nimmt es Sascha Kellner gelassen, auch wenn es ihm unverständlich ist“Aus meiner Sicht kann es ja nicht sein, daß der Maislinger einen Verein ruiniert, hinausgeworfen wird und dann einfach einen neuen gründet.“

Projekt Details

  • Datum 27. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1997

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

nach oben