Eine ungewöhnliche Zivildienstinitiative startet, UniPress Salzburg, 22.06.2003

22.06.2016

Projekt Beschreibung

UniPress Salzburg 22. Juni 2003 Der Auslandsdienst „Eine ungewöhnliche Zivildienstinitiative startet […] Seit Jahresbeginn ist es möglich, den Zivildienst in ausländischen Gedenkstätten abzuleisten,“ so wunderte sich am 20. März 1992 der Standard. Das ist lange her. Inzwischen hat sich unter Österreichs Zivildienstpflichtigen herumgesprochen, dass sie der „ungewöhnlichen Initiative“ von damals eine Möglichkeit verdanken, die außer ihnen sonst nur die Deutschen haben – nämlich die Möglichkeit, einen Ersatzdienst im Ausland zu leisten und ihre lästige Pflicht in eine ehrenvolle Verpflichtung zu verwandeln, die zu erfüllen für sie so herausfordernd wie wertvoll sein kann! Diese Möglichkeit ist auf eine Initiative des Salzburger Politologen Dr. Andreas Maislinger zurückzuführen. Er arbeitete 1980/81 als Freiwilliger für die westdeutsche „Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste“ im Museum des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, verweigerte zugleich den Zivildienst in Österreich und forderte die Einrichtung eines ähnlichen Dienstes auch in unserem Land als Ersatz für den ordentlichen Zivildienst. Der Gedenkdienst, der am Beginn des Auslandsdienstes stand, sollte österreichischen Zivildienern die Möglichkeit geben, sich an der Vergangenheitsaufarbeitung zu beteiligen, um, in den Worten Franz Vranitzkys (1993 in Jerusalem), für ein „Nie wieder!“ zu kämpfen. Der 1998 von Maislinger gegründete Verein für Dienste im Ausland ist ein vom Innenministerium offiziell anerkannter Trägerverein, dem es erlaubt ist, junge Österreicher für ihren Ersatzdienst in den drei Sparten Gedenk-, Sozial- und Friedensdienst ins Ausland zu entsenden. Er besitzt mittlerweile Kontakte zu den verschiedensten Gedenkdienststellen in Europa, Nordamerika und Asien. Die vierzehnmonatige Arbeit der Gedenkdiener ist sehr breit angelegt und wird von den jeweiligen Arbeitgebern bestimmt. Beim Sozialdienst geht es um humanitäre und wirtschaftliche Hilfe in den entsprechenden Staaten in Südamerika, Afrika und Asien, aber auch in Europa. Wiederum sind hier die Aufgaben sehr verteilt. Derzeitige Auslandsposten sind zum Beispiel in Guatemala, wo die Betreuung von Straßenkindern gefragt ist, oder die jüdische Gemeinde in Prag, wo es gilt, bei der Pflege und Betreuung von Holocaust-Überlebenden mitzuhelfen. Unser dritter Zweig, der Friedensdienst beschäftigt sich mit friedensstiftenden und friedenssichernden Arbeiten in Kriegs- oder Krisengebieten, zum Beispiel in Israel. In allen drei Zweigen existiert der Verein nur durch die freiwillige Mitarbeit seiner Mitglieder. Doch der Verein für Dienste im Ausland ist nicht nur das Sprungbrett, von dem der angehende Auslandsdiener in seinen Gedenk-, Sozial- oder Friedensdienst springt. Ebenso organisiert er Seminare wie das diesen Sommer zum dritten Mal stattfindende Gedenkdienstseminar in Südpolen, an dem natürlich auch teilnehmen kann, wer keinen Gedenkdienst zu leisten beabsichtigt. Dabei steht das Wecken von Bewusstsein für Geschichte, im besonderen für Zeitgeschichte und für die Rolle, die Österreicher in ihr gespielt haben, im Mittelpunkt aller Aktivitäten. So bemüht sich die Initiative der „Gerechten“ darum, die schwache Erinnerung an die gar nicht so wenigen Österreicher, die in der NS-Zeit gegen das herrschende Unrecht auftraten, wieder aufzufrischen oder in vielen Fällen gar erst zu wecken.

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2003

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