Ein Beitrag für „nie wieder“, Tiroler Tageszeitung

05.07.2009

Projekt Beschreibung

Nach den Vorfällen in Mauthausen und Ebensee blickte die halbe Welt besorgt auf die heimische Jugend. Der 19-jährige Peter Seiringer repräsentiert das andere junge Österreich: Er ist der erste Gedenkdiener im Jüdischen Museum in München. Ein Beitrag für „nie wieder“
Houston, München – Als Peter Seiringer mit seiner Familie von Oberösterreich nach Innsbruck zog, war er erst drei Jahre alt. Doch auch wenn er in Tirol aufwuchs, hat ihn seine Herkunft geprägt – ein Teil seiner Familie stammt aus Mauthausen. Immer wieder besuchte er das Konzentrationslager und dabei fragte er sich jedes Mal von Neuem, wie Menschen anderen das antun können. „Als Österreicher wollte ich etwas dazu beitragen, dass diese Zeit niemals in Vergessenheit gerät.“ Der Gedenkdienst war eine Gelegenheit, diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Sein Beitrag, sich für „nie wieder“ einzusetzen. „Es gibt Handlungsbedarf“ „Außerdem ist es mir wichtig, vor allem jungen Menschen zu zeigen, wie fatal es sein kann, wenn Hass und Rassismus ausarten. Die Ereignisse der letzten Monate in Österreich zeigten, dass es Handlungsbedarf gibt, so der 19-Jährige. Peter Seiringer ist der erste Gedenkdiener im Jüdischen Museum in München, zuvor arbeitete er einige Wochen im Holocaust Museum in Houston, Texas. Der Auslandsdienst ist neben dem Militär- und dem Zivildienst die dritte Möglichkeit, der Republik Österreich zu dienen. Dabei können junge Österreicher ein Jahr lang Erfahrungen im Ausland sammeln. Dem Innsbrucker ist bewusst, dass er in seiner Funktion als Gedenkdiener sein Land repräsentiert. „Wir sind kleine Botschafter von Österreich“. Seine Herkunft war vor allem im Holocuast Museum in Houston ein Thema. „Dass sich ein junger Österreicher für dieses Projekt engagiert, wurde jedenfalls sehr positiv aufgenommen“. Toleranz durch andere Der Tiroler hat sich schon immer für die „so lebendige jüdische Kultur“ interessiert. „Meiner Meinung nach werden wir, wenn wir andere Kulturen näher kennen lernen, toleranter und aufgeschlossener gegenüber unseren Mitmenschen.“ Und das wiederum führe zu einem friedlicheren Zusammenleben. Im Museum begegnet Peter Seiringer Menschen aus aller Welt. Er führt sie durch Ausstellungen oder hilft selbst beim Aufbau. „Mir ist wichtig, dass die Besucher fühlen, dass Judentum mehr ist als Holocaust.“ Denn der sei nicht Teil der jüdischen Kultur, sondern der deutschen Misskultur. Gedenkdienst Alternative zum österreichischen Wehrdienst: 1991 wurde der Gedenkdienst auf Initiative des Innsbrucker Politologen Andreas Maislinger als Alternative zum Wehrdienst zugelassen. Weltweit einzigartiges Netzwerk für Holocaust Gedenkstätten und Museen. Seit 1992 haben über 100 Gedenkdiener an Holocaust-Gedenkstätten mitgearbeitet und die Geschichte des Holocaust aufgearbeitet, anstatt daheim einen Wehrdienst zu leisten.

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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