Ebenseer setzt Zeichen gegen Rassismus, Sonntagsrundschau

17.05.2009

Projekt Beschreibung

Thomas Böhler arbeitet in der Toskana als Gedenkdiener. Über die Neonazi-Aktion in seinem Heimatort ist er schockiert. Ebenseer setzt Zeichen gegen Rassismus
Julia Langeneder EBENSEE – „Es ist eine Verhöhnung für die Überlebenden und auch für die Angehörigen von KZ-Opfern, die an die Stätten fahren, um ihrer Lieben zu gedenken“, zeigt sich Thomas Böhler entsetzt über die Neonazi-Störaktionen voriges Wochenende im ehemaligen KZ Ebensee. Der 19-jährige Ebenseer leistet seit September in der toskanischen Stadt Prato seinen Gedenkdienst. Gedenkdienst bedeutet, dass man im Rahmen des Zivildienstes in einer Einrichtung arbeitet, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftigt. Partnerschaft des Friedens Ebensee und Prato sind seit 20 Jahren Städtepartner. Die Partnerschaft des Friedens beruht auf der gemeinsamen Vergangenheit beider Orte. Infolge eines Generalstreiks im März 1944 waren tausende Italiener – darunter auch mehr als hundert Prateser – ins KZ Mauthausen und später ins Nebenlager Ebensee deportiert worden. Auf Initiative einiger weniger Überlebender wurde in den 1980er-Jahren die Städtepartnerschaft besiegelt. Um der Aufarbeitung jener Zeit gerecht zu werden, wurden das Zeitschichte Museum in Ebensee sowie das „Museo della Deportazione e Resistenza“ (Deportations- und Widerstandsmuseum) in Prato gegründet. Nach einem Besuch dieser Einrichtung kam Thomas Böhler die Idee, dort seinen Zivildienst zu leisten. Seine Bemühungen, das Museum als Stelle für einen Auslandszivildienst aufzubauen, waren erfolgreich. Nun ist der Ebenseer der erste österreichische Gedenkdiener in Prato. Nachfolger gesucht Seine Aufgaben reichen von Führungen italienischer Schulklassen bis zu Übersetzungen, etwa von Zeitzeugenberichten. In jüngster Zeit hat er auch viele Presseaussendungen an italienische Medien geschickt, da er mit der (teilweise falschen) Berichterstattung nicht einverstanden war. „Gerade als junger Mensch ist es meiner Meinung nach wichtig, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen“, ist Thomas Böhler überzeugt. „In diesem Sinne sehe ich meinen Einsatz – ohne meine Arbeit überschätzen zu wollen – als einen Beitrag zu mehr Toleranz.“ Ende August wird er wieder nach Österreich zurückkehren, um ab Herbst Politikwissenschafen und Transkulturelle Kommunikation zu studieren. Als Berufsziel schwebt ihm eine Diplomaten-Laufbahn vor. Ab März 2010 wird noch ein Nachfolger für die Arbeit in Prato gesucht. Informationen gibt’s beim Österreichischen Gedenkdienst im Internet unter: www.gedenkdienst.org

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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