Der Standard – 22. April 2002 / Erinnerung als patriotischer Dienst

22.04.2002

Projekt Beschreibung

Erinnerung als patriotischer Dienst Zehn Jahre Gedenkdienst im Ausland – 650 Osterreicher im Einsatz Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin Zum Wochenende fand sich eine ungewöhnliche Runde in der österreichischen Botschaft in Berlin ein: Vertreter von jüdischen Einrichtungen, NS-Mahnstätten und junge Österreicher. Gefeiert wurde das zehnjährige Bestehen des Gedenkdienstes, der Möglichkeit, Zivildienst im Ausland zu leisten. Drei Organisationen – Niemals Vergessen, Gedenkdienst und Verein fur den Dienst im Ausland – bieten Mitarbeit bei Statten, die an die Gräuel der Vergangenheit erinnern, an. Derzeit sind in Deutschland elf im Einsatz, weltweit haben bisher 650 diese Möglichkeit genutzt. Markus Lutterotti, Österreichs Botschafter in Berlin, würdigte den Einsatz als „patriotischen Dienst“. Weiters sagte er, Österreich bekenne sich zu seiner historischen Verantwortung wahrend der NS-Zeit, „wenngleich Österreich als Staat nicht in die Verbrechen involviert war“. Zu dieser Unterscheidung merkte Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und früherer Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Berlin, kritisch an: „Ich wurde nicht zwischen Österreich und Österreich differenzieren.“ Er hob hervor, wie wichtig fur die Wahrnehmung im Ausland das Engagement der jungen Österreicher sei. „Das vermittelt ein wichtiges Bild vom heutigen Österreich. Erinnerungsarbeit gehört dazu.“ Bei den jüdischen Gemeinden werde dies „sehr positiv bewertet“. Christian Staffa von der Aktion Sühnezeichen, die Vorbild fur den Gedenkdienst war, sieht nun seinerseits die österreichische Regelung als beispielhaft an: In Deutschland werde nun versucht, wie in Österreich eine finanzielle Entschädigung zu erreichen. In Österreich betragt die Unterstützung für Gedenkdiener rund 600 Euro monatlich. Die Gedenkdiener in Deutschland sind zufrieden mit ihrer Entscheidung: „Man ist nahe am Geschehen“, meint der 22-jahrige Lukas Willmann, der im Haus der Wannseekonferenz in Berlin arbeitet. So konnte er an der Vorbereitung der zweiten Auflage der Wehrmachtsausstellung mitwirken, die derzeit in Wien gezeigt wird. Der 29-jährige Jürgen Supthut, der bei der Topographie des Terrors mitarbeitet, hat festgestellt: „Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist in Deutschland intensiver.“

Projekt Details

  • Datum 16. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2002

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