Der erfüllte Traum, Kronen Zeitung

12.07.2002

Projekt Beschreibung

Der erfüllte Traum Kein Militär und kein Zivildienst – der Grazer Marcus Reistenhofer dient dem Land in Los Angeles! Er hat ein ausgeprägtes soziales Gewissen und den Traum Schauspieler zu werden. Dazu kam, dass der heute 20-jährige Marcus Reistenhofer nach seiner HTBLA-Matura den Militär- oder Zivildienst leisten musste. Der junge Grazer wählte einen Weg, der Gewissen, Traum und Pflicht gleichermaßen befriedigt. „Schon während meiner Schulzeit an der HTBLA für Maschinenbau und Automatisierungstechnik, die ich in Kaindorf an der Sulm besucht habe, war mir klar, dass ich später weder Militär-, noch Zivildienst ableisten, sondern als sogenannter Ersatzdiener ins Ausland gehen werde“, sagt Marcus. „Deshalb habe ich mit dem Innsbrucker Politologen Dr. Andreas Maislinger Kontakt aufgenommen. Weil ich erfahren hatte, dass er in unserem Land dafür sorgt, dass junge Österreicher ihren Ersatzdienst in vielen Ländern der Welt leisten können. Und zwar in Form eines Gedenk-, Sozial- oder Friedensdienstes!“ Nähere Informationen darüber gibt es übrigens auch im Internet unter www.auslandsdienst.at Für Marcus, der ja auch den Traum von der Schauspieler hat, hieß das Ziel Los Angeles. Oder Hollywood. Das Bühnentalent scheint er von seinem Vater geerbt zu haben. Der mittlerweile verstorbene Peter Reistenhofer war unter anderem auch Mitglied der berühmten Löwingerbühne. Um es zu erreichen, besuchte er während der letzten zwei Jahre seiner Schulzeit viermal pro Jahr zwei bis dreitägige Seminare mit Gleichgesinnten. „Eines hat zum Beispiel genau während der Vorbereitungszeit zur Matura stattgefunden. Das war Stress pur. Aber ich hab´s gemacht und schließlich das Glück gehabt, als einer von wenigen Kandidaten für den Auslandsdienst ausgewählt zu werden – noch dazu hat man mich nach L.A. geschickt!“ Als der damals noch 19-jährige Steirer am 26. Jänner 2002 in der kalifornischen Metropole ankam, war das Glück perfekt. Statt der acht österreichischen Militär-Monate muss er im Ausland 14 Monate abdienen. Und den Großteil der Kosten aus eigener Tasche tragen. „Mit Hilfe meiner Mutter und meinem Ersparten ist´s möglich“, strahlt er. Seit dem 1. Februar erscheint der fesche junge Steirer täglich pünktlich in den Büros der „Shoah Visual History Foundation“, die vom jüdischen Hollywood-Regisseur Steven Spielberg nach dessen Welterfolg „Schindlers Liste“ gegründet worden war. „Der Großteil meiner Arbeit besteht darin, deutsche Video-Interviews oder Texte ins Englische zu übersetzen. Das ist teils recht anstrengend und durch die Inhalte unheimlich traurig und berührend. Meine Übersetzungen werden dann in die größte Holocaust-Datenbank der Welt aufgenommen.“ Marcus Reistenhofer hat es jedoch auch geschafft, seinen Traum ausleben zu können. Nach der Arbeit besucht er eine private Schauspielschule! „Diese wird von einem Russen geleitet, der ein unglaubliches Multi-Talent ist. Ich habe bis jetzt schon extrem viel gelernt, weil die Klassen sehr klein sind und die Lehrer viel Zeit haben, sich mit jedem einzelnen Schüler intensiv zu beschäftigen.“ Natürlich braucht man in einer Riesenstadt wie Los Angeles ein eigenes Auto. Das besitzt Marcus. „Einen Monat nachdem ich es gekauft habe, hat man es aufgebrochen und alles, auch die HiFi-Anlage, auf die ich so stolz war, gestohlen. Auch das ist Los Angeles. Die Kriminalitätsrate ist hier eben unendlich viel höher als daheim in Graz.“ Während der ersten Monate lebte Marcus in North Hollywood, vor kurzem ist er in ein Gebiet namens Los Feliz gezogen. „Hier ist es viel sicherer. Es ist ein absolut klasser Ort, in dem sich Madonna in ihren jungen Jahren die Nächte um die Ohren geschlagen hat. Auch heute leben hier noch einige Stars. Brad Pitt zum Beispiel – und gar nicht weit von mir entfernt!“ Die Monate, die ihm noch in Los Angeles bleiben, will der Grazer nutzen, um Kontakte zur Filmwelt zu knüpfen – „vielleicht bleib´ ich für immer hier!“

Projekt Details

  • Datum 16. Dezember 2015
  • Tags Pressearchiv 2002

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