Das Haus des Bösen – Wie kann man Hitlers Geburtshaus in Braunau entmystifzieren?, profil

13.06.2016

Projekt Beschreibung

profil Nr. 24 – 13. Juni 2016   Gastkommentar Andreas Maislinger   Das Haus des Bösen Wie kann man Hitlers Geburtshaus in Braunau entmystifzieren?   Hermann Feiner ist ein Name, denn man sich merken sollte. Dank der ruhigen Beharrlichkeit des zuständigen Sektionschefs im Innenministerium bewegt sich endlich etwas. Das Hitler-Geburtshaus in Braunau am Inn soll durch ein eigenes Gesetz enteignet werden. Es fällt auf, dass der Enteignungszweck ausschließlich negativ umschrieben ist. Offenbar soll damit ein denkbar breiter Ermessensspielraum für die Entscheidung über das weitere Schicksal der Liegenschaft gesichert werden. Wenn das Hitler-Geburtshaus jedoch wie von einem Braunauer Abgeordneten vorgeschlagen, nach der Enteignung wieder ähnlich wie bis zum Auszug der Lebenshilfe vor fünf Jahren genützt wird, ist die in den Erläuterungen zu § 2 aufgestellte Forderung nicht erfüllt: „Insbesondere ist darauf zu achten, dass die besondere Aura dieses Ortes dekonstruiert und entmystifiziert wird. Eine Begünstigung der weiteren Assoziierung mit der Person Hitlers oder Identifikation mit der Ideologie des Nationalsozialismus in irgendeiner Form, etwa durch eine dauerhaft betonte Verbindung mit der Person Hitlers, darf nicht stattfinden.“   Eine immer wieder gewünschte „normale“ Nutzung kann diese „besondere Aura“ nicht wie gefordert dekonstruktieren und entmystifizieren. Wenn dies etwa durch den geplanten Einzug der Volkshochschule oder Volkshilfe möglich wäre, hätte dies auch von 1945 bis 2011 durch die Nutzung durch Braunauer Schulen und die Lebenshilfe erreicht werden müssen. Über Jahrzehnte wurde das Hitler-Geburtshaus durch pädagogische und soziale Einrichtungen genützt, die erwähnte „besondere Aura“ ging dadurch jedoch nicht verloren. Im Gegenteil! Die Attraktion für Neonazis scheint noch gestiegen zu sein. Wäre dies nicht so, würde die Republik Österreich jetzt auch keinen Grund für diesen harten Schritt der Enteignung setzen.   Adolf Hitler wurde vor etwas mehr als 127 Jahren in Braunau am Inn geboren. Und obwohl seine Eltern kurz nach seiner Geburt wegzogen und Hitler später kein besonderes Interesse an seiner Geburtsstadt zeigte, hat die Innviertler Kleinstadt das Stigma, Geburtsort eines der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte zu sein. Dabei hatte die Stadt Braunau am Inn vor 16 Jahren mit der Initiative „Braunau setzt ein Zeichen“ alle überrascht. Angeregt vom damaligen Chefredakteur der Braunauer Rundschau, Reinhold Klika, hatten am 7. Februar 2000 der Braunauer Bürgermeister, der Obmann des Vereins für Zeitgeschichte und die Obmänner aller im Gemeinderat vertretenen Parteien SPÖ, FPÖ, FMU (später Grüne) und ÖVP einen bemerkenswerten Aufruf unterschrieben. Drei Tage nach Angelobung der umstrittenen ÖVP-FPÖ-Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der in Braunau am Inn geborenen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hatte die Stadt Braunau am Inn einstimmig erklärt, nach dem Auszug der Lebenshilfe das Geburtshaus von Adolf Hitler zu einer „internationalen Stätte der Begegnung und Versöhnung“ zu machen.   Nachdem dieser Aufruf weltweit positive Aufmerksamkeit erregte und über 2000 weitere Unterschriften erhielt, war es über mehr als ein Jahrzehnt für alle klar, dass von der Stadt Braunau am Inn nach der Errichtung des Mahnsteines 1989, der Gründung der Braunauer Zeitgeschichte-Tage 1992, der Verlegung der Stolpersteine 2006 und der Eröffnung des Jägerstätter-Parkes 2007 mit dem Haus der Verantwortung ein weiteres, sogar noch stärkeres Zeichen gesetzt werden sollte. Braunau am Inn ist kein Täter- oder Opferort wie Obersalzberg, Berlin, Mauthausen oder Auschwitz. Im Geburtshaus von Adolf Hitler haben die Nationalsozialisten weder Verbrechen geplant noch vollzogen. Braunau am Inn gilt für viele Menschen jedoch als Geburtsort des Bösen. Und genau das ist das besondere Problem, für dessen Bewältigung es im Gegensatz zu den Opfer- und Täterorten noch kein Modell gibt. Was macht man mit einem Haus in einer Kleinstadt, in dem es weniger um die Aufarbeitung von Verbrechen und das Erinnern an unfassbares Leid, sondern um den Umgang mit einem Mythos geht? Ich wollte es lange nicht glauben und habe mich heftig dagegen verwehrt, diese Annahme zu akzeptieren, aber Braunau am Inn ist tatsächlich für viele Menschen ein Unort, den man nicht betreten möchte.   Wie könnte das Haus und damit die ganze Stadt diese „besondere Aura“ verlieren? Es muss klar definiert werden! Und genau hier setzt das Projekt „Haus der Verantwortung“ an. Mit dem Prinzip Verantwortung des jüdischen Philosophen Hans Jonas findet eine Art „Umpolung“ des „Hitler-Hauses“ statt. Adolf Hitler hat viele Millionen Menschenleben vernichtet, Hans Jonas geht es um die Bewahrung menschlichen Lebens für zukünftige Generationen. Und da es um die Zukunft geht, sollte das Haus der Verantwortung vor allem jungen Menschen aus aller Welt überlassen werden.   Andreas Maislinger ist Politologe, initiierte Gedenkdienste und die Braunauer Zeitgeschichte-Tage und beschäftigt sich seit Jahren mit Hitlers Geburtshaus.

Projekt Details

  • Datum 22. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2016

Response (1)

  1. Werner Hofmann
    17. Juli 2016 at 4:40 · Antworten

    Vielleicht könnt man nach dem Abtragen die Ziegelsteine als „Andenken“ den Ewiggestrigen um €1000 pro Stück verkaufen und so die Unkosten decken. Wenn das Geschäft gut geht, könnt die Errichtung eines Antifa Beserlparks auch finanziert werden, bis einer draufkommt, dass schon dreimal soviele Altziegel verkauft wurde als dieses Haus Bausubstanz hatte.

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