„Chance auf weltweite Aufmerksamkeit verpasst!“, Nachrichten.at

18.09.2013

Projekt Beschreibung

„Chance auf weltweite Aufmerksamkeit verpasst!“

BRAUNAU / INNSBRUCK. Der ehemalige wissenschaftliche Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage würde gerne einen Neuanfang starten.

„Chance auf weltweite Aufmerksamkeit verpasst!“

Andreas Maislinger (l.) mit Oscar-Preisträger Branko Lustig. Bild: privat

Zwei Jahrzehnte war Andreas Maislinger wissenschaftlicher Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage. Heuer mischte der 58-Jährige erstmals nicht mehr mit. Im OÖN-Interview spricht der Innsbrucker Politologe über die Gründe seines Abgangs, seine persönlichen Empfindungen und über ein mögliches Comeback.

Die jüngsten Braunauer Zeitgeschichte-Tage waren die ersten ohne Sie. Schmerzt Sie das und würden Sie, falls sich die Gelegenheit dazu ergebe, wieder Ihre alte Rolle übernehmen?

Maislinger: Natürlich würde ich die von mir von 1992 bis 2012 organisierten Braunauer Zeitgeschichte-Tage gerne wieder leiten. Ich denke nach wie vor mit großer Dankbarkeit an die Unterstützung der Gründerväter Gerhard Skiba, Erich Marschall und Josef Dax. Nach einem bedauerlichen Streit kam der von Florian Kotanko geleitete Verein für Zeitgeschichte ins Spiel. Auch wenn wir immer wieder verschiedener Meinung waren, haben wir doch lange erfolgreich für die Stadt Braunau gearbeitet.

Wie sehen Sie die Zukunft der Zeitgeschichte-Tage aus der Ferne?

Ich habe aus Braunau gehört, dass die Tagung über das Jahr 1913 sehr gut besucht war und es einige begrüßt haben, dass sich die Zeitgeschichte-Tage endlich nicht mit der NS-Zeit beschäftigt haben. Von einer überregionalen oder internationalen Wahrnehmung in den Medien habe ich allerdings nichts bemerkt. Florian Kotanko wollte offensichtlich ein deutliches Zeichen in Richtung Regionalgeschichte setzen und suchte daher bewusst keine internationale Aufmerksamkeit. Ich finde es schade, dass der Verein für Zeitgeschichte nicht die Chance einer noch größeren internationalen Bedeutung nützen wollte. Mit den Themen „Strategien gegen den Rechtsextremismus“ im nächsten Jahr und der weltweiten Rezeption des Buches „Mein Kampf“ im Jahr 2015 könnte sich die Stadt Braunau endgültig als internationaler Tagungsort etablieren. Es wäre schade, wenn ich die beiden Tagungen einer anderen Stadt anbieten müsste. Ich habe bereits prinzipielle Zusagen von Politikern von CSU bis „Die Linke“ und führender NS- und Hitler-Forscher.

Sie haben viele Ideen. Warum sind Sie eigentlich nicht mehr in Braunau dabei?

Das sollten Sie Florian Kotanko und die Mitglieder des Vereins für Zeitgeschichte fragen. Mein Fehler war es sicher, dass ich am letzten Tag der Tagung 2011 vor dem Gespräch mit Oscar-Preisträger Branko Lustig die Nerven verloren habe. Ich habe mich damals darüber aufgeregt, dass zum Gespräch mit dem Auschwitz-Überlebenden und Produzenten so erfolgreicher Filme wie „Schindlers Liste“ und „Gladiator“ wieder kaum junge Braunauer gekommen sind. Da das Gespräch mit Branko Lustig für einen Dokumentarfilm aufgezeichnet wurde, hatte ich Angst, dass es für Braunau schlecht aussehen würde, wenn sich nur ganz wenige junge Menschen im Publikum befinden. Mein Ausraster wurde zum Anlass genommen, zu mir auf Distanz zu gehen. Ich habe mich deshalb mehrmals entschuldigt.

Veranstaltungen wie die Zeitgeschichte-Tage leben auch ein wenig vom Promi-Faktor. Mit welchen Bekanntheiten könnten Sie voraussichtlich aufwarten, und wie ist Ihr Draht ganz allgemein zu den Entscheidungsträgern in Politik und Wissenschaft?

Ohne einen Auftrag für die Organisation der nächsten Braunauer Zeitgeschichte-Tage zu haben, sollte ich keine Namen nennen. Aber eines will ich schon sagen: Meine Kontakte zu auch sehr prominenten Zeitgenossen haben sich noch verbessert, und ich bin immer wieder erstaunt, wer aller bereit wäre, nächstes und übernächstes Jahr ins Innviertel zu kommen. In Österreich ist es nicht einfach, wenn man keiner Partei angehört. Mir ist es aber gerade im Wahljahr gelungen, zu für Braunau wichtigen Politikern ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Hier hilft mir vor allem der ebenfalls 1992 gegründete Gedenkdienst. Gedenkdiener wie die Braunauer Tobias Aigner und Markus Metz tragen sehr viel zum Ansehen Österreichs in der Welt bei.

Schweben Ihnen eigentlich auch über das Jahr 2015 hinaus Themen für die Zeitgeschichte-Tage vor, haben Sie Konzepte, und wenn ja, wie sehen sie aus?

Wesentlicher Teil des teilweise großen Erfolges unserer Tagungen war die sehr langfristige Vorbereitung. Ich habe daher die bereits erwähnten Themen für 2014 und 2015 schon vor Jahren vorgeschlagen, und auch für 2016 habe ich natürlich schon eine Idee. Wegen der bayerischen Landesausstellung „Bier in Bayern“ in Aldersbach könnten wir uns mit dem Bier in all seiner Vielfalt beschäftigen. Und 2017 ist es natürlich naheliegend, sich ausgehend von der russischen Oktoberrevolution 1917 dem Themenkomplex „Sozialismus und Kommunismus“ zu widmen.

Link: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/Chance-auf-weltweite-Aufmerksamkeit-verpasst;art70,1218129,B

Projekt Details

  • Datum 6. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2013

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