Bringt Anna Rosmus US-Veteranenmuseum nach Braunau?, Passauer Neue Presse

26.09.2009

Projekt Beschreibung

Die in Passau geborene Historikerin will zusammen mit dem oberösterreichischen Gedenkdienst die Rolle der US-Besatzer in der Region würdigen Bringt Anna Rosmus US-Veteranenmuseum nach Braunau?
Von Stefan Rammer Braunau/Passau. Der Österreichische Gedenkdienst plant mit Unterstützung der aus Passau stammenden Anna Rosmus in Braunau am Inn das erste US-Veteranen-Museum in Österreich. Es soll General-Reinhart-Museum heißen. Rosmus (49), die mittlerweile in den USA (Maryland) lebt, ist bekannt geworden durch ihr Buch „Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933-1945“ (1983). Weil sie jahrelang keine Einsicht in Personalakten bekam und sich diese vor Gericht erstritt, wurde sie u.a. mit dem „Geschwister-Scholl-Preis“ (1984) und dem Heinz-Galinski-Preis (1996) ausgezeichnet. Wegen vieler Anfeindungen verließ sie – als „Nestbeschmutzerin“ beschimpft – 1994 Passau in Richtung USA. In mehreren Büchern hat sie seitdem immer wieder regionalgeschichtliche Themen aufgegriffen. Hauptquartier im Hitler-Geburtshaus Momentan arbeitet sie an zwei Titeln: „Walhalla Finale“ und „Ending Combat“. Darin wird es bislang unveröffentlichte Bilder und Dokumente zu den letzten Kriegstagen in unserer Region geben. Auch bisher unbekannte Dokumente und Fotos über das Wirken von Generalmajor Eric Reinhart in der Region Braunau, Ried, Wels und Linz hat Rosmus in ihrem Besitz. Braunau hatte, ähnlich wie Passau, symbolischen Wert für amerikanische Offiziere. In Braunau kam Hitler zur Welt. Als Anfang Mai 1945 Braunau erobert wurde, berichteten darüber in den USA selbst die regionalen Zeitungen voller Begeisterung. Braunau blieb damals weitgehend intakt. Lediglich die Brücke über den Inn wurde von Einheimischen gesprengt. Die Amerikaner befreiten ein großes Gefangenenlager mit vielen Alliierten-Offizieren der Luftwaffe. Horace McBride, Kommandeur der 80. Infanterie-Division, richtete im Geburtshaus von Adolf Hitler sein Hauptquartier ein. Unweit davon kapitulierte der österreichische General Lothar von Rendulic am 7. Mai 1945. Hier agierte das XX. Korps unter General Walker. Generalmajor Stanley Eric Reinhart, der zunächst Kommandeur der 65. Infanterie-Division war, Regensburg, Passau und den Flughafen bei Kirchham einnahm, ehe er in Schärding am Inn einmarschierte, wurde am 7. Mai 1945 zum Militärgouverneur von Oberösterreich ernannt. Zu seinen Aufgaben gehörte es u.a, über 700 000 damals Heimatlose in 127 Lagern zu versorgen. Reinhart brachte in beispiellosem Einsatz sowohl die einheimische Wirtschaft wie das Kulturleben in Rekordgeschwindigkeit wieder in Gang. Im August 1945 wurde er zusätzlich zum Kommandeur der 26. Infanterie-Division ernannt, die ihre Truppen von Linz bis hinauf nach Ried stationiert hatte. Seine unermüdliche Aufbauarbeit dort hat ihn letzten Endes seine Karriere gekostet, aber der Zwei-Sterne-General Reinhart blieb Oberösterreich lebenslänglich ganz besonders verbunden. Er starb 1971. Die Nachfolge von Reinhart trat Generalmajor Macon an, der bis dahin sein Hauptquartier in Passau hatte. Letzter „Erbe“ dieser Phase war Generalleutnant Irwin, der 1945 Kommandeur des XII. Korps war und alles Land links der Donau bis hinauf in die Tschechoslowakei erobert hatte. Dr. Andreas Maislinger vom Österreichischen Gedenkdienst ist die treibende Kraft hinter den Plänen eines Veteranenmuseums. Er sagt: „In Braunau am Inn ein Museum für solche Männer einzurichten, würde helfen, kommenden Generationen zu zeigen, dass auch Krieg und Besatzung Spielraum lassen und grenzübergreifende Humanität keineswegs auf der Strecke bleiben muss. Wenn es in ,unserer‘ Region Europas ein Musterbeispiel für friedfertige Zusammenarbeit ehemaliger Gegner gibt, ist Oberösterreich ganz oben auf.“ Material von GIs und Generälen Anna Rosmus arbeitet seit 15 Jahren mit US-Veteranen, die in Niederbayern und Oberösterreich stationiert waren, und kennt deren Geschichte wie kaum jemand anderer. Sie besitzt eine Fülle von Dokumenten aus staatlichen Sammlungen oder aus dem Privatbesitz von „einfachen“ Soldaten wie auch von Generälen. Ein Teil davon soll in Braunau am Inn ausgestellt werden. In den letzten Jahren hat Rosmus mehrmals ehemalige US-Soldaten in unsere Region, u.a. nach Passau, geholt. Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer hat 2005 und 2006 deren Delegationen empfangen. Laut der gebürtigen Passauerin zeige die Besatzung von Oberösterreich, wie gut alles hat laufen können und wie grotesk in Bayern vieles vermurkst wurde. Das habe vor allem an einzelnen Persönlichkeiten gelegen. Mit Reinhart sei es der absolute Idealfall gewesen. Und Macon habe ihm in nicht viel nachgestanden.

Projekt Details

  • Datum 14. Juni 2016
  • Tags Pressearchiv 2009

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