Auslandszivildienst, Vorarlberger Nachrichten, 18./19.12.1999

18./19.12.1999

Projekt Beschreibung

Als Zivildiener 14 Monate in Amerika

Zwei Vorarlberger Studenten über die Möglichkeit eines Zivildienstes im Ausland

Der Ort an dem wir Andreas Feuerstein und Heinz Bösch unseren Zivilersatzdienst leisten ist Reno, die zweite große Casinostadt im Staate Nevada im Westen der USA. Die Institution: das Center for Holocaust Genocide & Peace Studies an der University of Nevada, Reno. Unsere Aufgabe: Gedenkdienst im Ausland zu leisten. Seit 1. September (Andreas) bzw. 1. Oktober 1999 (Heinz) versuchen wir hier durch unseren Dienst die Erinnerung an die Opfer des Holocaust lebendig zu halten. Unsere Arbeit ist äußerst vielfältig – Mitarbeit an der halbjährlich erscheinenden Publikation des Centers, Gestaltung von Ausstellungen und Organisation von Veranstaltungen und Vorträge zum Thema Holocaust gehören zu unseren Aufgaben. Ein weiteres Projekt ist die Fortsetzung eines Videodokumentation über heute in Nevada ansässige Holocaustüberlebende und liberators (Menschen, die an der Befreiung von Konzentrationslagern beteiligt waren). Momentan kümmern wir uns um eine mögliche Finanzierung dieses Vorhabens. Arbeit und Motivation Neben den Beschäftigungen im office versuchen wir durch regelmäßige Teilnahme an community events die lokale Bevölkerung zu erreichen. So werden wir im Frühjahr nächsten Jahres lokale highschools besuchen, um dort in Geschichtestunden über den Holocaust, Österreichs Rolle 1938-1945 und unseren Gedenkdienst sprechen. Die Tourismuswerbung bezeichnet Reno als „the biggest little city in the world“ (angekündigt durch eine Leuchtreklame), und dies beschreibt die Atmosphäre wohl auch am besten. Eine Ansammlung von Licht und Glamour mitten in der Steppe. Trockenheit als Bestimmungsfaktor, dafür reichlich Sonne. Neben der interessanten Arbeit war die zu gewinnend für unseren Entschluss nach Reno zu kommen. Aufnahme durch das Center war herzlich, wir freuen uns auf die noch folgende Zeit.


Anforderungen an Interessenten

Auswahlkriterien des Vereins für Dienst im Ausland

Ein wichtiger Punkt, um im Verein für Dienst im Ausland als Auslandszivildiener ausgewählt zu werden, ist die inhatliche Vorbereitung sowie die Mitarbeit im Verein selbst. Unter inhaltiche Vorberietung fallen Literatur und der Besuch diverser Veranstaltungen, Vorträge sowie Filme, die sich mit den Bereichen beschäftigen. Ein Gedenkdiener sollte Vorträge im Jüdischen Museum Hohenems besuchen und sich auch Filme wie „nichts als die Wahrheit“ ansehen. Ein Interessent im Verein für Dienst im Ausland sollte 10 solcher Veranstaltungen besucht haben. Der zweite Punkt der inhaltlichen Vorbereitung ist die Literatur: Es gilt für jeden Gedenkdienstinteressent mindestens zwei Bücher über den Holocaust gelesen zu haben. Die Mitarbeit im Verein selbst ist ebenfalls wichtig: Jedes Landesreferat besteht aus den folgenden Bereichen: GD, SD, FD, Marketing, PR, Schulkontakte. In einem dieser Bereiche sollte eine bestimmte Zeit lang mitgearbeitet werden. Generell gilt es, die Leute auf die Möglichkeit eines Auslandszivildienstes aufmerksam und den Verein bekannt zu machen. Wird der Interessent auch von der Stelle im Ausland angenommen, kann er seinen Dienst antreten.


Hintergrund:

Auslandsdienst immer beliebter

Der Verein für Dienste im Ausland sendet Zivildiener in die ganze Welt

Jeder österreichische Jugendliche muss sich früher oder später zwischen einem Einsatz beim Bundesheer oder einem Zivildienst entscheiden. Seit einigen Jahren (seit 1992) gibt es für Zivildiener die Möglichkeit, ihren Dienst im Ausland abzuhalten, auch in anderer Form als bisher bekannt. Diese Wahl erweist sich als immer beliebter. Ursprünglich nur in Form eines Gedenkdienstes (Arbeit an Holocaustgedenkstätten und Museen), kann der Zivildiener nun auch zwischen Sozialdienst (Entwicklungs- und Wirtschaftshilfe) oder Friedensdienst (Erreichung bzw Sicherung des Friedens in einem bewaffneten Konflikt) wählen (siehe linker Kasten für mehr Informationen). Der auslandsdienst.at – Verein für Dienste im Ausland nach § 12b Zivildienstgesetz – ist eine jener Trägerorganisationen, die es Jugendlichen in ganz Österreich ermöglicht, solch einen Dienst im Ausland abzuhalten. Der Verein ist mit mittlerweile 21 anerkannten Auslandsstellen der größte Träger in Österreich. Im Gegensatz zum herkömmlichen Zivildienst dauert der Auslandsaufenthalt 14 Monate. Die Auswahlkriterien hierbei sind: Engagement und Eigeninitiative im Verein (in öffentlicher sowie auch organisatorischer Hinsicht), lesen von Literatur über die Thematik, eventuell Vorstellung bei der Stelle. Vor allem im Bereich Gedenkdienst ist eine umfangreiche Vorbereitung nötig, es sollten einige Bücher gelesen und an 10 Veranstaltungen (Filme, Vorträge etc.) teilgenommen werden. Der Verein hält jährlich vier dreitägige Seminare ab (zweimal Wien, je einmal Salzburg und Braunau), wo Neuinteressenten über den Verein informiert, Kandidaten ausgewählt und Arbeitsgruppen zu aktuellen Themen geformt werden. Zusätzlich gibt es in jedem Bundesland sogenannte Landesreferate, an die sich Neuinteressenten immer als erstes wenden sollten. Das Landesreferat hält jeden Monat ein Treffen ab, um die Interessenten zu informieren und ihre zukünftige Arbeit zu organisieren. (Hierzu zählt Sponsoren für Folder und andere Projekte suchen, Artikel für Zeitungen schreiben, Journalisten kontaktieren, Vorträge besuchen und auch halten…) Wohin? Der Verein für Dienste im Ausland hat Partnerorganisationen in der ganzen Welt. Holocaustgedenkstätten und Museen in den USA, Kanada, England oder Osteuropa; Arbeit an international angesehenen Friedenseinrichtungen in Israel oder Sozialhilfe in Indien, Afrika und Südamerika. Derzeit liegen Stellen in Indien, Costa Rica, El Salvador und Paraguay im BMI (werden die Stellen angenommen, können dorthin offiziell Auslandsdiener hingeschickt werden). Der Schwerpunkt für zukünftige Stellen liegt in Osteuropa. Eine weitere Besonderheit ist, dass immer wieder neue Stellen hinzukommen, die von den Zivildienern selbst angeschrieben worden sind. Nach Absprache mit dem Verein wird der Antrag im BMI gestellt, und wird die Stelle genehmigt, steht dem Auslandszivildienst nichts mehr im Wege. Aber bitte vorher immer den Landesreferenten kontaktieren! Überhaupt lautet die Philosophie des Vereines, den allergrößten Teil der Arbeit den Jugendlichen und Interessenten selber zu überlassen, so können sie bereits im Voraus ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wie der Name schon sagt, nutzt der Verein alle neuen Möglichkeiten des Internets. Die Homepage des Vereins (www.auslandsdienst.at) gilt als die wichtigste Informationsquelle für Interessenten, alle organisatorischen Aufgaben werden über e-mail verteilt, und Auslandsdiener kann nur werden, der sich online registrieren lässt.


Kasten: Mögliche Dienste

Gedenkdienst: Der Gedenkdienst befasst sich mit den Opfern des Nationalsozialismus. Die Gedenkdiener arbeiten an Universitäten, Holocaust-Museen etc. wo sie neben Archivforschungen und Übersetzungen auch Veranstaltungen und Projekte organisieren. Sozialdienst: Die Aufgabengebiete eines Sozialdieners bewegen sich im Rahmen von Vorhaben, die der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes dienen. Dazu gehört etwa Arbeit mit Straßenkinder, Mitarbeit an architektonischen Projekten oder zur Wasserwiederaufbearbeitung. Friedensdienst: Friedensdienst wird im Rahmen von Vorhaben geleistet, die der Erreichung oder Sicherung des Friedens im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten dienen. Aufgaben wie die Organisation und Teilnahme an Workshops und gemeinsamen Initiativen der jeweils betroffenen Konfliktparteien bilden das Kernprogramm eines Friedensdienstes.


Kasten: Verschiedene Stellen

Name: Center for Holocaust, Genocide and Peace Studies Ort: Reno, Nevada/USA Dienst: Gedenkdienst Aufgaben: Ausstellungen: Vorbereitung und Organisation (bspw. von Fotosaustellungen an der Universität über die Zeit des Nationalsozialismus) und Mitarbeit an wissenschaftlichen Vorträgen über die Themen Holocaust und Nationalsozialismus. „peace curriculum“: Erstellung von Lehrplänen zur „Holocaust-education“; Präsentation des Projektes an der Universität. Dokumentationen: Mitarbeit an Videodokumentationen (z.B. über Gespräche mit heute in Nevade lebenden Holocaustüberlebenden). Publikationen: Verfassen von Artikel für die z.Z. halbjährlich erscheinenden CenterNews, Erstellung von Rezensionen über Neuerscheinungen zum Thema Holocaust und Nationalsozialismus. Veranstaltungen: Organisation von Veranstaltungen des CHGPS am Campus (Gastvorträge zu Holocaust und Nationalsozialismus, etc.) Archiv: Bearbeitung von Archivmaterial (z.B. Übersetzung deutschsprachiger Dokumente)   Name: Institute of Contemporary History and Wiener Library Ort: London/England Dienst: Gedenkdienst Aufgaben: Mitarbeit bei der Organisation akademischer Veranstaltungen. Mitarbeit bei der Erstellung des Journal of Holocaust Education. Teilnahme und Assitenztätigkeiten bei Vorträgen und Konferenzen.   Name: Centro de Atencion integral a la Ninez y Adolescencia Ort: Buenos Aires / Argentinien Dienst: Sozialdienst Aufgaben: Ziel des Vorhabens ist es, den Straßenkinder von Buenos Aires dabei zu helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Die Tätigkeiten der Sozialdiener umfassen: Ausbildung der Straßenkinder, Hilfe bei Behördenwegen, Organisation von Projekten mit Straßenkinder, Auffinden und Tagesbetreuung der Straßenkinder.   Name: Diözese Kabale Ort: Uganda Dienst: Sozialdienst Aufgaben: Verbesserung der sanitären Situation in den Dörfern der Diözese. Eine naheliegende Verbesserung der Lebensqualität soll dadurch sichergestellt werden. Die Tätigkeiten der Sozialdiner umfassen: Das Zusammenstellen von Daten, betreffend der sanitären Situation in den Dörfern, Mitarbeit bei der Analyse von Wasserproben, Mitarbeit beim Aufbau und bei der Errichtung von Sanitäranlagen und Wasseraufbereitunsgsanlagen.

Projekt Details

  • Datum 25. September 2016
  • Tags Pressearchiv 1999

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